Kolumbianer sagen Nein zum Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla

Publiziert: 03.10.16, 01:48

Die Kolumbianer haben den Friedensvertrag zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation FARC überraschend abgelehnt. 50.23 Prozent votierten am Sonntag gegen das Abkommen, wie die Wahlbehörde nach der Auszählung fast aller Stimmen mitteilte.

49.76 Prozent stimmten für den Vertrag. Alle Umfragen waren zuvor von einer Bestätigung des Abkommens ausgegangen. Für Präsident Juan Manuel Santos stellt das Ergebnis des Referendums eine schwere Niederlage dar. Er hatte den Friedensprozess ins Zentrum seiner Präsidentschaft gestellt und offensiv für das Abkommen geworben.

Wie es mit dem kolumbianischen Friedensprozess nun weitergeht, ist völlig unklar. Nach dem negativen Votum kann das Abkommen nun zunächst nicht umgesetzt werden. Santos hatte gesagt, er habe keinen alternativen Plan, sollten die Wähler gegen das Friedensabkommen stimmen.

Präsident Santos und FARC-Chef Timoleón Jiménez alias Timochenko hatten das Abkommen, das nach vierjährigen Verhandlungen in Havanna vereinbart worden war, erst am Montag unterzeichnet. Die FARC-Rebellen hatten seit 1964 gegen Grossgrundbesitzer und die Regierung des lateinamerikanischen Landes gekämpft.

In dem Konflikt, in den neben der Armee auch andere linke Guerillagruppen, rechte Paramilitärs und die Drogenmafia verwickelt waren, wurden mehr als 260'000 Menschen getötet. Das Abkommen sollte den mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Gewaltkonflikt beenden.

Kritik an tiefen Gefängnisstrafen

Der Vertrag sieht eine Landreform und neue Ansätze zur Bekämpfung des Drogenhandels vor. Die FARC wollten sich entwaffnen lassen und künftig mit politischen Mitteln für ihre Ziele eintreten. Sie sollten in den kommenden zwei Wahlperioden zehn Abgeordnetenmandate garantiert bekommen. Zudem wären selbst schwerste Verbrechen nur mit maximal acht Jahren Haft geahndet worden.

Die Gegner des Abkommens hatten vor allem die relativ milden Strafen für die Guerilleros kritisiert. «Der Frieden weckt Hoffnungen, aber die Vertragstexte sind enttäuschend», sagte der ehemalige Präsident Álvaro Uribe, der für eine Ablehnung des Abkommens geworben hatte. Uribe lehnt zudem die geplante Beteiligung der Rebellen an der Politik ab und forderte Gefängnisstrafen. (sda/afp/dpa/reu)

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