Basel

Verschiedentlich ziehen junge Leute von Basel aus in den Jihad. keystone

Junge Menschen «sind eine leichte Beute» – Basel schafft jetzt eine Extremisten-Anlaufstelle 

Im Spätherbst richtet der Kanton eine Helpline für Lehrer und Eltern radikalisierter Jugendlicher ein.

Publiziert: 23.09.16, 04:28 Aktualisiert: 23.09.16, 14:57

SAMUEL HUFSCHMID / basellandschaftliche Zeitung

Basel-Stadt verfügt bereits jetzt über eine Ansprechstelle bezüglich religiöser Radikalisierung von Jugendlichen. Sie ist dem Präsidialdepartement angegliedert und wird von Lilo Roost Vischer, Koordinatorin für Religionsfragen, geleitet. Doch diese Zuständigkeit sei eher informell gewachsen und soll nun auf rechtlich solide Beine gestellt werden, heisst es auf Anfrage. Und weil es sich bei radikalisierten Jugendlichen um ein vielschichtiges Problem handle, werde die Anlaufstelle so aufgegleist, dass alle involvierten Departemente jeweils ihre Spezialgebiete abdecken.

Wie die Zuständigkeiten genau sein werden, darüber wird die Regierung erst im Herbst informieren – auch wenn Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) am Mittwochabend in der SRF-Sendung «Rundschau» sagte, dass die Anlaufstelle bereits diesen Herbst operativ sein werde. Beim federführenden Präsidialdepartement heisst es auf Anfrage lediglich: «Derzeit werden die interne und kantonsübergreifende Koordination und die neuen Instrumente aufgegleist.»

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr wird jetzt aktiv. foto: basellandschaftliche zeitung

«Es ist unverständlich, dass es so lange gedauert hat, bis der Kanton in Sachen Extremismus-Prävention vorwärts macht.»

Ursula Metzger, SP-Grossrätin

Keine neuen Stellen geplant

Involviert seien nebst der erwähnten Fachstelle für Religionsfragen auch Strafverfolgungs- und Präventionsbehörden aus dem Sicherheitsdepartement und der Staatsanwaltschaft sowie Fachkräfte aus dem Erziehungsdepartement. «Die Koordination des vorhandenen Wissens geschieht auf hohem Niveau. Neue Stellen wird es nicht brauchen, das nötige Know-how ist innerhalb der Verwaltung bereits vorhanden», sagt Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung. Entsprechend würden auch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

«Mir ist wichtig, dass das Angebot nicht nur auf Islamisten ausgerichtet ist.»

Ursula Metzger, SP-Grossrätin

Dass die Extremisten-Anlaufstelle nun kommt, das freut SP-Grossrätin Ursula Metzger. Dass es so lange gedauert hat, bis der Kanton in Sachen Extremismus-Prävention vorwärts macht, sei hingegen unverständlich, sagt die Politikerin, die bereits im Februar 2014 mittels Interpellation eine entsprechende Stelle gefordert hatte. «Ich habe am Mittwoch mit einer neuen Interpellation nachgehakt, damit es in dieser wichtigen Frage vorwärts geht», sagt Metzger.

SP-Grossrätin Ursula Metzger forderte mit einem Vorstoss eine Anlaufstelle. Foto: zvg

Ihr sei wichtig, dass das Angebot nicht nur auf Islamisten ausgerichtet sei. «Junge Menschen mit Schwierigkeiten sind eine leichte Beute, nicht nur für Salafisten, sondern auch für andere Sekten, Rechtsradikale oder Linksextreme.» In all diesen Fällen soll die neue Anlaufstelle eine niederschwellige Möglichkeit zur unverbindlichen Kontaktaufnahme bieten.

Jugendliche auf Sinnsuche

Für Religionsexpertin Roost ist eine effektive Extremismus-Prävention nur departementsübergreifend möglich, wie sie im Jahresbericht des Runden Tischs Religion ausführt. Dort schreibt sie, dass der aktuelle Forschungsstand zeige, dass religiöse Radikalisierung weniger auf religiösem Wissen beruhe, sondern viel eher Ausdruck jugendlicher Sinnsuche und Protestkultur sei. «Fachleute umschreiben das Phänomen mit Begriffen wie ‹SalafiPunk› oder ‹Pop-Jihad›».

