Mindestens 57 Tote bei verheerendem Waldbrand in Portugal

18.06.17, 12:36

Beim schlimmsten Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten sind im Zentrum des Landes bis am Sonntagmittag mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. Rund 60 Menschen wurden nach Angaben des Staatssekretärs im Innenministerium, Jorge Gomes, verletzt.

Viele Opfer starben auf der Flucht vor dem Brand in ihren Autos, als das Feuer ihnen den Weg abschnitt. Gomes sagte, es sei schwer zu sagen, ob die Menschen vor den Flammen flüchteten oder vom Feuer überrascht wurden.

Hunderte Feuerwehrleute mit 160 Löschfahrzeugen waren am Sonntag gegen die vor allem im Kreis Pedrógão Grande wütenden Flammen im Einsatz. Frankreich und Spanien entsandten Löschflugzeuge zur Unterstützung der portugiesischen Einsatzkräfte.

Es gebe einige Dörfer, die «von den Flammen völlig eingekesselt» seien, hatte in der Nacht der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, der Zeitung «Público» gesagt. In einigen Gebieten fiel der Strom aus, mehrere Familien mussten ihre Häuser verlassen.

Polizei: Blitzschlag ist Ursache

Das Feuer war am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Über dem betroffenen Gebiet habe sich ein Gewitter entladen, ohne dass es dabei regnete, sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, am Sonntag der Nachrichtenagentur Lusa.

Alles deute ganz klar auf natürliche Ursachen hin. «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Nationalgarde sogar den Baum gefunden, der von einem Blitz getroffen wurde.»

In der Nacht auf Sonntag hatte sich Bürgermeister Alves noch davon überzeugt gezeigt, dass das Feuer gelegt wurde. Rund um den Ort, der knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon liegt, ist es derzeit sehr heiss mit Temperaturen von weit über 30 Grad.

«Beispiellose Situation»

Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach dort von einer «beispiellosen Situation». Der sozialistische Ministerpräsident António Costa, der die Entwicklung die gesamte Nacht von der Zentrale des Zivilschutzes in Carnaxide bei Lissabon aus verfolgte, sagte, er sei vom «Ausmass der Tragödie schockiert».

Der Kreis Pedrógão Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zog in den vergangenen Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an. (sda/dpa/afp)

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