Der Retter von Robbenbabys und Zweitwohnungsinitiant Franz Weber wird 90

27.07.17, 08:08

Er erkämpfte sich den Schutz des Weinbaugebiets Lavaux, gewann die Zweitwohnungsinitiative und rettete mit Brigitte Bardot Robbenbabys. Heute wird Franz Weber 90 Jahre alt und hat seinen Kampfgeist verloren. Er ist an Demenz erkrankt.

Weber lebt aber glücklich in einer Altersresidenz. «Er hat sein Gedächtnis verloren», sagte Vera Weber, Tochter des Umwelt- und Tierschützer und Präsidentin der Stiftung Franz Weber, der Nachrichtenagentur sda. «Er weiss nicht immer, wo er ist, aber er hat noch wache Momente und kann Entscheidungen selber treffen.»

Gespräche über seine grossen Kämpfe sind hingegen nicht mehr möglich, er könne sich nur noch vage daran erinnern. Kämpfe hat Franz Weber sein Leben lang ausgefochten und damit auch angeeckt.

Das zeigte sich exemplarisch am Lavaux: Mit insgesamt drei Volksinitiativen setzte sich der gebürtige Basler für den Schutz des Weinbaugebiets ein. Die ersten beiden wurden 1977 und 2005 angenommen - auch deshalb gehört das Lavaux am Genfersee heute zum Unesco-Weltkulturerbe.

Für die Region blieb der stets elegant gekleidete Umweltschützer jedoch ein rotes Tuch, und seine dritte Lavaux-Volksinitiative wurde 2014 von der Waadtländer Regierung und den Winzern an allen Fronten bekämpft - zu rigoros erschienen ihnen die Forderungen. Weber erlitt eine Abstimmungsniederlage und erreichte mit dem angenommenen Gegenvorschlag dennoch einen Teilsieg.

Virtuos im Umgang mit Medien

Ein grosser Sieg für die Fondation Franz Weber war 2012 die Annahme der Volksinitiative zur Begrenzung des Zweitwohnungsbaus. Sein Engagement hatte schon Jahrzehnte früher begonnen. Bereits 1965 verhinderte Weber ein Megaprojekt für 25'000 Einwohner auf dem Gebiet der Bündner Gemeinde Surlej.

Bei seinen Kampagnen wusste er stets - wie mit Brigitte Bardot in den 70er-Jahren als Aushängeschild gegen die Robbenjagd in Kanada - auch die Medien einzuspannen. Dass Weber mit Medien umzugehen wusste, ist kein Zufall: Er verdiente sein Geld nach dem Zweiten Weltkrieg als freier Korrespondent in Paris. «Ich weiss, wie man eine Sache zuspitzt», gab er bereits in früheren Jahren der sda an. Seit rund einem Jahr befindet er sich nun wegen seiner Demenz-Erkrankung in einer Altersresidenz.

Ausruhen nach 50 Jahren Kampf

«Heute ist er zufrieden, wenn er nichts mehr machen muss», sagt Vera Weber, «er schläft sehr gerne. Ich denke, er ruht sich von 50 Jahren Engagement aus.» Für die Tochter war die Erkrankung kein Schock, wie sie betont.

Bereits seit 2010 hatte Franz Weber gesundheitliche Probleme. «Das hat ihn ermüdet und seine Tätigkeit verlangsamt», sagt die 42-jährige Tochter. Sie übernahm nach und nach die Geschäfte der Fondation Franz Weber, weil ihr Vater nicht mehr die Kraft dazu hatte.

«Dennoch wollte er die Galionsfigur bleiben», sagt sie. Heute spielt er keine Rolle mehr in der von ihm gegründeten Stiftung. Die Fondation Franz Weber kämpft unter anderem gegen Stierkämpfe, für den Schutz der Elefanten in Afrika und gegen den Handel mit Elfenbein. Auch in der Schweiz ist sie nach wie vor aktiv.

Über das bewegte Leben des Umweltschützers wurde bereits eine Biografie verfasst. Derzeit arbeitet Judith Weber - die Mutter von Vera und Ehefrau von Franz - an einem persönlichen Buch: «Ich und Franz» heisst der Arbeitstitel.

«Prophet ist im eigenen Land nichts wert»

Für den 90. Geburtstag ist ein Mittagessen in einem schönen Restaurant geplant, im engen Familienkreis, sagt Vera Weber. Offen bleibt die Frage der Anerkennung für sein Werk.

Ob Surlej, das Lavaux oder die Berggebiete: Franz Weber blieb für viele Bewohner der Regionen, in denen er sich engagiert hatte, ein Feindbild. «Nun ist er 90 Jahre alt, ich wünsche ihm den Dank der Regionen, die er gerettet hat, noch vor seinem Tod.»

Aber Leute, die viel für ihr Land getan hätten, würden oft erst nach dem Tod geehrt, sagt Vera Weber. Das habe auch mit dem Sprichwort zu tun: «Der Prophet ist im eigenen Land nichts wert.» (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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