Opec setzt Förderkürzung für höhere Ölpreise um

Publiziert: 30.11.16, 18:28

Eine Ölschwemme am Weltmarkt hat die Preise für den wichtigen Rohstoff seit 2014 gedrückt. Seitdem kämpfte das Opec-Kartell mit geringeren Einnahmen. Nach zähem Ringen wird nun eine Förderkürzung verkündet. Auf den zweiten Blick hat die Einigung aber einen Makel.

Zwar will das Ölkartell in den kommenden sechs Monaten 1.2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Das neue Limit soll bei 32.5 Millionen Barrel täglich liegen. Effektiv wird die Reduktion aber weitaus geringer ausfallen.

Um das Ziel zu erreichen, wird nämlich die Mitgliedschaft Indonesiens im Kartell ausgesetzt. Das Land, das nach einer sieben Jahre langen Pause erst Anfang 2016 wieder zu dem Kartell gestossen war, fördert pro Tag rund 700'000 Barrel Öl.

Wirkung noch unklar

Dennoch bedeutet die am Mittwoch in Wien erzielte Einigung die erste Kürzung der Ölproduktion seit 2008. Im Grundsatz war sich die Opec zwar bereits zuvor einig. Auf konkrete Massnahmen konnten sich die Förderländer aber erst jetzt verständigen. Die Umsetzung des Deals soll am 1. Januar 2017 beginnen.

«Dies ist ein grosser Schritt nach vorn und wir denken, dass es sich um eine historische Einigung handelt, die sicherlich helfen wird, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen und das Überangebot zu reduzieren», sagte der Ölminister aus Katar, Mohammed Bin Saleh Al-Sada, nach dem Treffen.

Noch vor der offiziellen Verkündung waren die Ölpreise um fast 9 Prozent angestiegen. Ob der Effekt der Massnahme mittelfristig anhält, ist jedoch noch nicht klar. Ein positives Signal sei, dass auch andere wichtige Förderländer unter den Nicht-Opec-Staaten mitziehen werden. Russland habe bereits zugesichert, 300'000 Barrel am Tag weniger zu fördern, sagte Al-Sada.

Auf der anderen Seite gilt eine wirksame Kontrolle der Förderquoten als schwierig. Ausserdem dürfte nach der jüngsten Preisrally wohl wieder mehr US-Schieferöl auf den Weltmarkt drängen.

Widerstand des Iran

Im September hatte die Opec in Algerien schon eine prinzipielle Förderkürzung beschlossen. Doch besonders der Iran hatte sich gegen eine Drosselung gestellt. Das Land wollte nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen sogar mehr Öl fördern.

Auch der Irak wollte von der Mengenreduzierung ausgenommen werden. Das Land argumentierte, dass die Einnahmen aus der Ölproduktion für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebraucht würden.

Durch ein Überangebot am Markt haben sich die Preise seit 2014 fast halbiert. Vor der Einigung war ein Fass um rund 47 US-Dollar zu haben. Bis kurz vor der Sitzung schien eine Einigung auf wackligen Füssen zu stehen. Mehrere vorbereitende Treffen waren ohne Durchbruch verlaufen. Dennoch stand die OPEC unter hohem Erwartungsdruck.

Das Kartell, das als zerstritten gilt, hatte den Verfall der Ölpreise bisher ohne Gegenmassnahmen hingenommen. Im Hintergrund spielten auch geostrategische Überlegungen der verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien eine Rolle. Beide Staaten sind auf unterschiedlichen Seiten im Syrien-Krieg engagiert. (sda/reu/afp/dpa)

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