Kaum mehr Hoffnung auf Überlebende nach Lawine in Italien

25.01.17, 16:40

Eine Woche nach dem Lawinenunglück in Italien gibt es kaum mehr Hoffnung, noch Lebende in dem verschütteten Hotel im Erdbebengebiet zu finden. Zuletzt wurden nur noch Leichen aus den Trümmern gezogen. Am Mittwoch belief sich die Zahl der Toten auf 24.

In der Nacht zum Mittwoch seien sieben weitere Todesopfer - vier Frauen und drei Männer - geborgen worden, teilten die Behörden mit. Fünf Menschen werden noch im verschütteten Berghotel Rigopiano vermutet. Angesichts der Kälte wird nicht damit gerechnet, dass die Vermissten noch am Leben sind.

Trotzdem setzten die Einsatzkräfte ihre Suche fort. «Wir arbeiten unermüdlich, bis wir alle Vermissten geborgen haben. Über 200 Rettungseinheiten sind vor Ort», berichtete die Sprecherin des italienischen Zivilschutzes, Titti Postiglione.

Nach schweren Schneefällen in Mittelitalien war die Region vergangene Woche von einer Reihe von Erdbeben erschüttert worden. Diese hatten die Lawine ausgelöst, welche das Hotel am letzten Mittwoch verschüttete. Elf Menschen überlebten das Unglück, neun davon konnten noch mehr als 40 Stunden später lebend geborgen werden.

Regierung nimmt Retter in Schutz

Die Regierung nahm am Mittwoch die Retter vor immer lauter werdenden Vorwürfen in Schutz. Die juristische Untersuchung werde zeigen, ob bei dem Rettungseinsatz Fehler gemacht wurden, sagte Ministerpräsident Paolo Gentiloni.

Zeugenberichte legen nahe, dass erste Notrufe nicht ernst genommen worden sein könnten. So habe es bei der Präfektur in Pescara unter anderem geheissen, das Hotel sei gar nicht verschüttet worden, sondern ein Stall für Schafe, berichteten Medien. Der Alarm sei als Lüge abgetan worden, so der Vorwurf.

Zudem wird den örtlichen Behörden vorgeworfen, dass sie nach dem Erdbeben nicht dafür sorgten, dass die Strasse zum Hotel schnell vom Schnee geräumt wurde. Dadurch konnten die Gäste das Hotel nicht rechtzeitig verlassen. Die Staatsanwaltschaft in Pescara ermittelt gegen Unbekannt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung.

«Die Regierung fürchtet sich nicht vor der Wahrheit», sagte Gentiloni vor dem Senat in Rom. Man dürfe aber nicht vorschnell nach einem Sündenbock suchen. Die Einsatzkräfte hätten alles in ihrer Macht stehende getan, um Leben zu retten.

Gentiloni zog nach den heftigen Schneefällen und Erdbeben eine Zwischenbilanz. In Mittelitalien seien weiterhin hunderte Menschen von der Aussenwelt abgeschlossen, sagte er. Tausende Haushalte hätten tagelang keinen Strom gehabt. Angesichts dieser «nie da gewesenen Krise» seien bis zu 11'000 Einsatzkräfte aktiviert worden.

Erste Opfer beerdigt

Die ersten Opfer des Lawinenunglücks wurden bereits zu Grabe getragen. Zugleich trauerten die Rettungsmannschaften an dem Hotel auch um die Opfer des Absturzes eines Rettungshelikopters am Dienstag in der Gegend des Gran-Sasso-Bergmassivs.

Unter den Toten war auch ein Helfer, der zuvor bei dem Lawinenunglück im Einsatz war. Sie hatten einen verletzten Skifahrer abtransportieren wollen, als der Helikopter abstürzte. (sda/dpa/afp/apa)

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