Henrik Zetterberg: Nicht nur auf dem Eis Weltklasse. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

«Ihr Mann»: Henrik Zetterbergs spezielle Beziehung mit einem jungen Detroit-Fan 

Seit über zehn Jahren kämpft Henrik Zetterberg in der NHL um den Stanley Cup. Doch der heutige Start in die Playoffs wird für ihn anders sein ... 

16.04.15, 19:14

Vor jedem Heimspiel schaut Henrik Zetterberg, Captain der Detroit Red Wings, beim Warm-up auf die Tribüne, wo sie gewöhnlicherweise ihren Platz hatte. Bis zum ersten Bully kreisen die Gedanken nur um das anstehende Spiel. Doch der Schwede wird sich dieses Wochenende im ersten Playoff-Heimspiel sicher kurz Zeit für sich nehmen. Und an sie denken.

«Es ist hart zu sagen wie und warum wir einen Draht fanden», so der ehemalige EVZ-Spieler. «So ist das Leben: Mit manchen Leuten versteht man sich besser». 

Auch beim EV Zug (2012) machte der variable Center mächtig Eindruck. Bild: KEYSTONE

Er verstand sich halt gleich mit Mollie. Der ungewöhnliche Vorname hat keine Geschichte dahinter. Er schien einfach zu ihr zu passen. Ein fröhlicher Name für ein aufgestelltes Mädchen.

«Ich wollte einen Namen, der sie von den anderen Kindern unterscheidet. Und sie war anders.»

Mutter Coleen Moquin.

Mollie wächst in einer Kleinstadt in Michigan auf, wo sie alle Sportarten ausprobiert: «Von Schwimmen über Basketball bis hin zu Volleyball und FussballEishockey spielt sie nie, aber es wird beim Fernsehen rasch ihre Lieblingssportart. Bald gesellt sich die ganze Familie zu ihr vor den TV, um gemeinsam die Spiele zu verfolgen.

Die Entdeckung

Als Mollie acht Jahre alt ist, verspürt sie Schmerzen in einem Bein. Sie beklagt sich nicht darüber – das machte sie nie – aber ihre Eltern bringen sie zum Arzt. Dieser geht von normalen Wachstumsschmerzen aus und verschreibt dem Mädchen Medikamente. 

Doch es wird nicht besser. Nach einem weiteren Besuch bekommt die Mutter einen Anruf der Ärzte. Sie interpretieren nun die Röntgenbilder anders und Mollie muss zu weiteren Abklärungen kommen. Eine Biopsie wird vorgenommen. Man entdeckt einen Tumor in der rechte Hüfte. Es ist Knochenkrebs im 4. Stadium.

«Wir hielten uns an die 10 bis 15 Prozent, dass sie überleben würde», meint Mutter Colleen. Sie und Vater Craig erzählen ihr, dass sie einen Tumor habe und die Chemotherapie ihn schrumpfen lasse.

Mollie vernimmt die Nachrichten ohne Angst zu zeigen. «Sie hat sich nie darüber beschwert», so Colleen, «nie gesagt, warum ich?»

Trotz all dem Leid bleibt sie fröhlich. Sie selber kann keinen ihrer geliebten Sportarten mehr ausüben. Aber sie entdeckt in den Detroit Red Wings eine neue Liebe. Im Dezember 2009 kann sie dank einem gemeinsamen Programm vom Kinder-Spital und Trainer Mike Babcock zu einem Spiel der Red Wings gehen. Mollie trifft den Coach, der sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Besuch der Spieler in die Garderobe einlädt.

Beim Treffen mit den NHL-Stars ist klar, wen sie als ihren Favoriten auserkoren hat. Mutter Colleen erblickt Henrik Zetterberg und geht schnurstracks zu ihm hin und sagt ihm, Mollie spreche von ihm als «ihrem Mann». Der Schwede muss laut lachen. Mollie hingegen schämt sich ein wenig, dass ihre Mutter ihre Schwärmerei ausgeplaudert hat. 

«Stop! Du blamierst mich!»

Mollie zu Mutter Colleen.

Ein paar Minuten später kommt Zetterberg aus der Garderobe zurück und bringt ihr einen Stock mit einem Zettel drauf, unterschrieben mit «Dein Mann, Henrik Zetterberg». Mollie läuft dunkelrot an und strahlt gleichzeitig übers ganze Gesicht.

«Sie lachte immer und alberte herum. Sie hatte so viel Energie in sich. Und wenn diese mal raus war, redetet sie nur so drauflos», so Zetterberg.

Die Rückkehr

Nach dem Treffen trennten sich die Wege der Red Wings und Mollie vorerst. Ihr Krebs liess hoffnungsvollerweise nach. Zetterberg & Co. werden in den nächsten zwei Jahren über Mollie auf dem Laufenden gehalten. Dann bekommt das Traditionsteam jedoch einen Anruf vom Kinder-Spital: Der Krebs ist zurückgekehrt. 2013, drei Jahre nach dem ersten Meeting, steht Mollie wieder vor der Garderobe.

Zetterberg überreicht ihr ein Foto. Ein paar Monate später wird sie zum jährlichen «Hockey Fights Cancer»-Galaabend eingeladen, wo sie das Spiel in einer VIP-Loge gemeinsam mit Zetterbergs Frau Emma schauen darf. Dort schliesst sie sogar mit einem anderen Mädchen, welches ebenfalls an Krebs leidet, Freundschaft. 

