Original oder Fälschung: Wurde dieses Foto manipuliert?

Digitalfotos lassen sich leicht fälschen – doch wie gut erkennen Menschen solche Manipulation? Mach den Online-Test, im Dienst der Wissenschaft!

18.07.17, 15:48 18.07.17, 16:53

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Retuschierte Falten oder strahlend weisse Zähne für das Covermodel: Oft sind es nur Kleinigkeiten, mit denen Bildbearbeitungsprofis Details in digitalen Fotos verändern. Doch im schlimmsten Fall können sie zur gezielten Manipulation genutzt werden – wie etwa beim Abschuss von Flug MH17. Damals wurde der Kreml beschuldigt, Satellitenbilder gefälscht zu haben.

Auch der Versuch eines deutschen Extremsportlers wurde bekannt, der mit einer Bildfälschung eine Südpol-Expedition nachweisen wollte.

Manchmal sind solche Manipulationen gut gemacht, manchmal sind sie aber auch deutlich. Doch die meisten Menschen erkennen solche Veränderungen in Fotos meist relativ schlecht, selbst wenn es sich um grobe Manipulationen handelt und sie gezielt danach gefragt werden.

Zu diesem Schluss kommen Forscher der britischen University of Warwick, nachdem sie Hunderten Probanden jeweils die echte und fünf unterschiedlich stark verfälschte Aufnahmen zur Beurteilung vorgelegt hatten.

Schau genau! Wurden diese Fotos manipuliert?

Die Wissenschaftler montierten beispielsweise ein Boot auf einen See, während im Vordergrund ein Mann einen Fisch zeigt – diese Aufnahme ist oben abgebildet. Bei anderen Fotos veränderten sie die Lichtverhältnisse, wie sie sie im Fachblatt «Cognitive Research: Principles and Implications» berichten.

Auch unplausible Bilder wurden nicht erkannt

Frühere Studien mit computergenerierten Bildern hätten gezeigt, dass viele Menschen Ungereimtheiten bei geometrischen Formen nicht erkennen können, schreibt die Gruppe um Sophie Nightingale. Die Forscher wollten nun wissen, wie gut Menschen Manipulationen auf echten Alltagsfotos erkennen können.

«Bilder haben einen starken Einfluss auf unsere Erinnerungen. Wenn also Menschen nicht zwischen realen und gefälschten Details in Fotos unterscheiden können, könnten Manipulationen häufig verändern, was wir glauben und woran wir uns erinnern», sagte Co-Autor Derrick Watson laut einer Mitteilung.

Hier gehts zum Online-Test!

Bei einem Onlinetest legten die Forscher 707 Probanden jeweils zehn Fotografien vor, davon fünf echte und fünf verfälscht. Die Aufnahmen stammten aus der Google-Bildersuche.

Einige Veränderungen gelten als plausibel hinsichtlich physikalischer Gesetze – das Boot ist etwa stimmig angeordnet. Doch die Wissenschaftler manipulierten die Bilder auch auf unplausible Art: Eine Baumgruppe im Hintergrund wurde verzerrt oder Schatten von Bäumen entfernt, obwohl sie in einer Wasserspiegelung noch zu sehen waren.

Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, ob das Bild manipuliert wurde oder nicht. In 66 Prozent der Fälle lagen sie dabei richtig. Wenn alle nur geraten hätten, hätte die Quote bei 50 Prozent gelegen. Doch nach dem Fälschungsverdacht sollten die Probanden den Fehler in einem Raster lokalisieren. Das gelang nur in 45 Prozent der Fälle. Teilnehmer erkannten physikalisch nicht plausible Veränderungen etwas besser als physikalisch plausible.

Skeptische Grundhaltung hilft

«Wegen der grossen Anzahl an Bildern und möglicherweise gefälschten Aufnahmen, denen Menschen täglich durch soziale Netzwerke, anderen Internetseiten und den Medien ausgesetzt sind, hat das gravierende Konsequenzen», sagte Sophie Nightingale.

Bei einem zweiten, ähnlich aufgebauten Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Fälschungen umso eher erkannt wurden, je mehr Bildpixel von den Manipulationen betroffen waren. Zudem waren Probanden wesentlich besser darin, eine Verfälschung in einem Bild gezielt zu finden, als generell ein manipuliertes von einem echten Bild zu unterscheiden. Probanden mit einer skeptischen Grundhaltung gegenüber der Echtheit von Bildern schnitten in den Experimenten ein wenig besser ab.

Mit moderner Software zur Bildbearbeitung können Profis Fotos relativ einfach verändern. Mittlerweile gibt es sogar spezielle Computerprogramme, die verfälschte Fotografien entlarven sollen. Sogenannte Bildforensiker suchen damit gezielt nach Manipulationen.

(joe/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • D(r)ummer 18.07.2017 16:09
    Highlight Abgesehen von Bildmanipulation macht mir ein weiteres Produkt von Adobe Angst.

    https://motherboard.vice.com/en_us/article/jpgkxp/after-20-minutes-of-listening-new-adobe-tool-can-make-you-say-anything

    Hoffentlich ist die digitale Signatur (die sie jedem Sample hinterlegen wollen) "bombensicher"...
    2 2 Melden
    • bokl 18.07.2017 16:24
      Highlight Vergiss es. In der digitalen Welt existiert das Wort "bombensicher" nur in den PR-Prospekten.
      7 0 Melden
    • D(r)ummer 18.07.2017 16:38
      Highlight Jep.
      Theoretisch gute Idee.
      Praktisch einfach zu Umgehen...
      1 1 Melden
    • Tschedai 18.07.2017 16:50
      Highlight @bokl In der digitalen Welt gibt es keine Prospekte mehr.
      1 1 Melden
    • bokl 18.07.2017 17:38
      Highlight @Tschedai
      Doch, doch. In Zukunft vielleicht nicht mehr auf Papier, aber verschwinden werden sie nicht.
      1 0 Melden
    • Statler 18.07.2017 17:40
      Highlight Das geht auch mit Videos.

      Noch nicht 100% perfekt, aber das kommt noch...

      1 0 Melden