Rätsel um altägyptische Königin ein Stück weiter gelüftet

Publiziert: 01.12.16, 16:08

Das Grab von Nefertari, der Hauptfrau des altägyptischen Pharao Ramses II, wurde bereits im Altertum geplündert. Eine Studie unter Leitung der Uni Zürich liefert nun Hinweise, dass die verbliebenen Mumienreste wirklich der Königsgemahlin gehörten.

Nefertari war eine der bedeutendsten Frauen des alten Ägyptens. Neben ihrem Mann Ramses II wurde sie in altägyptischer Kunst gleich gross dargestellt, was auf ihren einflussreichen Status schliessen lässt. In der Neuzeit ist sie vor allem wegen der prächtigen Wandmalereien in ihrem Grab bekannt geworden, das Ernesto Schiaparelli 1904 entdeckte.

Das Felsengrab QV66 im Tal der Königinnen war allerdings bereits in der Antike geplündert worden, der Sarkophag aus rosa Granit aufgebrochen und alle wertvollen Grabbeigaben geraubt. Nur zwei mumifizierte Knieregionen liessen sich noch auffinden und sind seither im Ägyptischen Museum in Turin ausgestellt.

Bis heute ist aber nicht bewiesen, dass diese Überreste tatsächlich diejenigen sind, die ursprünglich in diesem Grab bestattet wurden - also Nefertaris. Es wäre auch denkbar, dass die Grabräuber die Mumie aus einem anderen Grab mitgenommen und dort fallen gelassen hatten.

Hinweise verdichten sich

Eine umfassende Untersuchung der Überreste durch ein internationales Forscherteam um Frank Rühli von der Universität Zürich lässt die Vermutung, dass es sich wirklich um Nefertaris Knie handelt, ein gutes Stück wahrscheinlicher werden.

Die Forschenden haben die Knochen und Bandagen mit verschiedenen Methoden untersucht, darunter chemische Analysen, eine genaue Beurteilung der Knochenstruktur, DNA-Analysen und Radiokarbon-Datierung. «Wir können sagen, dass es sich wahrscheinlich um eine Frau handelte, die mit etwa 165 Zentimetern zu den grössten rund 15 Prozent der damaligen Bevölkerung zählte», erklärt Rühli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Die Knochenstruktur lasse ausserdem vermuten, dass sie wohl eher keiner harten physischen Arbeit nachging. Ausserdem hatte die bestattete Person zumindest ungefähr das richtige Alter, vermutlich zwischen 40 und 60 Jahren. Durch historische Quellen wurde das Alter, in dem Nefertari verstarb, auf rund 40 bis 50 Jahre eingegrenzt, schrieben die Forschenden im Fachblatt «PLOS ONE».

Richtiger Zeitraum

Durch die chemischen Analysen lasse sich die Einbalsamierungstechnik um die 18. bis 19. Dynastie einordnen, so Rühli weiter. «In Kombination mit der Radiokarbon-Datierung kommen wir dann eher auf die 19. Dynastie, also den richtigen Zeitraum, in dem Nefertari lebte.» Nach unserer Zeitrechnung wäre dies um die 1250 vor Christus.

Noch eindeutigere Hinweise auf die Identität der Mumie hätte die DNA-Analyse geliefert, leider blieb sie jedoch ohne klares Ergebnis. «Die Proben waren einfach zu stark kontaminiert», erklärte Rühli der sda. «Diese Überreste liegen seit über hundert Jahren im Museum und sind wohl von Dutzenden Händen angefasst worden.»

Mit einer grösseren Probenmenge hätte die Erbgut-Analyse eventuell Ergebnisse geliefert. «Wir haben aber den Grundsatz, möglichst wenig invasiv zu arbeiten und die Überreste zu erhalten, so gut es geht», sagte Rühli.

Einen definitiven Beweis, dass es sich um Nefertaris Knie handelt, könnten die Ergebnisse nicht liefern, so der Zürcher Forscher. «Aber wir konnten die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, dass diese Vermutung stimmt.» Aus einer Liste von 16 Kriterien, die erfüllt sein müssten, wenn es sich um die Königsgemahlin handelt, seien 14 erfüllt. Und: «Keiner unserer Befunde widerspricht eindeutig der Hypothese.» (sda)

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