Dank diesen Erlebnissen ist ihre Stimmung noch besser als sonst. «Ich denke, sie fühlte, dass sie alles besiegen kann. Und für uns Angehörige war es eine Flucht aus dem grauen Alltag. Wenn sie zu einem Spiel ging, gab es keinen Krebs. Sie war dort einfach nur Mollie. Es gab uns viel Kraft weiterzumachen», erzählt die Mama. 

Babcock und sein Team haben über viele Jahre kranke Kinder begleitet und zahlreiche Aktivitäten organisiert. Aber Mollie machte allen Beteiligten mächtig Eindruck. Zetterberg dazu: «Es war etwas ganz Spezielles bei Mollie». Er führt aus: ««Du triffst eine ganze Menge von grossartigen Kindern, welche solch schlimme Sachen durchmachen müssen, dabei aber so stark sind. Genau so ein Kind war Mollie.» 

Kurze Zeit später besucht das Team das Kinder-Spital, wo Zetterberg natürlich sofort seine Mollie aufsucht. Sie bricht in Tränen aus. «Das war das erste Mal, dass ich sie weinen sah», gesteht er. «Sie sah mich und war einfach überwältigt.» Nach ein paar Sekunden lachen die beiden Freunde aber schon wieder. 

Mollie’s Krebs wurde schlimmer. Mutter Colleen und Vater Craig wissen, dass der Weg für ihre Tochter immer steiniger wird. Trotzdem lässt Mollie keine Anzeichen von Resignation aufkommen.

Sie verliert ihre Haare, aber sie trägt fortan ein hübsches Stirnband mit Schlaufe. Dasselbe trug sie nämlich auch in gesunden Zeiten. Sie redet davon, Krankenschwester zu werden, wenn sie älter sein wird. Das ist ihr Traum und sie hält daran fest, egal wie schlimm auch ihre eigenen Behandlungen sein mögen.

Die Familie kommt 2014 für ein Spiel wieder zurück ins Stadion. Zetterberg erwischt nicht seinen besten Tag, doch es gelingt ihm trotzdem ein Tor zu erzielen. Er behält den Puck und schenkt ihn mit persönlicher Widmung Mollie.

«Für meinen Glücksbringer»

Zetterbergs Puck-Mitteilung

Der Abschied

Sie blüht nach dem Geschenk richtig auf und kriegt sich auf dem Heimweg fast nicht mehr ein. Zetterberg hat auch einen Kommentar über ihre Pantoffeln gemacht. Also will sie ihm auch ein Paar besorgen. Im nächsten Monat treffen sie sich wieder. Mollie schenkt «ihrem Mann» das gleiche Modell. Obwohl sie zu klein sind, freut sich der Schwede tierisch über die Überraschung. Es ist das letzte Mal, dass sie sich sehen. 

Mollies stirbt am 11. Februar. Zetterberg kriegt in der Nacht eine Textnachricht nach Hause. Die Nachricht trifft Trainer, Funktionäre und Spieler mitten ins Herz. Mollie wurde nur 14 Jahre alt.

Ihre Beerdigung ist am Valentinstag. Ihre Eltern wollen einen geschlossenen Sarg. «Wir wollten, dass jeder sich an Mollie mit ihrem zauberhaften Lächeln und ihrem Glitzern in den Augen erinnert», so Mutter Colleen. Neben dem Gras sind rote und weisse Rosen vom Team und ein Foto von Zetterberg und Mollie.

«Er war so wichtig für sie», so die bewegte Mama. Und fügt verschmitzt hinzu: «Ich denke, sie hat sich einfach in ihn verliebt. Er war ihr Held». 

Die Red Wings spielten am nächsten Abend. Henrik Zetterberg schrieb Mollie auf seinen Stock. «Es war ein spezielles Spiel», so der 34-jährige Starspieler. «Es war ein hartes Spiel für mich. Ich dachte viel an Mollie». Mutter Colleen sammelte alle Andenken der Red Wings und brachte sie in Mollie's Zimmer. Zwei Monate nach ihrem Tod lässt sie den Raum immer noch unberührt.  

«Sie sprach immer noch von ihrer Zukunft an ihrem Todestag», berichtet die Mutter. «Sie liebte das Leben und sie liebte die Menschen. Sie sah nie das Schlechte. Ich wurde von ihr inspiriert. Ich darf mich glücklich schätzen, ihre Mutter gewesen zu sein». 

Auch die Beziehung von Zetterberg zu Mollie war speziell. Auch wenn es bei weitem nicht das einzige kranke Kind war, dass er getroffen hat, so ist Mollie doch ein ganz besonderes Mädchen für ihn. Er weiss nicht, wieso es bei ihnen klickte, aber es geschah einfach und hielt bis zum Ende. Er vermisst Mollie. Wenn er heute beim Playoff-Auftakt gegen Tampa Bay Lightning aufs Eis geht, wird er kurz Luft holen. Und nach oben zu Mollie schauen. 

Auf www.legacy.com gibt es ein Gästebuch für Mollie, wo man kondolieren kann.

Die Henrik Zetterberg Foundation unterstützt Kinder und Frauen und ist im Bildungs- sowie Gesundheitswesen tätig.

«R.I.P. Molly! Ich verspreche dir, einmal zu deinen Ehren für die Wings zu fanen.»

Anonymer Beitrag im Kondolenzbuch. 

(syl) (via yahoo)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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