Zewo rüffelt Green Cross wegen mangelnder Transparenz

12.04.17, 12:52

Die Umweltschutzorganisation Green Cross Schweiz steht in der Kritik. Die Nichtregierungsorganisation sei zu wenig transparent, sagt die Zertifizierungsstelle Zewo. Will Green Cross das Gütesiegel behalten, muss die Stiftung mehrere Auflagen umsetzen.

Beim alle fünf Jahre durchgeführten Zertifizierungsverfahren sind der Zewo Mängel bei der Transparenz der Organisation, der Kontrolle von Projekten und der Kommunikation mit Spendern aufgefallen. Dies sagte Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Sie bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von Schweizer Radio SRF.

Nach der regelmässigen Prüfung sei das Gütesiegel für Green Cross Schweiz zwar erneuert worden - jedoch nur unter mehreren Auflagen. Dass gleich so viele Themen betroffen seien, sei eher aussergewöhnlich, sagte Ziegerer.

Geldflüsse offenlegen

Green Cross Schweiz muss vor allem bei der Jahresrechnung und dem Jahresbericht über die Bücher. So soll klar ersichtlich sein, welche Gelder in welche Projektbereiche fliessen. Generell pocht die Zewo auf eine bessere Darstellung der Jahresabschlüsse.

Die Umweltschutzorganisation bekommt für diese Auflagen eine Frist bis im Juni 2018, wenn die Jahresrechnung und der Jahresbericht 2017 veröffentlicht werden. «Wir sind zuversichtlich, dass es schon in der nächsten Jahresrechnung Verbesserungen geben wird», sagte Ziegerer.

Weiter muss Green Cross Schweiz den Spendern genauer erklären, ob Geld für ein bestimmtes Projekt zweckgebunden ist oder ob es frei für verschiedene Vorhaben verwendet werden kann. Laut Ziegerer gibt es aber «keine Hinweise, dass Gelder zweckentfremdet worden sind».

Zusätzliche Stelle in der Administration

Green Cross Schweiz fühlt sich durch die Kritik der Zewo nicht vor den Kopf gestossen. «Wir verstehen die Auflagen und setzen diese umgehend um», sagte Geschäftsführerin Nathalie Gysi auf Anfrage.

Sie sieht Verbesserungsmöglichkeiten: Beispielsweise sei die detaillierte Jahresrechnung in den vergangenen Jahren nicht zur Veröffentlichung aufbereitet und deren Wichtigkeit unterschätzt worden. Weil bei Green Cross Schweiz bis anhin nur ein Prozent des Umsatzes in die Administration geflossen sei, habe man solche Einbussen in Kauf nehmen müssen.

Gysi kündigte der sda an, dass nun eine zusätzliche Stelle geschaffen werde, um die internen Prozesse anzupassen. Künftig würden rund zwei Prozent des Umsatzes der NGO für die Administration investiert.

Dachorganisation unter Druck

Auch bei Green Cross International, der Dachorganisation von Green Cross Schweiz, brodelt es. Nachdem Gründungspräsident Michail Gorbatschow die Organisation verlassen hatte und Präsident Jean-Jacques Cousteau zurückgetreten war, übernahm im Februar der Zürcher GLP-Nationalrat Martin Bäumle das Ruder.

Unter seiner Leitung soll eine Taskforce die finanzielle Sanierung in Angriff nehmen und die Generalversammlung vom Herbst vorbereiten. Die Umweltschutzorganisation ist derzeit nicht in der Lage, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Bäumle will die administrativen Kosten senken und bei den Büro- und Personalkosten anfangen. Dafür seien auch Entlassungen notwendig. Die Überschuldung soll bis 2018 abgebaut werden. Ab 2019 sollen wieder zusätzliche Projekte von nationalen Green-Cross-Organisationen unterstützt werden können.

Über 50'000 Mitglieder

Green Cross International mit Sitz in Genf wurde 1993 nach der UNO-Umwelt-Konferenz in Rio von Gorbatschow gegründet. Die NGO engagiert sich weltweit für die Bewältigung von Folgeschäden aus Industriekatastrophen wie Tschernobyl, für die Sanierung von militärischen Altlasten aus der Zeit des Kalten Krieges und für die Prävention von neuen Kriegen. Green Cross ist in dreissig Ländern vertreten.

Green Cross Schweiz nahm im Jahr 2015 Spenden in Höhe von 13 Millionen Franken ein. Die Zahl der Mitglieder stieg gleichzeitig auf 51'700. Die Ziele der Umweltorganisation werden von der Parlamentarischen Gruppe Green Cross unterstützt. Diese setzt sich parteiübergreifend aus 21 Ständerätinnen und -räten sowie aus 77 Nationalrätinnen und Nationalräten zusammen. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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