Vogelgrippevirus in toter Ente und Möwe am Genfersee nachgewiesen

Publiziert: 12.11.16, 15:52

Nach dem Auftreten der Vogelgrippe in der Bodenseeregion ist das Virus nun auch am Genfersee nachgewiesen worden: Im Hafen von Lausanne sind eine Reiherente und eine Lachmöwe tot aufgefunden worden. Sie trugen das H5N8-Virus in sich.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erweitert nun die Kontrollgebiete, wie es am Samstag mitteilte. Angesichts der erhöhten Ansteckungsgefahr in Gebieten, wo sich Wildwasservögel aufhielten, «müssen die kürzlich verfügten Schutzmassnahmen rund um die grösseren Seen verstärkt werden».

Stallpflicht für Hausgeflügel

Damit es nicht zu Kontakten zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel kommt, muss nun in einem Kontrollstreifen von einem Kilometer Breite Hausgeflügel in geschlossenen Räumen oder in Stallsystemen mit einem dichten Dach und seitlichen Begrenzungen gehalten werden.

Das BLV wird Anfang nächster Woche die entsprechende Verordnung anpassen. Je nach Entwicklung kann es die Massnahmen weiter verstärken. Ziel ist es, Ansteckungen von Hausgeflügel «unter allen Umständen zu verhindern».

Erst am Freitag hatte das BLV sogenannte Beobachtungszonen für Boden- und Genfer- sowie Zürich- und Vierwaldstättersee auf einem Uferstreifen von drei Kilometern Breite verordnet. Gleiches gilt für Bielersee und Zihlkanal.

Die Waadtländer Behörden haben nun am Samstag verschärfte Massnahmen für einen ein Kilometer breiten Uferstreifen entlang des Neuenburger- und Murtensees sowie beim Broyekanal verfügt. Dort müssen Geflügelhalter ihre Tiere so halten, dass Wildvögel keinen Zugang zu Futter- und Trinkstellen sowie Wasserbecken finden, wie es in einer Mitteilung des Kantons heisst.

Bisher keine Ansteckungen in der Schweiz

Bis am Samstag wurde laut BLV in der Schweiz keine Ansteckung von Hausgeflügel registriert. Es fordert aber grosse Wachsamkeit und hält Geflügelhalter an, die Empfehlungen des BLV umzusetzen.

Weiter werden Personen, die auf tote Wildvögel stossen, gebeten, diese nicht zu berühren und sich an einen Wildhüter, an die Fischereiaufsicht oder an die Kantonspolizei zu wenden.

Panik ist jedoch nicht angezeigt: Für eine Übertragbarkeit des Vogelgrippe-Virus H5N8 vom Tier auf den Menschen gibt es keine Hinweise.

Erste Fälle im Vorarlberg

Anders als in der Schweiz sind im österreichischen Vorarlberg in mindestens einem Betrieb Tiere an der Vogelgrippe erkrankt. Auch aus Südungarn meldete die deutsche Nachrichtenagentur dpa Erkrankungen in einer Geflügelfarm. Die Behörden haben die Tötung der infizierten Tiere angeordnet. Schon in der Vorwoche war die Vogelgrippe in einer Truthahn-Farm in Südungarn ausgebrochen, wo schliesslich 9000 Tiere getötet werden mussten.

An der Vogelgrippe des Typs H5N8 sind in den vergangenen Tagen am Bodensee bereits rund 80 Wildvögel verendet, hauptsächlich Reiherenten. Verschleppt wird die hochansteckende Krankheit von Zugvögeln, die auf der Reise in ihre Winterquartiere Zwischenhalte einlegen.

Besser vorbereitet als vor 10 Jahren

Gemäss Christian Griot, Leiter des Eidgenössischen Instituts für Virologie und Immunologie, ist die Schweiz heuer besser vorbereitet auf die Vogelgrippe als vor 10 Jahren, als eine veritable Vogelgrippewelle Europa heimsuchte. Dies sagte er am Freitag gegenüber Radio SRF.

Noch sei es dieses Jahr zu früh, von einer Vogelgrippewelle zu sprechen. «Es ist zu früh zum Spekulieren», sagte er. Klar ist, dass das H5N8-Virus schnell tötet: «Wenn das Virus im Bestand auftritt, tötet es das Geflügel innerhalb von drei Tagen.». Deshalb könnten Tierhalter auch so schnell reagieren.

Weshalb das Vogelgrippevirus wieder zurückgekommen ist, wisse man noch nicht genau. «Dieses Virus ist zum ersten Mal 2014 in Südkorea aufgetreten. Dann war lange Zeit Ruhe. In den letzten zwei oder drei Wochen ist es an einigen grossen Seen in Europa wieder aufgetreten», sagte Griot. (sda)

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