Zerwürfnis zwischen USA und Russland nach Syrien-Luftangriff

Publiziert: 18.09.16, 02:52

Der von der US-Koalition geführte, wohl irrtümliche Luftangriff auf Regierungstruppen in Syrien hat zu einem schweren Zerwürfnis zwischen den USA und Russland geführt. Im UNO-Sicherheitsrat kam es am Samstagabend zu einem Eklat.

Russlands UNO-Botschafter Witali Tschurkin verliess eine kurzfristig einberufene Dringlichkeitssitzung des Rates bei Ankunft seiner amerikanischen Kollegin Samantha Power. Zudem bezeichnete er den Angriff, bei dem mindestens 60 Menschen ums Leben kamen und 100 weitere verletzt wurden, als möglicherweise gewollt.

Es sei möglich, dass der «rücksichtslose» Luftangriff ausgeführt wurde, um die Umsetzung der mühsam ausgehandelten Syrien-Vereinbarung zu behindern, sagte Tschurkin. Zur aus seiner Sicht von den USA verletzten Einhaltung der Waffenruhe sagte er: «Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was der nächste Schritt sein wird.» Als endgültig gescheitert bezeichnete die Vereinbarung aber nicht.

Power, die wegen ihres Statements vor Journalisten laut Tschurkin einen Teil von dessen Kommentaren im höchsten UNO-Gremium verpasste, bezichtigte Russland der Effekthascherei. «Selbst nach russischen Standards ist der Stunt von heute Abend - ein Stunt voller Moralismus und Effekthascherei - auf einzigartige Weise zynisch und scheinheilig», sagte Power.

Scheinheiligkeit vorgeworfen

Sie zeigte sich empört, dass Russland nach dem offenbar versehentlichen Angriff eine Dringlichkeitssitzung einberief, unzählige Angriffe auf die Bevölkerung durch das syrische Regime aber unbeantwortet gelassen hatte. Power drückte das Bedauern der USA aus, dass bei dem Angriff Menschen ums Leben gekommen seien.

Laut syrischen Staatsmedien und den russischen Streitkräften hatten Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition am Samstag syrische Stellungen angegriffen. Das US-Militär sprach von einem Versehen, die US-Regierung äusserte «Bedauern» über den Irrtum, der zum Verlust von Menschenleben geführt habe. Sie habe dieses Bedauern über Russland auch Syrien übermittelt, zitierte CNN einen Regierungsbeamten.

Russische Seite informiert

Demnach drangen zwei F-16- und zwei A-10-Kampfflugzeuge vom Irak aus in den syrischen Luftraum ein. Die Jets hätten vier Angriffe gegen die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) umzingelten Stellungen der Regierungstruppen geflogen. Das syrische Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf die Armee, die Angriffe seien am Abend (Ortszeit) nahe dem Flughafen von Deir as-Saur im Osten des Landes erfolgt. Die russischen Streitkräfte sprachen von 62 getöteten und rund hundert verletzten syrischen Soldaten.

Das Pentagon räumte ein, dass die Koalition möglicherweise syrische Regierungstruppen attackiert habe. Die Koalitionstruppen seien davon ausgegangen, dass sie IS-Kampfstellungen attackiert hätten. Die Koalition haben die Luftangriffe «sofort eingestellt», als sie von russischer Seite darüber informiert worden sei, dass sie möglicherweise auf syrisches Militär ziele.

Das Angriffsziel habe in einem Gebiet gelegen, in dem die Koalition bereits früher Luftangriffe geflogen habe und die russische Seite sei zuvor über den bevorstehenden Angriff informiert worden, erklärte das Pentagon weiter. Der Vorfall werde überprüft. (sda/afp)

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