Gesundheit

Bis zum letzten Tropfen: Diese Mutter gibt Sechsjähriger noch die Brust

«Mama, Milch»: Eine Australierin stillt ihre Tochter – allerdings geht das Kind schon zur Schule. Was Kritiker aufregt, ist für die Frau das Natürlichste der Welt. Kann das Stillen schaden?

27.05.15, 15:02 28.05.15, 10:59

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Das Bild, das Maha Al Musa mit ihrer Tochter zeigt, dürfte viele Menschen verstören. Die 52-Jährige sitzt auf einer Picknickdecke – auf ihrem Schoss hockt ihre Tochter Aminah und saugt Milch aus der Brust der Australierin. Das Mädchen im roten Kleid ist kein Säugling mehr, nicht mal mehr ein Kleinkind. Aminah ist sechs Jahre alt. Trotzdem wird sie noch täglich gestillt – in der Regel einmal morgens und einmal abends.

Al Musa, eine Tanzlehrerin aus Byron Bay, glaubt, dass Muttermilch die beste Nahrung ist, die ihr Kind bekommen kann. Das Stillen sei völlig natürlich für beide, sagte sie dem britischen Independent. Egal was sie gerade machen: Wenn die Kleine «Mama, Milch» ruft, ist das für Al Musa das Zeichen, ihr die Brust zu geben.

Die Bauchtanzlehrerin, die auch Kurse für Schwangere anbietet, geht sehr offensiv mit ihrer Meinung zum Stillen um. Sie postet Bilder auf ihrem Facebook-Profil und ist in den australischen Medien präsent. Dort ermutigt sie auch andere Frauen, ihre Kinder länger zu stillen. Aminah will sie so lange die Brust geben, wie sie es möchte. «Es stärkt ihr Immunsystem, und es stärkt unsere gemeinsame Bindung», sagte Al Musa im australischen Frühstücksfernsehen. Auch das Kind scheint glücklich mit Muttis Milch. Manchmal schmecke sie wie Zuckerstangen, erklärte sie.

«Geisteskrank»

Aber nicht alle finden die Bilder von Mutter und Tochter harmonisch. Für ihre Kampagne wurde Al Musa auf Facebook kritisiert. «Geisteskrank» schreibt etwa ein User in den Kommentaren. Al Musas Vorgehen scheint nicht mit den Ethik- und Moralvorstellungen vieler Menschen übereinzustimmen. In der Vergangenheit hatten ähnliche Fälle schon für Diskussionen gesorgt – etwa ein Titelbild des Time-Magazins.

Schon lange tobt rund ums Stillen eine leidenschaftliche, teils ideologische Debatte, die mitunter alles andere als sachlich geführt wird. Frauen, die nicht stillen wollen oder können, werden angefeindet. Doch auch Mütter, die sich noch Kleinkinder zur Brust nehmen, werden kritisiert. Was ist also richtig?

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Dass vom Stillen generell Kind und Mutter profitieren, gilt als wissenschaftlich belegt. Das Kind erhält durch die Muttermilch einen idealen, perfekt temperierten Nährstoffcocktail aus Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die gestillt wurden, über eine bessere Hirnentwicklung verfügen und später einen höheren IQ haben können. Auch ein Schutz vor Allergien und späteren Erkrankungen wie Diabetes ist durch die Muttermilch gegeben.

Mütter stillen weniger als empfohlen

Uneins sind sich einige Experten bei der Stilldauer. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, das Neugeborene sechs Monate lang ausschliesslich zu stillen und so lange auf Brei und Pulvermilch zu verzichten. Diesem Ratschlag folgen zwei Drittel der EU-Staaten. Die deutsche Stillkommission empfiehlt eine Dauer von fünf Monaten, dann kann zugefüttert und die Menge der Muttermilch langsam reduziert werden. Gestillt werden sollte aber mindestens bis zum Ende des ersten Lebensjahres – besser noch darüber hinaus.

In Deutschland ist die durchschnittliche Stilldauer allerdings deutlich kürzer – nach Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) knapp sieben Monate. Die Untersuchung vom Robert Koch-Institut zeigt, dass der Anteil gestillter Kinder in den vergangenen Jahren zwar gestiegen ist – dennoch liegt er unter den Empfehlungen von WHO und deutscher Stillkommission. So hatten nach neun Monaten etwa 79 Prozent der Mütter bereits abgestillt, nach zwölf Monaten ungefähr 92 Prozent. Nach 18 Monaten waren es 97 Prozent und nach 24 Monaten mehr als 99 Prozent.

Ein Fall von sechs Jahren Stillzeit dürfte dagegen sehr selten vorkommen, wie auch Berthold Koletzko vom Klinikum der Universität München sagt: «Das ist ungewöhnlich. Aber wenn das Kind teilgestillt ist und die überwiegende Menge der Nahrung aus einer ausgewogenen Ernährung besteht, gibt es keine Besorgnis für eine Nährstoffunterversorgung.»

