Flugzeugkatastrophe von Überlingen jährt sich zum 15. Mal

01.07.17, 22:28

Mit einer bewegenden Gedenkfeier hat das deutsche Bundesland Baden-Württemberg am Samstagabend in Überlingen am Bodensee der Opfer der Flugzeugkatastrophe vor 15 Jahren gedacht.

Vor etwa 80 Hinterbliebenen sagte Staatsminister Klaus-Peter Murawski: «Wir können dieses furchtbare Unglück nicht rückgängig machen, aber wir können dazu beitragen, dass es nicht in Vergessenheit gerät.»

Es habe neben Trauer und Schmerz auch Solidarität, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt ausgelöst: «Das tragische Ereignis hat Menschen zusammengeführt, die vorher nichts voneinander wussten. Es wurden Brücken der Freundschaft vom Bodensee zum Ural gebaut, die heute noch bestehen.»

Am 1. Juli 2002 waren nahe Überlingen eine russische Passagiermaschine und ein DHL-Flugzeug zusammengestossen und abgestürzt. Dabei kamen alle 71 Insassen ums Leben, unter ihnen Dutzende Schulkinder aus der russischen Teilrepublik Baschkortostan. Die Tupolew war auf dem Weg nach Spanien, wo die Kinder Ferien machen wollten. Auch die zwei Piloten des Frachtflugzeugs kamen um.

Der Vertreter der Hinterbliebenen, Sulfat Chammatov, bedankte sich für die «herzliche Anteilnahme» Baden-Württembergs. «Viele fragen uns: Wie haltet Ihr den Verlust aus? Nun, die Besuche hier helfen uns, über unseren Verlust hinwegzukommen», sagte Chammatov, der bei dem Unglück einen Sohn verloren hatte.

Gegen 23 Uhr wollten Angehörige der Opfer zusammen mit dem Überlinger Freundeskreis «Brücke nach Ufa» Kränze an der Gedenkstätte niederlegen und für jeden Toten einen Ballon mit LED-Lichtern steigen lassen. Ufa ist die Hauptstadt von Baschkortostan.

Angehöriger tötet Fluglotsen

Die Flugzeugkatastrophe von Überlingen zog noch eine weitere Tragödie nach sich. Zwei Jahre nach dem Unglück tötete der Russe Witali Kalojew, der damals seine Frau und seine beiden Kinder verloren hatte, einen Fluglotsen an seinem Wohnort in Zürich-Kloten.

Kalojew gab dem Mann die Schuld für den Zusammenstoss eines DHL-Flugzeugs mit einer russischen Tupolew-Passagiermaschine über dem Bodensee.

Der als «Fluglotsenmörder» bekanntgewordene Kalojew wurde vom Zürcher Obergericht zu acht Jahren Haft verurteilt. 2008 durfte er das Gefängnis aber vorzeitig verlassen. Bei der Rückkehr in seine Heimat Nordossetien wurde er von vielen als Held gefeiert. (sda/dpa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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