Unsicherheit über künftige Wirtschaftspolitik der USA

Publiziert: 09.11.16, 15:00

Die Unsicherheiten über die künftige Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump sind gross. Für die Schweiz dürfte sich aber zunächst nicht viel ändern.

«Die erste Auswirkung der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ist Unsicherheit», sagt David Dorn, Professor für International Trade and Labor Markets an der Universität Zürich.

Trump habe sich in seiner Kampagne sehr deutlich gegen den Freihandel ausgesprochen. Einige Handelsabkommen mit asiatischen Ländern, die noch nicht ratifiziert seien, seien nun in Frage gestellt. Zudem habe Trump angedroht, sehr hohe Steuern auf Importe aus China und Mexiko zu erheben, sagt Dorn gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Schwierige TTIP-Verhandlungen

Auch Marcel Sennhauser, Geschäftsleitungsmitglied von sciencesindustries, rechnet mit einer Phase der Unsicherheit. Der Wirtschaftsverband der Chemie-, Pharma- und Biotechunternehmen vertritt die wichtigste Schweizer Exportindustrie. Die grössten Mitgliederunternehmen von sciencesindustries erzielen 40 Prozent ihrer Weltumsätze in den USA.

Die republikanischen Mehrheitsverhältnisse in Senat und Repräsentantenhaus ermöglichten es Trump, seine Politik in den nächsten vier Jahren durchzusetzen. Die laufenden Verhandlungen zum TTIP-Abkommen stünden nun unter keinem guten Stern, sagt Sennhauser.

Das geplante US-Freihandelsabkommen mit der EU würde 45 Prozent des globalen Handels und ein Drittel der globalen Wirtschaftskraft umfassen.

Republikaner im Dilemma

Florian Eckert, USA-Experte bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), rechnet aber nicht damit, dass Trump vom Kongress einen Blankoschein für seine Vorhaben erhält. Die extremsten Ankündigungen, wie die Aufkündigung des Nafta-Abkommens mit Kanada und Mexiko und der Ausschaffung von 11 Millionen nicht registrierten Einwanderern, dürften laut Eckert am Veto des Kongresses scheitern.

Professor Dorn sieht die republikanische Partei hier in einer schwierigen Situation. Es sei klar, dass Trump die Wahl gerade auch wegen seiner protektionistischen Versprechungen gewonnen habe. Viele Wähler in der republikanischen Basis seien dem Freihandel kritisch gesinnt und befürworteten einschneidende Massnahmen.

Zölle schlecht für US-Wirtschaft

Auf der anderen Seite seien sich alle führenden US-Ökonomen einig, dass die Einführung von Zöllen für die US-Wirtschaft schlecht wären, sagt Dorn. Die Einschränkungen der Handelsbeziehungen könnten demnach für die global eng vernetzen US-Unternehmen zum Problem werden.

Und wenn Unternehmen nur wegen der hohen Zölle in den USA produzierten, sei das für die US-Wirtschaft ein grosses Risiko. Bei einer politischen Wende in vier Jahren oder falls unerwünschte Nebenwirkungen aufträten, könnten die Massnahmen wieder zurückgenommen werden. Diese Unsicherheit macht die USA laut Dorn als Produktionsstandort unattraktiv.

Schweiz wenig betroffen

Für die Schweiz sind die Auswirkungen der Wahl Trumps zunächst überschaubar. Zwar sind die USA laut KOF-Experte Eckert mit einem Anteil von 9 Prozent der Warenexporte und 16 Prozent der Dienstleistungsexporte der zweitwichtigste Absatzmarkt. Allerdings werde der konjunkturelle Aufschwung in den USA ungeachtet des neuen Präsidenten Trump wohl weitergehen.

Zudem seien für die Schweizer US-Exporte vor allem die chemischen und pharmazeutischen Produkte wichtig. Diese Wirtschaftszweige reagierten ohnehin kaum auf konjunkturelle Schwankungen, sagt Eckert.

Laut Marcel Sennhauser von scienceindustries sind die Pharmaexporte zudem über ein WTO-Abkommen geregelt und komplett zollfrei. An diesem weltweiten Abkommen kann Trump also nicht einfach einseitig Anpassungen vornehmen.

Allerdings rechnet Sennhauser damit, dass Trump bei Barack Obamas Gesundheitsreform Korrekturen vornehmen wird. Wenn dadurch der Zugang breiter Bevölkerungskreise auf Medikamente eingeschränkt werde, könne sich dies für die Unternehmen des Verbands negativ auswirken. (sda)

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schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
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