Trump durch neue Vorwürfe noch stärker in Bedrängnis

Publiziert: 13.10.16, 12:48

Neue Enthüllungen bringen den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump noch weiter in Bedrängnis: Sechs Frauen beschuldigten ihn am Mittwoch über die Medien, sie vor Jahren sexuell belästigt zu haben. Das Team des Republikaners wies die Vorwürfe entschieden zurück.

In einem Gespräch mit der «New York Times» berichtete die heute 74-jährige Jessica Leeds, Trump habe sie vor mehr als 35 Jahren während eines Fluges betatscht, als sie zufällig neben ihm in der ersten Klasse gesessen habe. Sie seien sich nie zuvor begegnet.

Der Geschäftsmann habe etwa 45 Minuten nach Abflug die Armlehne hochgeklappt, sie an die Brüste gefasst und auch versucht, ihr unter den Rock zu greifen. Es habe sich um einen «Überfall» gehandelt, sagte Leeds. Trump sei «wie eine Krake» gewesen. «Seine Hände waren überall.» Sie sei daraufhin aufgestanden und zu einem anderen Platz im hinteren Teil der Kabine geflüchtet.

Im Lift geküsst

Die zweite Frau wurde nach eigener Schilderung als damals 22-Jährige im Jahr 2005 im New Yorker Trump Tower vom Baulöwen belästigt. Sie habe damals am Empfang einer in dem Gebäude ansässigen Immobilienfirma gearbeitet, die Geschäftsbeziehungen zu Trump gehabt habe, berichtete Rachel Crooks.

Dem Immobilienmagnaten sei sie erstmals vor einem Lift begegnet. Nach der gegenseitigen Vorstellung habe er angefangen, sie zu küssen, zunächst auf die Wangen und dann «direkt auf den Mund», sagte Crooks.

Wenige Stunden nach dem «Times»-Artikel veröffentlichte das «People»-Magazin online einen Artikel, in dem die Reporterin Natasha Stoynoff eine eigene Begegnung mit Trump 2005 beschrieb. Er habe sie bei einem Interview-Besuch in dessen Anwesen Mar-a-Lago in Florida gegen eine Wand gedrückt und gegen ihren Willen geküsst. «Er drückte seine Zunge in meinen Hals.»

Die 36-jährige Mindy McGillivray schilderte der «Palm Beach Post» derweil, Trump habe ihr 2003 in seinem Mar-A-Lago-Resort so plötzlich an den Hintern gefasst, dass sie vor Schreck in die Höhe gesprungen sei.

Auch zwei frühere Schönheitsköniginnnen warfen dem früheren Chef der Miss Universe-Organisation vor, Trump habe sie in der Vergangenheit am Rande von Miss-Wahlen ungefragt geküsst, betatscht und in sein Hotelzimmer eingeladen.

Vehemente Dementi

Trump-Berater Miller bezeichnete den «Times»-Artikel als «neuen Tiefpunkt» im Bestreben der Medien, «diese Wahl zu entscheiden». Er nannte die Vorstellung «absurd», dass «einer der angesehensten führenden Geschäftsmänner des Planeten», der für seine Förderung von Frauen bekannt sei, derartige Dinge tun würde.

Trump selbst sagte dem Bericht zufolge in einem Telefonat mit der «New York Times»: «Nichts von dem ist jemals passiert.» Nach Darstellung der Zeitung war der Präsidentschaftskandidat während des Gesprächs sehr aufgebracht und beschimpfte die mit ihm telefonierende Journalistin als «widerwärtigen Menschen».

Der Sender ABC News berichtete, Trump bereite eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung vor. Sein Wahlkampfteam bezeichnete den «NYT»-Bericht als politisch motivierten Angriff auf Trump und versuchten Rufmord.

Widerspruch zu eigenen Aussagen

Der Präsidentschaftskandidat war in den vergangenen Tagen bereits durch das Video von 2005 massiv unter Druck geraten, in dem er damit prahlt, sich wegen seiner Berühmtheit alles gegenüber Frauen erlauben zu können.

Der Republikaner bestritt am Sonntag in seinem TV-Duell mit der Demokratin Hillary Clinton, derartige Übergriffe begangen zu haben, und attackierte stattdessen den Ehemann seiner Widersacherin. Nach der Veröffentlichung des Videos kündigten jedoch zahlreiche Mandatsträger der Republikaner Trump die Gefolgschaft.

Die Frauen, die Trump jetzt beschuldigen, wandten sich den Berichten zufolge nie an die Behörden. Leeds begründete dies damit, dass den Frauen in den damaligen Zeiten beigebracht worden sei, an derartigen Übergriffen seien sie selber schuld.

Crooks sagte, die Angelegenheit sei für sie kompliziert gewesen, weil sie in demselben Gebäude wie Trump gearbeitet habe. Stoynoff schrieb, zu dieser Zeit habe sie den Vorfall als «Risiko» einer Klatschreporterin abgetan. (sda/afp/dpa)

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