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Der Einsatz von Störsendern ist – auch in Schulzimmern – strikt verboten. symbolbild: shutterstock

Lehrer geht mit Störsender gegen Handys im Unterricht vor – und wird suspendiert

Ein Pädagoge in Florida war so genervt von den Smartphones seiner Schüler, dass er für alle Geräte im Umkreis den Mobilfunk-Empfang lahmlegte. 

04.06.15, 16:19 04.06.15, 17:34

Kristin Haug

Ein Artikel von

Irgendwann hat es Dean Liptak gereicht, er hatte die Nase voll. Der Lehrer aus dem US-Bundesstaat Florida konnte seine Schüler nicht mehr ertragen, all diejenigen, die lieber auf ihr Smartphone schauten als zur Tafel. Ständig waren sie abgelenkt und unkonzentriert.

Wie soll ich so unterrichten, fragte sich Liptak. Er wollte diese ständige Unaufmerksamkeit nicht mehr länger hinnehmen und griff ein. Der Lehrer kaufte einen Störsender und nahm ihn in die Schule mit. Ist der Sender aktiviert, können Handys und Smartphones keine Signale mehr empfangen.

In den USA ist es nicht erlaubt, Störsender zu benutzen, es drohen hohe Geld- und sogar Haftstrafen. All das nahm Liptak in Kauf.

Er habe genug von den Schülern, die während des Unterrichts ihre Smartphones benutzten, sagte Liptak, laut US-Nachrichtensender ABC. In einem Brief an die Schule schrieb der Lehrer, er habe dieses «grosse Problem bekämpfen» wollen.

Strikt verboten in der Schweiz

Die Verwendung eines Störsenders (Jammer) ist in der Schweiz strikt verboten, schreibt das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) auf seiner Website. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldbussen bis zu 100’000 Franken. Es gibt wenige Ausnahmen: Das Fernmeldegesetz sieht für Strafanstalten «ausdrücklich die Möglichkeit vor, Störanlagen einzusetzen, um Handygespräche in ihrem Umkreis zu unterbinden.» Ausserdem darf die Polizei in brenzligen Situationen Störsender einsetzen, wenn «eine «unmittelbare und schwere Gefahr für Leib und Leben abgewendet werden kann», wie es in Artikel 51 der Verordnung über Frequenzmanagement und Funkkonzessionen heisst. (dsc)

Auch in Deutschland verzweifeln Lehrer regelmässig an Kindern und Jugendlichen, die in der Schule mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Mehr als 80 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen haben laut der Jim-Studie («Jugend, Information, Multi-Media») des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest ein Smartphone. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 93 Prozent. Die Kinder und Jugendlichen verwenden die Geräte vor allem, um sich Nachrichten über WhatsApp oder andere Messenger zu schicken. Jeder Fünfte nutzt die Geräte demnach häufiger als 50-mal pro Tag.

Smartphone-Verbot hilft vor allem schwachen Schülern

Damit Schüler weniger abgelenkt werden, sind Smartphones an vielen Schulen im Unterricht verboten. An einigen Schulen sammeln Lehrer sie ein, wenn die Kinder und Jugendlichen sie dennoch nutzen – manchmal sogar mit der Anweisung, dass nur die Eltern sie wieder abholen dürfen. An anderen Schulen sind die Geräte sogar auch jenseits des Unterrichts unerwünscht. Im Elite-Internat Salem etwa wurde Ende vergangenen Jahres ein Smartphone-Verbot zwischen 21.30 Uhr abends und 14.30 Uhr am folgenden Tag eingeführt.

Dass so ein Verbot durchaus sinnvoll sein kann, haben nun Louis-Philippe Beland und Richard Murphy im Auftrag des Centre for Economic Performance der London School of Economics bewiesen. Die Wissenschaftler verglichen die Leistungen von Schülern in vier englischen Städten vor und nach einem Handyverbot an ihren Schulen, wie die BBC berichtet. 

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Die Forscher fanden heraus, dass sich die Leistungen der 16-jährigen Schüler durchschnittlich um mehr als sechs Prozent verbesserten, wenn diese ihr Handy in der Schule nicht nutzen durften. Vor allem leistungsschwache Schüler aus Haushalten mit geringem Einkommen profitieren demnach von dem Handyverbot: Ihre Leistungen verbesserten sich um mehr als 14 Prozent – so als wären sie eine Schulstunde pro Woche mehr unterrichtet worden.

Gute Schüler liessen sich indes nicht so sehr von Handys beeinflussen. Sie können sich, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, offenbar besser auf den Unterricht konzentrieren, auch wenn sie ihr Handy dabei haben. Das Fazit der Forscher aus England: «Ein Handyverbot an Schulen kann Bildungslücken kostengünstig verkleinern.»

Lehrer aus Florida wurde suspendiert

Vielleicht sieht man das in Florida auch so – aber Holzhammer-Methoden werden nicht geduldet: Lehrer Dean Liptak wurde für die Nutzung des Störsenders fünf Tage lang von der Schule suspendiert. Ein Gehalt erhält er in dieser Zeit nicht.

Doch Liptak hatte nicht nur die Smartphones in der Schule kurzzeitig ausser Betrieb gesetzt, sondern auch andere Geräte im Umkreis. Drei Tage lang gab es nach Angaben der «Tampa Tribune» Empfangsstörungen – in der Nähe des Schulhofes steht ein Handymast. Der Schulleiter sagte: «Mr. Liptak hat nicht nur gegen das Gesetz verstossen, er hat auch riskiert, dass sich Menschen im Notfall nicht hätten erreichen können.»

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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3Alle Kommentare anzeigen
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  • zigi97 04.06.2015 21:37
    Highlight man soll handys lieber sinnvoll im unterricht einsetzen als sie zu verbieten.
    25 12 Melden
  • Qwertz 04.06.2015 19:52
    Highlight Wieso hat er denn nicht einfach die Handys alle eingesammelt für die Stunde? Ist bei uns am Gymi eine gängige Methode, wenn es eine Klasse übertreibt.

    Immerhin: Er nimmt seinen Bildungsauftrag sehr ernst, vorbildlich.

    Ach ja, und Störsender sind Schwachsinn, genauso wie totale Handyverbote an Schulen. Sonst lernen wir Schüler keinen massvollen Umgang mit den Dingern.
    32 1 Melden
  • Gantii 04.06.2015 16:52
    Highlight durch die (vorallem in Berufsschulen) miserable Unterrichtsqualität ist das Handy wenigstens ein Funken Hoffnung und meist weit lehrreicher als die Lehrperson. //google>lehrer
    26 55 Melden

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