Zwei Männer sollen Anschlag vor Präsidentschaftswahl geplant haben

18.04.17, 16:44

Mit der Festnahme zweier Terrorverdächtiger hat Frankreich einen Anschlag unmittelbar vor der Präsidentenwahl verhindert. Die beiden Franzosen hätten in den kommenden Tagen zur Tat schreiten wollen, sagte Innenminister Matthias Fekl.

Es handle sich um «radikalisierte Männer» - diese Formulierung wird in Frankreich in der Regel für mutmassliche Islamisten benutzt. Beamte des Inlandsgeheimdienstes DGSI nahmen die Verdächtigen am Dienstagvormittag mit Unterstützung einer Spezialeinheit in Marseille fest.

Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden Schusswaffen und Material zur Herstellung von Sprengstoff gefunden, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Der Innenminister betonte, es werde alles getan, um die beiden Wahlgänge am kommenden Sonntag und am 7. Mai zu schützen.

Kandidaten informiert

Fotos der beiden Männer waren vergangene Woche an Sicherheitsdienste mehrerer Präsidentschaftskandidaten übermittelt worden. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld des Sozialliberalen Emmanuel Macron und auf die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Die Sicherheitsbeamten des Konservativen François Fillon seien über Gefahren für den Kandidaten informiert worden, hiess es es aus Kreisen seiner Partei. Fillon erklärte: «Die Demokratie darf vor den Bedrohungen und Einschüchterungen der Terroristen nicht einknicken.»

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen waren die Anti-Terror-Behörden auf eine Fotomontage gestossen, auf der ein Zeitungsartikel über Fillon und ein Foto eines der Festgenommenen mit einem Schnellfeuergewehr zu sehen ist. Es ist aber noch unklar, ob der konservative Kandidat wirklich ein Anschlagsziel war.

Hollande lobt Polizei

Nach Angaben Fekls sind die Festgenommenen 1987 und 1993 geboren worden, genaue Geburtsdaten nannte er nicht. Auch mit Details zu den Ermittlungen hielt sich der Minister zurück und verwies auf die Pariser Staatsanwaltschaft, die sich am Dienstagabend an einer Medienkonferenz äussern sollte.

Aus Ermittlerkreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass die französische Justiz Anfang April Vorermittlungen gegen den 29-jährigen eingeleitet hatte. Wenige Tage später wurden Vorermittlungen gegen den 23-jährigen eröffnet. In der Folge wurde den Ermittlern klar, dass es sich um ein und dasselbe Anschlagsprojekt handelte.

Aus Ermittlerkreisen hiess es am Nachmittag, dass eine Durchsuchung in Marseille noch andauere. Staatspräsident François Hollande lobte die Arbeit der Ermittler: «Das ist ein bemerkenswerter Fang.»

Frankreich war in den vergangenen Jahren das Ziel mehrerer schwerer Terroranschläge mit 238 Todesopfern seit Anfang 2015. Seit der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 gilt der Ausnahmezustand.

Mehr als 50'000 Polizisten und Militärs sollen den ersten Wahlgang am kommenden Sonntag absichern. Das Terrorrisiko bleibe «höher als je zuvor», warnte Innenminister Fekl am Dienstag. (sda/dpa/afp)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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