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Flügel, aus dem Faden der Solidarität gewoben.  Bild: Ginadraws.ch

Liebe Kafi,  ich habe eine Frage, die mir seit Tagen unter den Nägeln brennt  und für deren Beantwortung ich hier in der Schweiz keinen geeigneteren und liebevolleren Menschen kenne, als Dich: 

18.09.15, 10:29 18.09.15, 12:08

Wohin kann ich mich wenden, um durch persönliches Engagement Flüchtlingen hier beim Ankommen bzw. Hiersein zu helfen?  Ich meine so Sachen wie – mit Malsachen und einem Fussball hingehen und mit den Kindern spielen.  Momentan fällt mir noch nicht mehr ein, aber ich denke, wenn ich einmal dort war, werde ich noch viele Ideen haben, wie ich sie einfach von einem Menschen zu einem anderen Menschen unterstützen kann.  Ich danke Dir schon jetzt und freue mich auf Deine Antwort. Carolin, 38

Liebe Carolin, 

Ihre Frage, sie liegt jetzt schon ein ganzes Weilchen in meiner Inbox. Ich musste erst einige Wochen mit dem Thema schwanger gehen, bevor ich endlich begriff, dass es nicht angehen kann, dass man sich als Kolumnistin zu jedem Thema ausbreitet, nur zu diesem nicht. Davor hatte ich das Gefühl, dass jeder sich schon dazu geäussert hat, dass es meine Gedanken dazu nicht auch noch braucht. Aber dann kam dieser Tag, mit dem besagten Bild und ich stand endlich auf und übernahm endlich Verantwortung.

Ich wollte, genau wie Sie, ganz direkt helfen und einer Familie ein Zimmer in meiner Wohnung anbieten. Aber mit wem ich auch telefonierte, es gab keine, die ein solches Angebot hätte nutzen können. Im Moment kommen kaum Flüchtlinge in die Schweiz. Die politischen Hürden sind zu hoch, imaginären Mauern von ausländerfeindlichen Parteien erbaut, zu dick.

Darum habe ich mich entschieden, das zu tun, was wir Schweizer am Besten können; zu spenden. Noch mehr zu spenden, als ich es eh schon tue und andere Menschen dafür zu gewinnen, es auch zu tun. Ich habe meine Community mobilisiert und sagenhafte 164 Menschen haben MSF, Unicef, Amal ou Salam Suisse oder eine vergleichbare Organisation unterstützt und mir ihre Spendennachweise geschickt. 164 Menschen haben ihr Herz und ihr Portemonnaie geöffnet und damit ein paar Menschen auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft eine wärmende Decke umgelegt.

Ich habe versprochen, all diese Menschen in meiner Kolumne persönlich zu verdanken. Und das will ich heute tun. Jede einzige Mail hat mein Herz berührt und mich im Glauben an ein starkes Wir gestärkt. Jede einzige Mail war mehr als nur der besagte Tropfen auf den heissen Stein. Dieses Engagement mit einer Auflistung von Namen zu würdigen, war mir darum zu wenig. Mir geht es darum aufzuzeigen, wozu wir imstande sind, wenn wir gemeinsame Sache machen. Wenn wir gemeinsam aufstehen und unsere Stimmen zu einem lauten Chor erheben.

All diesen Menschen ein Kränzli winden und beweisen, wie viel ein Schulterschluss bewirken kann! Die Künstlerin Gina Graeser hat dies mit einer Illustration getan, die es besser nicht zeigen könnte; sie hat aus dem Faden der Solidarität Flügel gewoben für ein Flüchtlingskind, welche unsere Unterstützung braucht. Sie hat aus den Herzen der 46 anonymen Spender einen Ausweg ermöglicht, wo keiner zu vermuten war. Diese Arbeit hat sie mir und uns allen geschenkt, als Zeichen des Engagements und unserer unerschütterlichen Kraft. Lasst uns die Bilder hinaustragen und erkennen, dass jeder Einzelne von uns diese Welt zu einer besseren machen kann, heute und hier!

Wir sind in der Pflicht, unser Potenzial zu nutzen und unsere Stimmen zu erheben, wo immer wir können. Wir müssen den Weg zu einer menschenwürdigen Politik ebnen, indem wir an der Urne klare Zeichen setzen und unsere Regierung an ihre humanitäre Aufgabe erinnern. Jedes deutliche Wort auf Facebook, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jedes gesetzte Kreuz auf dem Wahlzettel eine klare Ansage nach Bern. Wir haben es in der Hand, eine gemeinsame Zukunft zu bauen, die den Kindern dieser Welt eine Heimat bietet.

