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Katzenjammer über die schlechten Schweizer Europacup-Aussichten? Pffff! Vielleicht wird die Saison gar überragend

Die Spieler des FC Basel schleichen nach dem Out in der Champions-League-Qualifikation vom Platz. Doch nun können sie in der Europa League angreifen.
Die Spieler des FC Basel schleichen nach dem Out in der Champions-League-Qualifikation vom Platz. Doch nun können sie in der Europa League angreifen.Bild: KEYSTONE

Katzenjammer über die schlechten Schweizer Europacup-Aussichten? Pffff! Vielleicht wird die Saison gar überragend

Der FC Basel verpasst die Champions League, YB und Thun den Sprung in die Europa League. Doch was auf den ersten Blick trostlose Monate erwarten lässt, könnte sich als Glücksfall für den Schweizer Fussball entpuppen.
28.08.2015, 11:5828.08.2015, 13:01

Nur zwei Schweizer Teams sind noch im Europacup und beide nur in der Europa League. Die wird gemeinhin als hässliche kleine Schwester der strahlenden Champions League betrachtet. Wie gut, dass wir uns mit Highschool-Filmen aus Hollywood auskennen! Die zeigen uns, dass das hässliche kleine Entlein sich am Ende oft als strahlender Schwan entpuppt, der am Abschlussball mit dem Quarterback knutschen kann.

In der aktuellen 5-Jahres-Wertung der UEFA ist die Saison 2012/13 die beste aus Schweizer Sicht. Das ist jene Spielzeit, in welcher der FC Basel letztmals die Champions League verpasst hat. Er spielte gemeinsam mit YB in der Europa League und beiden holten fleissig Punkte. Während YB trotz drei Siegen und einem Unentschieden beim FC Liverpool ausschied, überstand der FCB die Gruppenphase und setzte zu einem Höhenflug an. Nach dem Ausschalten von Dnipro Dnipropetrowsk, Zenit St.Petersburg und Tottenham Hotspur war erst im Halbfinal gegen Chelsea Schluss. Diese Erfolge schenkten ein:

Bild

Hinzu kam in der erfolgreichen Saison 2012/13, dass alle Schweizer Teams schon in der Qualifikation Siege einfuhren und die Gesamtzahl der Punkte damals nur durch vier Teilnehmer dividiert werden musste.

Was liegt drin?

Die in der Qualifikation hängen gebliebenen FC Zürich, YB und Thun haben gemeinsam nur gerade 3,5 Punkte geholt. Der FC Basel kommt dank den Siegen gegen Lech Posen und den Unentschieden gegen Maccabi Tel Aviv auf 3 Punkte. Ergibt einen aktuellen Schweizer Koeffizienten von 1,300.

Soweit die Fakten. Nun beginnt ein Ausflug in die Welt der Rechnerei und der Spekulationen. Wie gut können Basel und Sion in dieser Saison abschneiden?

5-Jahres-Wertung
Die Vergangenheit entscheidet darüber, wie viele Teams ein Landesverband stellen darf, für welchen Wettbewerb und ob sie direkt qualifiziert sind oder nicht. Dabei werden immer die letzten fünf Jahre zusammengezählt.

In der jeweiligen Jahreswertung werden alle Erfolge sämtlicher Teams eines Landes zusammengefasst und durch die Anzahl Teams geteilt. Das ergibt den sogenannten Koeffizienten. Für die Schweiz werden sämtliche in dieser Saison erzielten Punkte durch fünf geteilt, die Anzahl Teilnehmer zu Beginn der Saison (Basel, Sion, YB, FCZ, Thun).

Für einen Sieg – egal ob Champions oder Europa League – werden zwei Punkte gut geschrieben, für ein Unentschieden einer. In den Qualifikations-Phasen gibt ein Sieg ein Punkt, ein Remis einen halben. Dazu gibt es Bonuspunkte für ein Weiterkommen.

Eine defensive Rechnung: Basel und Sion gewinnen nur je zwei Mal, holen ein Unentschieden und scheiden deshalb beide aus. Das macht dann je 5 Punkte für die 5-Jahres-Wertung, zu denen die bereits geholten 6,5 aus der Qualifikation kommen. 16,5 Punkte geteilt durch 5 Teams = Koeffizient 3,300.

Eine offensive Rechnung: Basel und Sion gewinnen je drei Mal, holen ein Unentschieden und kommen beide weiter. Das macht dann je 7 Punkte für die 5-Jahres-Wertung, zu denen die bereits geholten 6,5 aus der Qualifikation kommen. 20,5 Punkte geteilt durch 5 Teams = Koeffizient 4,100.

Grübel, grübel und studier!
Grübel, grübel und studier!Bild: getty

Darauf bauen wir auf. Sion kommt eine Runde weiter, dank zwei Siegen (+ 4 Punkte). Auch Basel kommt mit zwei Siegen (+ 4 Punkte) weiter, steht ebenfalls im Achtelfinal. Dort scheiden die Walliser nach einem Unentschieden und einer Niederlage aus (+ 1). Basel übersteht auch diese Runde (ein Sieg, ein Remis = 3 Punkte), erreicht den Viertelfinal (+ 1 Bonuspunkt). Danach stürmt der FCB wie 2013 in den Halbfinal (ein Sieg, ein Remis = 3 Punkte, + 1 Bonuspunkt), wo dann leider kurz vor dem Europa-League-Final im St.Jakob-Park Schluss ist (zwei Niederlagen).

Die Milchbüechli-Rechnung des Beispiels:
Qualifikation 6,5 Punkte
+ Gruppenphase 14 Punkte
+ K.o.-Phase 17 Punkte
= 37,5 Punkte
: durch 5 Teams = Koeffizient 7,500

Fazit

Der FC Basel und der FC Sion müssen überdurchschnittlich erfolgreich sein, damit der Schweizer Koeffizient die in den Vorjahren erzielten Werte erreicht. Das ist schwierig, aber nicht unrealistisch. Die Krux: Dieses eine Jahr wird noch länger über die Verteilung der Europacup-Startplätze entscheiden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es keinen groben Abschiffer gibt.

Für nächste Saison ist der Schweizer Meister fix für die Champions League qualifiziert – doch dieser Platz ist nicht in Stein gemeisselt. Hinter der Schweiz lauern Tschechien (aktuell 1,850 Punkte Rückstand) und Griechenland (3,075 Punkte Rückstand). Beide Nationen haben noch je drei Teams in den Wettbewerben, die punkten können, und somit eines mehr als die Schweiz: Olympiakos Piräus in der Champions League; Viktoria Pilsen, Sparta Prag, Slovan Liberec, PAOK Thessaloniki und Asteras Tripolis in der Europa League.

Für den FC Basel ist die Situation wirklich bitter. Während er seit Jahren so erfolgreich spielt, dass er in der UEFA-Klubwertung auf dem 18. Platz liegt, muss der Serienmeister zuschauen, wie seine nationalen Konkurrenten immer wieder patzen. YB (0 Punkte), der FCZ (0,5 Punkte) und Thun (3 Punkte) waren in dieser Saison erfolglos und leisteten dem Schweizer Fussball unter dem Strich einen Bärendienst. Wie gut, dass der FC Vaduz bloss in der Super League spielen darf, seine Europacup-Resultate aber nicht auch noch in die Schweizer UEFA-Wertung einfliessen …

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