Zahl der Toten nach Anschlag auf deutsches Konsulat steigt

Publiziert: 11.11.16, 00:52

Bei einem Taliban-Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif sind mindestens vier Menschen getötet und mehr als hundert verletzt worden. Die Lage sei unter Kontrolle, sagte der Polizeichef der Provinz am Donnerstagabend.

Nach Auskunft der afghanischen Polizei soll es bei dem Angriff der radikalislamischen Taliban wohl nur einen Angreifer gegeben haben. Deutsche Truppen hätten das Konsulat Zimmer für Zimmer durchkämmt, seien aber nicht auf weiteren Widerstand gestossen, sagte Polizeichef Saied Kamal Sadat.

Der Attentäter habe eine Lastwagenbombe gegen eine Mauer des Konsulats gefahren, sagte Sadat weiter. Es habe sich um einen Kohlelaster gehandelt. Der Sprengstoff seien unter Kohlebrocken verborgen gewesen. In der unmittelbaren Gegend sei nach der Explosion der Strom ausgefallen. Der Rest der Stadt habe aber Strom.

Deutsche Mitarbeiter in Sicherheit

Die Explosion sei so schwer gewesen, dass viele Fenster in Gebäuden im Umkreis zerbrochen sein. Dies habe die meisten Verletzungen verursacht. Nach Angaben der Spitalverwaltung gibt es mindestens vier Tote ausserhalb des Konsulats, die Zahl der Verletzten stieg auf 119. Bei den beiden Toten soll es sich um Afghanen handeln.

Das deutsche Auswärtige Amt teilte am frühen Freitagmorgen mit, der Angriff sei beendet. Das Gebäude des Konsulats sei «erheblich beschädigt» worden, erklärte ein Ministeriumssprecher. Alle deutschen Mitarbeiter seien «sicher und unverletzt».

Anwohner hatten von einer gewaltigen Explosion berichtet, die einen mehrere Meter tiefen Krater in die Strasse vor dem Konsulat gerissen hatte. Nach der Explosion waren Schüsse zu hören, Anwohner liefen in Panik davon. Soldaten einer afghanischen Spezialeinheit riegelten den Tatort ab. Auch Helikopter waren im Einsatz.

Das Konsulat war erst im Juni 2013 eröffnet worden. Die Vertretung befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit der berühmten Blauen Moschee. Aus Sorge vor Anschlägen ist sie streng gesichert, unter anderem durch eine etwa fünf Meter hohe Mauer. Trotzdem gelang es dem oder den Tätern, aufs Botschaftsgelände vorzudringen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte am Abend, dass es auch dort zu «Kampfhandlungen» gekommen sei.

Krisenstab in Berlin einberufen

In Berlin kam am Abend auf Weisung des deutschen Aussenministers Frank Walter Steinmeier der Krisenstab zusammen, wie aus dem Auswärtigen Amt verlautete. Der Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, die Explosion habe sich gegen 23.00 Uhr Ortszeit ereignet.

Inzwischen befänden sich auch Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe aus dem Bundeswehrcamp Marmal in Masar-i-Scharif vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ob der Angriff andauere, könne er nicht sagen.

Vergeltung für NATO-Angriff

Die Taliban bezeichneten den Anschlag in Masar-i-Scharif als Vergeltung für einen NATO-Luftangriff in der Provinz Kundus, bei dem in der vergangenen Woche womöglich mehr als 30 Zivilisten getötet worden waren. Die UNO und die NATO hatten nach heftigen Protesten eine Untersuchung angekündigt. Das US-Militär räumte ein, dass bei dem Einsatz «sehr wahrscheinlich» Zivilisten getötet worden seien.

In der im Internet veröffentlichten Stellungnahme der Taliban hiess es, die «Märtyrer-Attacke» habe gegen 23 Uhr nachts begonnen und werde von heiligen Kriegern (Mudschahedin) des Islamischen Emirats durchgeführt.

Die USA und ihre Verbündeten beendeten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan und übergaben die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften. Die verbleibenden NATO-Truppen konzentrierten sich seitdem auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen.

Mehrere Rückschläge im Kampf gegen die Taliban liessen aber Zweifel an der Schlagkraft der afghanischen Polizei und Armee aufkommen. US-Soldaten beteiligen sich daher seit diesem Jahr wieder direkter am Kampf gegen die Taliban. (sda/dpa/afp)

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