Eine Sonderstellung innerhalb der Basler Behörden nimmt das Erziehungsdepartement (ED) ein, das einen eigenen Weg geht. Zwar sind dort ebenfalls zwei Personen in den Aufbau der geplanten Anlaufstelle involviert, gleichzeitig wird das bestehende interne Beratungsangebot aber beibehalten. «Bei uns können Lehrpersonen seit einiger Zeit via Schulleitung bei Bedarf die Islam-Expertin Jasmin El-Sonbati konsultieren, die bei uns als Lehrerin arbeitet und 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für solche Beratungen verwenden kann», sagt ED-Sprecher Simon Thiriet. Dieses bereits bestehende Angebot für Lehrpersonen werde weitergeführt.

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  • deleted_838326165 24.09.2016 08:01
    Highlight Hurra, die Linke hat wieder eine neue Anlaufstelle! Für Extremisten! Jetzt ein schönes Büro zentral in der Basler Altstadt einrichten, einen Aufklärungs-Flyer in allen Sprachen designen und ein Leitbild erstellen. Jahresbericht mit vollformatigen Hochglanzfotos einplanen. Damit sollte die Anlaufstelle die nächsten paar Jahre ausgelastet sein und das Einkommen von drei Psychologen und fünf Sozialarbeitern gesichert sein. Well done!
    7 1 Melden
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  • BlueRose 23.09.2016 23:23
    Highlight Kein Extrem ist gut!
    2 2 Melden
    600
  • Wilhelm Dingo 23.09.2016 09:42
    Highlight "Ihr sei wichtig, dass das Angebot nicht nur auf Islamisten ausgerichtet sei": Schön politisch korrekt aber absolut daneben. Für die öffentliche Sicherheit sind aktuelle nur die Islamisten ein Problem.
    21 11 Melden
    • Jol Bear 23.09.2016 11:17
      Highlight Vielleicht denkt sie an FCx-Fans, Anhänger von Parteien rechts von der SP, Leute, welche die Nationalhymne auswendig können, solche, die V8-Motoren geil finden, Gentech-Befürworter, Personen, die Coca-Cola aus Alubüchsen trinken, im McDonalds essen, Leite, die nicht neidisch sind, wenn der Nachbar ein paar 1000 Fr. mehr Lohn hat... Ach, die Welt ist voll von Extremisten, die endlich auf den rechten, nein linken Weg gebracht werden müssen...
      12 11 Melden
    • Tobi-wan 23.09.2016 14:00
      Highlight Breivik war ja Islamist, gell...
      11 8 Melden
    • Wilhelm Dingo 23.09.2016 14:32
      Highlight @Tobi-wan: ja, man findet immer eine Ausrede. Zähl doch einfach mal die Opfer zusammen der islamistisch motivierten Anschläge der letzten 10 Jahre und vergleiche!
      14 4 Melden
    • Tobi-wan 23.09.2016 15:56
      Highlight Wofür brauche ich eine Ausrede?
      Ich wollte damit nur sagen, dass es nicht nur islamistischen Extremismus gibt. Ja, es gibt daher mehr Tote als von Rechts- oder Linksextremen. Aber zu sagen, dass man diesen Extremismus nicht einbinden soll, ist genau so falsch.
      Es gab Zeiten, da war Rechtsextremismus ein sehr grosses Problem, es gab Zeiten da war Linksextremismus (RAF, Rote Brigaden) ein Problem. Jetzt ist es Islamismus. Was nicht heisst, dass es den Anderen Extremismus nicht mehr gibt.
      4 8 Melden
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  • Stipps 23.09.2016 09:23
    Highlight Schöne Gesellschaft, wenn sie "Gefährder" als Ursache toleriert und das Symptom der Radikalisierten angeht ... aber gibt "Jobs" und nette Ansprachen.
    18 4 Melden
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  • Wehrpunkt 23.09.2016 09:22
    Highlight Die Prävention sollte in einer massgeschneiderten Lösung im 40 bis 90 Rappen Bereich gründen...
    5 7 Melden
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  • Marek Zeman 23.09.2016 08:30
    Highlight Das finde ich mal einen sinnvollen Ansatz zur Terrorismusbekämpfung!

    Ich frage mich nur, sollen die Jugendlichen zur Beratungsstelle, oder etwa Lehrer o.ä. welche befürchten dass einer ihrer Schüler radikalisiert wird?
    10 0 Melden
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  • pamayer 23.09.2016 07:03
    Highlight Ursula metzger hat schon recht: warum erst jetzt?!
    12 0 Melden
    600

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