«Matthew» erreicht die USA: Innerhalb der kommenden 36 Stunden kann es an der US-Ostküste zu lebensbedrohlichen Überschwemmungen kommen. Bild: TAMI CHAPPELL/REUTERS

Hurrikan «Matthew» wütet jetzt an der US-Ostküste

Publiziert: 08.10.16, 17:32 Aktualisiert: 08.10.16, 18:14

Mit Sturmfluten und starken Windböen zieht Hurrikan «Matthew» weiter an der Südostküste der USA entlang. Der Sturm hat sich zwar abgeschwächt. Trotzdem warnen die Behörden vor Überflutungen und rufen die Bevölkerung auf, keine Risiken einzugehen.

«Das ist immer noch ein wirklich gefährlicher Hurrikan», sagte US-Präsident Barack Obama. Er könne weiter für Flutwellen und Überschwemmungen sorgen, schwere Schäden anrichten und Leben gefährden.

Hurrikan «Matthew» wütet im Armenhaus von Amerika

Am Samstagmorgen (Ortszeit) erreichte der nördliche Rand des Sturmauges Hilton Head Island und Pritchards Island im US-Bundesstaat South Carolina, wie das Hurrikan-Zentrum NHC meldete. Auch der südliche Nachbarstaat Georgia wurde getroffen.

Innerhalb der kommenden 36 Stunden könne es in beiden Staaten zu lebensbedrohlichen Überschwemmungen kommen, warnte das NHC. Der örtliche Wetterdienst meldete gebietsweise Wasserstände von bis zu drei Metern Höhe.

In der Hafenstadt Charleston wurden zahlreiche Strassen gesperrt. Der Katastrophenschutz warnte die Bevölkerung auf Facebook, sich nicht in Küstennähe zu begeben. Hunderte von Flügen wurden gestrichen. Die Einwohner im nördlichen Nachbarstaat North Carolina bangen nun, dass auch sie bald von den Wassermassen erreicht werden. Erst am Sonntag werde «Matthew» aufs offene Meer abdrehen, hiess es vom NHC.

Millionen Menschen evakuiert

Nach schweren Verwüstungen mit hunderten Toten in Haiti war «Matthew» zuvor knapp an Florida vorbeigeschrammt und nach Norden gezogen. Insgesamt verliessen zwei Millionen Menschen in mehreren Bundesstaaten vorsichtshalber ihre Häuser. In Florida, Georgia und South Carolina hatten Medienberichten zufolge mehr als 1.3 Millionen Haushalte zeitweise keinen Strom.

In weiten Küstengebieten Floridas liess der Sturm umgestürzte Bäume und heruntergerissene Stromleitungen zurück, Strassen waren mit Dachziegeln, Fensterscherben und anderen Trümmern übersät.

In den USA kamen bisher mindestens fünf Menschen ums Leben, wie der Sender CNN unter Berufung auf Behördenangaben berichtete. Zwei Frauen wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen, eine weitere erlitt einen Herzinfarkt, ein Paar starb an Kohlenmonoxidvergiftung durch seinen Stromgenerator.

Nach Angaben der Meteorologen erreichte der Hurrikan am Morgen weiter eine Windgeschwindigkeit von bis zu 165 Stundenkilometern. Später war er noch mit 140 Stundenkilometern unterwegs, was einem Hurrikan der Kategorie 1 entspricht.

Hunderte Tote in Haiti

Zuvor hatte der Wirbelsturm in Haiti schwere Schäden hinterlassen. Die Hilfsorganisation Care nannte am Freitag unter Berufung auf das Innenministerium die Zahl von 478 Toten. Allein im besonders stark betroffenen Department Sud seien 283 Menschen getötet worden, berichtete der Radiosender Metropole unter Berufung auf den örtlichen Zivilschutz.

Die Nationale Katastrophenschutzbehörde hatte am Donnerstagmittag (Ortszeit) 108 Todesopfer bestätigt und seither keine offizielle Mitteilung mehr herausgegeben. In Medienberichten war teils von bis zu 900 Toten die Rede.

Der völlig verarmte Karibikstaat wurde auch deshalb besonders stark getroffen, weil sechs Jahre nach dem Erdbeben mit mehr als 200'000 Toten immer noch Zehntausende in Zelten und Notunterkünften leben. Dem Land droht nun eine neue humanitäre Katastrophe. Zahllose Menschen sind obdachlos, in einigen Gebieten gingen 80 Prozent der Ernte verloren. Auch die Angst vor Epidemien wie Cholera geht in dem Land erneut um.

In der Stadt Jérémie seien 80 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt, sagte Care-Mitarbeiterin Holly Frew am Freitag. Zahlreiche Hilfsorganisationen, darunter die UNO-Kinderhilfsorganisation UNICEF sowie die Glückskette riefen zu dringenden Spenden auf. Die Schweiz stellte bereits zwei Millionen Franken Soforthilfe zur Verfügung und schickte ein Team des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe ins Land. (sda/dpa/afp/reu)

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Gina226 - 6.4.2016
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