Sika-Aktie legt Kurssprung nach Gerichtsentscheid hin

Publiziert: 31.10.16, 10:20

Die Aktien des Baustoffherstellers Sika reagieren mit einem Kurssprung auf den Entscheid des Zuger Kantonsgerichts vom Freitagabend. Dieses hatte die Anfechtungsklage der Familienaktionäre gegen die Beschlüsse der GV von 2015 für viele überraschend abgewiesen.

Die Sika-Papiere legen bis um 9.35 Uhr bei sehr hohen Volumina um gut 13 Prozent auf 4808 Franken zu, während der Gesamtmarkt (SPI) um 0.47 Prozent nachgibt. Am Freitag, als viele Investoren offensichtlich noch mit einem anderen Prozessausgang gerechnet hatten, waren sie noch mit minus 4.2 Prozent grosse Verlierer im Feld der Blue Chips gewesen.

In ersten Analystenkommentaren ist von einem Etappensieg für den unabhängigen Verwaltungsrat die Rede. Die in der Schenker-Winkler-Holding (SWH) versammelten Familienaktionäre, welche die Übernahme durch Saint-Gobain wollen, könnten hingegen ihre Eigentumsrechte nicht im gewünschten Sinn wahrnehmen.

Richtungsweisender Entscheid

Für den Experten von Bernstein hat der Verwaltungsrat nun einen wichtigen «Meilenstein» erreicht. Er sieht den Entscheid des Zuger Gerichts als richtungsweisend für die zukünftigen Diskussionen rund um den geplanten Verkauf der Mehrheitsbeteiligung von SWH an die französische Saint-Gobain-Gruppe.

Bei der Bank Vontobel nimmt man den Entscheid vom späten Freitag gar zum Anlass für eine Heraufstufung der Sika-Aktien auf «Buy» von «Hold». Neu wird das Kursziel mit 5550 (4600) Franken angegeben. Begründet wird dieser Schritt insbesondere damit, dass die Wahrscheinlichkeit eines Paketverkaufs an Sika selber bei einer gleichzeitigen Entschädigungszahlung an Saint-Gobain zugenommen habe.

Auch in anderen Kommentaren wird eine mögliche Einigung breit diskutiert. «Wir bleiben der Ansicht, dass nur ein Entgegenkommen der SWH mittelfristig für den Inhaberaktionär eine optimale Lösung möglich macht», schreibt der zuständige Experte bei der ZKB.

Fronten bleiben verhärtet

Der unmittelbare Anfechtungsentscheids der SWH spreche jedoch noch nicht für eine Aufweichung der Fronten. Aufgrund der Fortsetzung der juristischen Auseinandersetzungen dürfte die Aktie seiner Meinung nach weiterhin mit einem Abschlag zum fairen Wert handeln, weshalb er bei seiner Einstufung «Marktgewichten» bleibt.

Mit einer raschen Einigung rechnet auch sonst kaum jemand. Die CS-Experten verweisen dabei auf die Vereinbarung zwischen der SWH und Sain-Gobain, die bis Juni 2017 gültig sei und zudem bis Dezember 2018 verlängert werden könne.

Und auch die Analysten von Baader Helvea meinen, dass «mindestens ein weiteres halbes Jahr, wenn nicht länger auf Klarheit» gewartet werden müsse - da die SWH Berufung angekündigt habe. Ihr Fazit: Der Entscheid des Gerichts sei zwar positiv für den normalen Sika-Aktionär, die Unsicherheit werde aber wohl noch eine Weile anhalten. (sda/awp)

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