Solidaritätskundgebung für kurdische Gefangene in der Türkei

15.04.17, 21:48

500 bis 600 Demonstranten haben am Samstagnachmittag in der Zürcher Innenstadt ihre Solidarität für die kurdischen Gefangenen in den türkischen Gefängnissen ausgedrückt. Der bewilligte Anlass verlief friedlich.

Die Kundgebung war von Kurdenorganisationen angemeldet worden, wie eine Sprecherin der Stadtpolizei Zürich am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Sie bestätigte damit Meldungen auf den Webseiten von «20 Minuten» und «Tages-Anzeiger».

Nach Angaben von Ali Can vom kurdischen Kulturverein Zürich befinden sich zur Zeit mehrere Zehntausend Kurden in türkischen Gefängnissen. Nach dem gescheiterten Putschversuch und dem Ausnahmezustand hätten sich deren Haftbedingungen noch verschlechtert, sagte Can gegenüber der sda.

Diese seien seither nicht nur überfüllt, die politischen Gefangenen müssten ihre Zellen ausserdem mit Putschisten oder Kriminellen teilen. Das führe unweigerlich zu Problemen, sagte Can.

Aus Protest seien deshalb vor 40 bis 50 Tagen hunderte politische Gefangene in den Hungerstreik getreten, sagte Welat Bulut vom Kurdischen Kulturverein Bern. Darunter befänden sich zahlreiche PKK-Anhänger und mehrere Abgeordnete der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP.

Die Demonstranten setzten sich auch für die Freilassung des inhaftieren PKK-Anführers Abdullah Öcalan ein, der sich seit drei Jahren in Isolationshaft befinde, sagte Can. Und sie forderten eine politische Lösung des Kurdenproblems. Indirekt richtete sich der Protest aber auch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Solidaritätskundgebungen in europäischen Städten

Gleichzeitige Solidaritätskundgebungen fanden unter anderem in Wien und Strassburg statt. Erst vor einer Woche hatten in Zürich rund 150 Personen - darunter viele Medienschaffende - für die Freilassung aller in der Türkei inhaftierten Journalisten demonstriert.

Am 25. März gingen in Bern mehrere Tausend Personen für mehr Frieden, Freiheit und Demokratie in der Türkei auf die Strasse. Der Anlass wurde jedoch von der Affäre um ein Anti-Erdogan-Plakat überschattet, das von linksautonomen Demonstranten mitgeführt worden war. (sda)

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