Aus physischer Sicht spricht also nichts gegen die Stillwut der Mutter – aus psychischer könnte das anders aussehen. «Es besteht eher die Frage, ob es Auswirkungen auf die seelische und mentale Entwicklung hat», sagt Koletzko, der auch Mitglied der deutschen Stillkommission ist. Er verweist auf das sogenannte Syndrom der mangelnden Triangulierung bei lange gestillten Kindern. «Sie können sich nicht ausreichend von der Mutter abnabeln und wenig engen Kontakt zu anderen Personen wie etwa dem Vater aufbauen», sagt der Mediziner.

Immerhin nimmt die kleine Aminah das Interesse um ihre Ernährungsgewohnheiten gelassen hin. «Vielleicht höre ich damit auf, wenn ich acht werde», sagt sie.

joe

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User-Review:
Galghamon, 3.12.2016
Ein guter Mix von News und Unterhaltung, sowie der Mut zur kritischen Analyse.
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  • DeineMudda 29.05.2015 00:16
    Highlight wem kommt da game of thrones in den sinn?? :D
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  • droelfmalbumst 28.05.2015 16:39
    Highlight ja stillen ist sicher gut und richtig für das kind bzw. das baby aber übertreib doch du behämmerte olle... die hat doch alle schrauben locker... das kind ist die absolute steilvorlage um gemobbt zu werden. mit 13 beginnt es sich zu ritzen und mit 16 springt es von der brücke oder sowas. die frau gehört in die klapse... wozu kommen die zähne bei den babys? vermutlich um mit dem kauen zu beginnen nach dem einfachen 1x1? oder nur damit es cool aussieht? einstein hatte schon recht. menschliche dummheit und das universum sind unendlich, des zweiten bin ich mir aber nicht sicher...
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    • jajasoisches 29.05.2015 09:43
      Highlight huiii...
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  • _kokolorix 28.05.2015 07:32
    Highlight also nach wikipedia ist eine stlldauer von 2 1/2 - 7 jahren normal!
    die durchschnittliche stilldauer von nur gerade einem halben jahr in unserer gesellschaft ist abnormal kurz.
    aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass kinder sich so zwischen drei und vier jahren selbständig von der brust verabschieden, wenn frau sie lässt
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  • Maya Eldorado 28.05.2015 02:32
    Highlight Bei meiner jüngeren Tochter war das ganz anders. Sie hat ein volles Jahr alles verweigert ausser der Brust, Schoppen, Nuggi, Zusatznahrun, einfach alles. Mit Jährig fing sie dann gleich mit uns am Tisch an normal zu esssen, nahm aber weiter die Brust. Mit knapp Zwei hörte sie fast auf. Dann wurde sie ziemlich krank und verwegerte in dieser Zeit wieder alles ausser der Brust bis sie wieder gesund war. Mit 4 Jahren wollte sie in die Ferien. Mir war das recht. Als sie zurückkam, war es dann fertig mit der Brust. Zuerst hat sie das wütend gemacht, hat sich aber dann schnell daran gewöhnt.
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  • Maya Eldorado 28.05.2015 02:28
    Highlight Ich hatte zwei Kinder, beide haben an der Brust getrunken. Die ältere begann so mit 4,5 Monaten mit fester Nahrung. Bis zu anderthalb Jahren kam sie noch am Morgen zu mir ins Bett an die Brust. Dann schaute ich, dass ich vor ihr auf war und auf dem Tisch schon das Morgenessen für sie bereit war. So war das dann das Ende der Stillzeit.
    So brauchte sie nie extra Buschinahrung, es gab einen langsamen Wechsel von der Brust zur normalen Nahrung. Einen Schoppen hat sie nie gekannt.
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  • Gelöschter Benutzer 27.05.2015 17:07
    Highlight Stillen ist wirklich wichtig und eine super Sache, die ich vollsten unterstütze. Meiner Meinung nach gibt es aber einen Grund, weshalb Kinder Zähne bekommen. Das zeigt doch deutlich, dass die Zeit des Saugens vorbei und die Zeit des Kauens angebrochen ist. Naja, jeder wie er will.... kann mir aber vorstellen, dass es für ein Schulkind recht peinlich ist, wenn es noch gestillt wird. Ich wollte in dem Alter meine Mami nicht mal öffentlich küssen, geschweige denn, öffentlich an ihrer Brust saugen.
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  • stiberium 27.05.2015 16:53
    Highlight Super Fotos!!
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  • PeterLustig 27.05.2015 16:44
    Highlight Das Kind isst aber schon noch etwas dazu oder nicht?
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    • SVRN5774 27.05.2015 18:25
      Highlight Doch doch =) sonst wüsste es ja nicht wie Zuckerstangen schmecken.
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  • Miicha 27.05.2015 15:23
    Highlight Hmmm... frage mich auch, wieso die Kinder hierzulande nicht viel länger gestillt werden. Schliesslich muss die Mutter ja erst wieder arbeiten, wenn das Kind 4 Monate ist und die Arbeit zu unterbrechen, um zu stillen ist absolut kein Problem. *Ironie aus*
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