Fraktionen fühlen Bundesratskandidaten auf den Zahn

12.09.17, 16:32

Heute Nachmittag haben die ersten Fraktionen den drei Bundesratskandidaten der FDP auf den Zahn gefühlt. Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet wurden in den letzten eineinhalb Stunden reihum von SVP, CVP und Grünen angehört.

Die Hearings fanden hinter verschlossenen Türen statt. Die Kandidierenden wurden zu politischen, aber auch zu persönlichen Themen befragt.

Der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis gab sich zwischen zwei Anhörungen zuversichtlich. «Ich bin zufrieden, ich war mich selber», sagte er. Das Interesse sei gross gewesen. Cassis liess aber auch politische Differenzen durchblicken: Alle möchten sieben Bundesräte der gleichen Partei, sagte er. «Aber die Regeln sind anders.»

Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet gab sich aufgeräumt. «Es war ein interessanter Austausch. Ich freue mich auf eine mögliche künftige Zusammenarbeit.» Nur die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret wollte gegenüber Journalisten zunächst nicht Stellung nehmen.

Welchen Einfluss die Antworten auf das Wahlverhalten der Fraktionsmitglieder haben, bleibt ein Geheimnis. Eine Fraktion ist möglicherweise tatsächlich auf zusätzliche Informationen angewiesen, eine andere hat ihre vielleicht Meinung längst gemacht. Die Mitglieder der Bundesversammlung entscheiden aber ohnehin frei und in geheimer Abstimmung, wem sie ihre Stimme geben wollen.

Stunde der Taktiker

Am späten Nachmittag informieren die Fraktionen offiziell über ihre Erkenntnisse. Bis gegen Abend dürfte klar sein, ob sie einen bestimmten Kandidaten oder eine Kandidatin unterstützen, ob sie sich von jemandem distanzieren oder ob sie ihren Mitgliedern freie Hand lassen. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die Fraktionsspitzen aus taktischen Gründen nicht alle Informationen preisgeben.

Am kommenden Dienstag folgen die Hearings mit den übrigen Fraktionen. Die letzten Absprachen werden am Vorabend der Wahl im Berner Luxushotel Bellevue getroffen: Parteichefs und Politstrategen diktieren den Journalisten Prognosen und Analysen ins Mikrofon, während abseits der Kameras die Königsmacher die Strippen ziehen.

Tessiner Favorit

Allerdings hat sich in den Monaten seit Bundesrat Didier Burkhalters Rücktrittsankündigung nichts Wesentliches an der Ausgangslage geändert. Cassis hat seinen Vorsprung trotz des einen oder anderen Fehltritts nicht verschenkt. Er gilt nach wie vor als Favorit für die Nachfolge von Burkhalter.

Cassis' stärkster Trumpf ist seine Herkunft. Das Tessin wartet seit dem Rücktritt von Flavio Cotti (CVP) 1999 auf eine Vertretung in der Landesregierung. Ein weiterer Bundesrat aus der Romandie würde einen Tessiner Sitz auf Jahre hinaus verhindern.

Offenes Rennen

Doch die Konkurrenz sitzt Cassis im Nacken. Moret darf auf Stimmen der Frauen und der Linken hoffen. Auch bei ihrem Auftritt vor Bauernvertretern am Montag hat sie dem Vernehmen nach gut abgeschnitten.

Eine eigentliche Aufholjagd hat jedoch der Genfer Pierre Maudet gezeigt: Vor wenigen Wochen war er in Bundesbern noch weitgehend unbekannt. Inzwischen dürfte der als überaus fähig geltende 39-Jährige manchen Bundesparlamentarier von sich überzeugt haben. Die Würfel fallen am 20. September. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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