Tödlicher als Tabak: Umweltgifte bedrohen 200 Millionen Menschen

Publiziert: 26.10.16, 09:48

Rund neun Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von Umweltgiften, und damit mehr als durch Tabakkonsum. 200 Millionen sind weltweit durch diese Gifte bedroht, besonders in Ländern mit mittleren oder tiefen Einkommen. Als gefährlichste Giftquelle gilt Blei.

Malaria, Aids und Naturkatastrophen: All das zusammen sorgt für weniger Opfer als Giftstoffe in der Umwelt. Dazu gehören etwa Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Chrom, aber auch Pestizide und Radionuklide, wie aus dem Umweltgiftreport 2016 hervorgeht, den die Organisationen Green Cross und Pure Earth am Mittwoch vorlegten.

Die Zahl jener, die unter Umweltgiften leiden, steigt stetig. 2016 gingen 17.8 Millionen Lebensjahre deswegen verloren - sei das weil die Menschen durch die Gifte früher sterben oder schwer beeinträchtigt werden. Im letzten Jahr seien noch 14 Millionen Lebensjahre verloren gegangen. 94 Prozent davon entfallen auf Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

Die gesundheitlichen Belastungen durch Umweltgifte werden im Bericht in «Disability Adjusted Life Years» (Dalys) beziffert. Das sind Lebensjahre, die den Betroffenen entweder durch vorzeitigen Tod oder durch eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung verloren gehen.

Blei an der Spitze

Der Bericht listet zehn Giftquellen auf, die bei der Erhebung in 49 Ländern ausgemacht wurden. An der Spitze der Rangliste stehen unsachgemäss entsorgte Batterien: das dadurch freigesetzte Blei ist für 4.8 Millionen verlorene Lebensjahre verantwortlich.

Dabei wäre das Blei einfach zu trennen und die Dekontaminierung sei nicht teuer, sagte Stephan Robinson, Programmdirektor bei Green Cross Schweiz. Mit wenig Geld seien hier gute Resultate zu erzielen.

Nach dem Bergbau mit 2.6 Millionen und der Bleiverhüttung mit 2.5 Millionen Dalys folgen die Gerbereien auf Platz vier. Neben Blei gelangt dort insbesondere gefährliches Chrom in die Abwässer, was für 2 Millionen verlorener Lebensjahre sorgt.

Laut Pure Earth-Gründer Richard Fuller stammen die schlimmsten Umweltverschmutzungen innerhalb dieser Industrien einerseits aus nicht regulierten, kleinräumigen Aktivitäten und anderseits aus inzwischen stillgelegten Giftquellen. Ursache hierfür seien fehlendes Wissen sowie ein Mangel an Kontrollen.

«Verhalten überdenken»

Jene Gifte, die für den Menschen am schädlichsten sind - Blei, Quecksilber, Chrom, Kadmium und Pestizide - seien zudem eng mit unserem Alltag verbunden, sagte Robinson. Demnach sind nicht nur Regierungen und Unternehmen gefordert. Vielmehr müssten auch wir unser Verhalten überdenken.

Er begrüsst, dass das Thema Verschmutzung zu den 17 UNO-Nachhaltigkeitszielen auf der Agenda 2030 zählt. Dies sei eine Premiere, die dem Anliegen Anerkennung verleihe und gleichzeitig ein Argument gegenüber Spendern sei.

«Vor zehn Jahren waren Umweltgifte kein Thema», sagt Robinson. Man habe deren Auswirkungen entweder noch nicht gekannt oder aber sei sich des globalen Einflusses auf die öffentliche Gesundheit nicht bewusst gewesen.

Schweizer Engagement

2015 trat die Schweiz dem Minamata-Übereinkommen über Quecksilber bei. Der Bund unterstützte das Abkommen mit 7.5 Millionen Franken. Damit werden in erster Linie die Bedingungen in den Goldminen verbessert.

Green Cross Schweiz setzt sich mit den Programmen Sozialmedizin und Abrüstung für die Bewältigung der Folgeschäden aus Industrie- und Militärkatastrophen ein. Die Non-Profit-Organisation Pure Earth mit Sitz in New York wurde 1999 ins Leben gerufen und ist auf die Sanierung verschmutzter Orte spezialisiert. (sda)

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