Streit um Tempelberg in Jerusalem entschärft

27.07.17, 12:32

Der knapp zweiwöchige Streit um die Kontrollanlagen für Muslime am Tempelberg in Jerusalem ist entschärft: Israel hat die umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen wieder abgebaut, die Palästinenser kündigten daraufhin am Donnerstag ein Ende ihrer Proteste an.

Die israelische Polizei erklärte, die Zugangskontrollen seien nun wieder in dem Zustand wie vor dem Anschlag in der Jerusalemer Altstadt am 14. Juli, bei dem zwei Polizisten getötet worden waren.

Nach dem Attentat hatte Israel die Zugänge zu den muslimischen Gebetsstätten auf dem Tempelberg mit Metalldetektoren und neuen Überwachungskameras versehen. Dies führte zu wütenden Protesten von Palästinensern, bei denen fünf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden.

In der Nacht zum Donnerstag entfernten die israelischen Behörden die letzten Absperrgitter und Gerüste vor der Al-Aksa-Moschee, zuvor waren auch die Metalldetektoren abgebaut worden.

Zur Rückkehr aufgerufen

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief daraufhin zur Rückkehr zum Tempelberg auf. Die Gebete würden nun hoffentlich wieder in der Al-Aksa-Moschee stattfinden, sagte er in Ramallah. Ähnlich äusserte sich die islamische Wakf-Stiftung, welche die heilige Stätte verwaltet.

In den frühen Morgenstunden am Donnerstag versammelten sich zahlreiche Palästinenser am Fuss des Tempelbergs und feierten den Abbau der Sperren mit einem Hupkonzert und Böllern. Ein Teilnehmer sprach von einem Sieg über Israel. «Zwölf Tage lang hat niemand geschlafen, wir haben uns um nichts anderes gekümmert als die Al-Aksa-Moschee», sagte Firas Abasi.

Auf dem Tempelberg befindet sich neben der Al-Aksa-Moschee auch der Felsendom, ein weiteres wichtiges Heiligtum der Muslime. Juden ist der Ort ebenfalls heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Rest dieser Tempelanlage.

Wieder Gespräche?

Ob die Palästinenser auch die eingefrorenen Gespräche mit Israel wiederaufnehmen, war zunächst noch offen. Abbas sagte, dazu seien weitere interne Beratungen nötig.

Gegen die Zugangsbeschränkungen auf dem Tempelberg hatten auch islamisch geprägte Länder wie die Türkei protestiert. Auch UNO-Generalsekretär António Guterres hatte sich besorgt über die Lage in der Altstadt von Jerusalem gezeigt.

Am Mittwochabend hatten nach Medienberichten rund 30'000 Muslime an Gebeten ausserhalb des Tempelbergs teilgenommen. Seit Einrichtung der Kontrollmassnahmen hatten Palästinenser die heilige Stätte boykottiert und stattdessen als Protest in der nahen Umgebung auf der Strasse gebetet.

Jordanien vermittelte

Israel will nun weniger auffällige Kontrollvorrichtungen installieren. Details sind noch nicht bekannt. Das israelische Einlenken kam offenbar auf Vermittlung Jordaniens zustande.

Jordaniens König Abdullah II. telefonierte zu Wochenbeginn mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der Monarch ist aufgrund des israelisch-jordanischen Friedensvertrages von 1994 Hüter der heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem.

Um den Tempelberg gibt es zwischen Israel und den Palästinensern seit Jahrzehnten Streit. Im Jahr 2000 führte ein Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon zum Beginn eines Palästinenseraufstands, der sogenannten Zweiten Intifada. (sda/afp/dpa)

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