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Krasser Klassiker: Der Ur-Mustang feiert sein Comeback – mit neuer Technik ... und einem happigen Preis

Das Design stammt aus dem vergangenen Jahrhundert, die Technik ist brandneu. Ein US-Unternehmen fertigt Neuwagen im Gewand des ersten Mustang von 1964. Mit Bluetooth-Funktion, LED-Leuchten – und einem gehörigen Preis.

07.04.15, 19:18 09.04.15, 08:43

Christian Frahm

Ein Artikel von

Makelloser Lack, glänzendes Chrom, perfekte Sitzbezüge – der '64er Ford Mustang sieht aus wie neu. Er ist es auch: Der Tacho des Wagens auf dem Hof der Firma Revology Cars zeigt nur ein paar Meilen an. «Und fünf Jahre Garantie auf die Karosserie gibt es auch noch», sagt Tom Scarpello, der Chef von Revology. Am Rande eines Industriegebiets nahe Orlando bauen er und seine drei Mitarbeiter nagelneue Ford Mustang im Look des Ur-Modells aus dem Baujahr 1964.

Bild: revology

Die Wagen sind eine Art Retro-Puzzle: Das Blechkleid wird vom Karosseriespezialisten Dynacorn unter Ford-Lizenz hergestellt; auch die anderen Bauteile stammen entweder original von Ford oder werden mit der Genehmigung des Herstellers von kleinen Firmen nachgebaut. Insgesamt steuern mehr als 70 Zulieferer auf der ganzen Welt Teile für die Mustang-Replikate bei.

Scarpello arbeitete 17 Jahre lang bei Ford, davon sechs Jahre im sogenannten Special Vehicle Team, der konzerneigenen Tuningabteilung. «Damals fragten mich die Kunden ständig, warum Ford den alten '64er Mustang nicht neu auflegt», sagt der 48-jährige. Irgendwann stellte sich Scarpello diese Frage selbst – und fand eine Antwort für sich: Vor einigen Jahren machte er sich selbstständig, mietete eine Werkstatt und verhandelte mit Ford über die Lizenzen zum Nachbau des Mustang. Die Gespräche zogen sich lange hin, doch seine Hartnäckigkeit wurde belohnt. Im vergangenen Jahr konnte Scarpello schliesslich Revology Cars gründen.

Bild: Revology

Mehr als 5000 Arbeitsstunden steckten er und seine Mitarbeiter in den ersten nagelneuen Ford Mustang im klassischen Look. «Es war enorm schwierig, die vielen Kabelbäume in einem Auto unterzubringen, das ursprünglich nicht für diese komplexe Technik ausgelegt war», erklärt Scarpello.

Erst kürzlich stellte er den Revology-Mustang erstmals öffentlich vor, beim Concours d'Elegance auf Amelia Island, wo normalerweise hochkarätige Oldtimer im Mittelpunkt stehen. Der «Klassiker» kam beim Publikum offenbar gut an. «Nach der Präsentation haben wir mehrere hundert Anfragen bekommen», sagt Scarpello. Falls daraus wirklich Bestellungen werden, brauchen die Interessenten aber Geduld: Denn auch wenn die Produktion angelaufen ist, dauert die Fertigstellung eines Autos etwa zwölf Wochen, weil ein Grossteil der Montage in Handarbeit erfolgt.

Startknopf statt Zündschlüssel

Was unterscheidet die Kopie vom Original? Unter der Haube des Revology-Mustang sorgt jetzt ein Fünfliter-V8 Motor mit 265 PS von Ford für Vortrieb. Der Motor der aktuellen Mustang-Generation hätte nicht gepasst, weshalb das etwas ältere Aggregat aus den 90er-Jahren zum Einsatz kommt. Als Getriebe stehen wahlweise eine Fünfgang-Handschaltung oder eine Viergang-Automatik zur Wahl, beide Varianten stammen ebenfalls aus der Ford-Grossserie.

Auch im Innenraum ist moderne Technik installiert. Dreipunktgurte ersetzen die früher üblichen Beckengurte, das Mobiltelefon kann über Bluetooth mit dem Radio gekoppelt werden, und Kopfstützen gibt es gegen Aufpreis ebenfalls. Das klassische Zündschloss ist durch ein Startsystem mit «Keyless-Go»-Funktion ersetzt; es reicht also, wenn der Fahrer den Schlüssel in der Hosentasche hat, um das Auto zu starten. Als Vollgas-Extra gibt es im Cockpit eine Stoppuhr, um die Zeit für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h oder für die in den USA typische Viertelmeile zu messen. Dazu kommen Servolenkung, modifizierte Vorder- und Hinterachsen, belüftete Scheibenbremsen sowie LED-Scheinwerfer.

Bild: Revology

Bild: revology

Teures Remake

Ob diese Funktionen die Kundschaft überzeugen können? Fest steht: Ein Originalauto aus dem Baujahr 1964 wäre deutlich billiger als das Remake von Revology. Die Preise für den Fastback beginnen bei umgerechnet knapp 115'000 Franken, für das Cabrio bei 120'000 Euro. Damit ist er dreimal so teuer wie die jüngste Mustang-Baureihe von 2015.

Wer den alten Look in Neuwagenqualität ordert, kann laut Revology ab Anfang 2016 mit der Auslieferung rechnen. Ob weitere Typen folgen werden, lässt Scarpello offen: «Wir planen unser Geschäft der Reihe nach. Der nächste sinnvolle Schritt wäre natürlich ein Nachbau der Mustangs aus den Baujahren 1967 und 1968.»

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  • Zeit_Genosse 08.04.2015 09:05
    Highlight Für dieses Geld würde ich mir lieber ein Original-Oldtimer kaufen, statt einer Replika mit Serientechnik. Die US-Amerikaner sehen das weniger eng, hauptsache es sieht gut aus.
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    • Dagobert Duck 08.04.2015 11:57
      Highlight Es sieht auch gut aus! Ich würde einen modernen einem alten vorziehen. Sicherheit, Ersatzteile, Wartung... Alles besser
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    • droelfmalbumst 08.04.2015 14:50
      Highlight sehe ich wie dagobert! technisch gesehen wäre man definitiv auf der besseren seite. ein original-oldtimer ist so gut wie nicht mehr zu finden.

      die idee ansich finde ich klasse! als übler mustang-fan sowieso! noch 2 monate und ich sitze in meinem.. wohooo
      4 0 Melden
    • AdiB 08.04.2015 16:37
      Highlight ein orginal restorierter shelby gt 500 eleanor 67er gibts ab 200'000$. das war der stand vor ca.3 jahren. einen normalen mustang 67er baujahr gibts so ab 80'000. vorteil am oldtimer typenschein X. es gibts aber auch für weniger kohle, sind einfach aus mehreren zu einem zusammengebaut worden und viele teile sind nicht mehr orginal.
      ich wollte vor 3 jahren mir einen zulegen, wurde leider nichts davon. aber ich arbeite dran.
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