68 Kinder unter den Toten des Anschlags auf Buskonvoi in Syrien

16.04.17, 15:28

Rund die Hälfte der mehr als 112 Todesopfer des Anschlags auf einen Buskonvoi in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten Kinder. Die Opferzahl könnte noch steigen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntag mit, 68 Kinder seien bei dem Angriff getötet worden. Der Selbstmordanschlag hatte sich gegen einen Buskonvoi gerichtet, der tausende Menschen aus zwei belagerten Ortschaften im Nordwesten Syriens herausgebracht hatte.

Es gebe zudem eine grosse Zahl von Verletzten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Nach dem Anschlag hatte die Beobachtungsstelle zunächst von 43 Toten gesprochen. Am Sonntag warnte sie, dass die Opferzahl angesichts «hunderter» Verletzer noch weiter steigen könne.

Der Attentäter hatte sich am Samstag in der von Rebellen kontrollierten Ortschaft Raschidin westlich von Aleppo neben dutzenden Bussen in die Luft gesprengt, in denen Bewohner der beiden von Rebellen belagerten Ortschaften Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens sassen.

Unter den Toten waren nach Angaben der Beobachtungsstelle 98 Evakuierte. Bei den restlichen Todesopfern handelte es sich demnach um Hilfskräfte und um Rebellenkämpfer, die den Bustransport überwachten.

Die Beobachtungsstelle ist in Grossbritannien ansässig und stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen, sie haben sich jedoch als zuverlässig erwiesen.

Kein Bekenntnis

Die Evakuierung aus Fua und Kafraja war zuvor im Zuge eines Abkommens vereinbart worden. Sie war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, jedoch bald ins Stocken geraten.

In Raschidin warteten rund 5000 Menschen aus Fua und Kafraja auf ihre Weiterfahrt, als der Attentäter, der nach Angaben der Beobachtungsstelle am Steuer eines Transporters mit Lebensmittelhilfen sass, seinen Sprengsatz zündete. Zunächst war unklar, wer für das Attentat verantwortlich ist. Niemand bekannte sich zu der Tat.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von «Terroristen». Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken. Die oppositionelle Nachrichtenseite Zaman al-Wasl meldete unter Berufung auf Augenzeugen, das detonierte Fahrzeug sei aus einem Gebiet unter Kontrolle der Regierung gekommen.

Evakuierung nach zweijähriger Belagerung

Die Einwohner von Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib waren mehr als zwei Jahre lang von Aufständischen belagert worden. Sie sollen nun nach Aleppo, in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden. Ihre Weiterreise wurde schliesslich am Samstagabend nach schwierigen Verhandlungen ermöglicht.

Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaja und Sabadani verlassen. Der Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben. (sda/afp/dpa)

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