Eine kürzlich gestartete Onlinepetition braucht 50'000 Menschen, die sich für einen humanitären Umgang der Schweiz mit der Flüchtlingskrise einsetzen. Lasst uns unsere Verantwortung übernehmen, im Wissen darum, dass wir im privilegiertesten und sichersten Land dieser Welt leben und es der reine Zufall ist, hier geboren worden zu sein.

Lasst uns mutig sein und Liebe wagen!

In grosser Dankbarkeit und Liebe. Ihre Kafi.

Gina und Kafi machen gemeinsame Sache. 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit Ihrem 11 jährigen Sohn in Zürich.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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  • Sark 19.09.2015 09:25
    Highlight Es gibt ansonsten bei vielen Gemeinden Integrationsstellen, welche freiwillige Begleiter suchen. Dann unterstützt man 2-3 Stunden wöchentlich Menschen, die sich in der Schweiz noch nicht zurechtfinden (bei Behördengängen, Job- und/oder Wohnungssuche etc.). Ist wirklich eine ganz spannende Sache.
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  • atomschlaf 19.09.2015 08:29
    Highlight Liebe Kafi, dass “kaum Flüchtlinge in die Schweiz kommen”, stimmt schon nicht ganz. Es kommen zum Glück keine unkontrollierbaren Massen wie nach Deutschland aber es kommen täglich von Osten und Süden ca. 100-200 Leute (über letztere berichtet momentan einfach niemand, weil es alles Richtung Osten schaut). Aufs Jahr gerechnet gibt das dann auch ein paar Zehntausend.
    Ausserdem habe ich mir die gleiche Frage wie stadtzuercher gestellt.
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  • stadtzuercher 18.09.2015 17:37
    Highlight Weshalb wollen alle nur Flüchtlingen helfen, aber die eigenen Alten am liebsten bequem im Pflegeheim loswerden? Den Alkoholsüchtigen Nachbarn oder den Behinderten im Quartier um die Ecke aber möglichst nicht bemerken? Haftet da dem Helfen bei Flüchtlingen etwas romantisch verklärtes an, das beim normalen Helfen im Alltag nicht da ist?
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    • BeWi 19.09.2015 10:43
      Highlight Absolut richtig! Manchmal ist es besser auch etwas weiter zu denken, sogar Mutti Merkel wird merke(l)n, dass das nicht ganz so einfach ist mit dem "kommt doch alle zu uns...". Schon merkwürdig, vorher hat DE die Griechen kaputt gemacht und jetzt das.. ich schnalls nicht..
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  • Gelöschter Benutzer 18.09.2015 15:22
    Highlight Schön zu sehen, wie Solidarität gelebt wird. Beeindruckend etwa, dass die Aktion der Glückskette, die Menschen mobilisiert hat zu spenden.
    Bei der Aktion von Kafi wurde eine Art Gemeinschaftsgefühl erzeugt, indem die Kolumnistin darum weiss, dass sie gleichsam für viele eine Vorbild- und Identifikatuonsfigur darstellt. Viele erachten Gemeinschaftsgefühl als vormodernes Phänomen, das unter den spezifischen Bedingungen posttraditionaler Gesellschaften an Bedeutung verloren hat. Hier wurde die soziologische Frage nach der Gruppe mit der normativen Frage nach deren Pflichten verkoppelt.
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    • kafi 18.09.2015 17:57
      Highlight Aha.
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  • Gelöschter Benutzer 18.09.2015 13:20
    Highlight Ich bin, wie einige vielleicht schon gemerkt haben, kein besonders grosser Befürworter von dieser Art Engagement, aber wers unbedingt will: https://www.benevol-jobs.ch/job-suchen
    Hier sind Freiwilligenjobs ausgeschrieben. Und vielleicht entdeckt man dabei ja auch noch, dass es bei uns auch schon Leute gibt, denen es Scheisse geht und die Hilfe nötig hätten und die darüber hinaus schon lange hier sind.
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  • Miicha 18.09.2015 11:20
    Highlight Ich sags gern nochmals: Spenden ist auch über Google.ch möglich, Google verdoppelt jede Spende bis 10 Millionen erreicht sind.
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    • kafi 18.09.2015 11:42
      Highlight Grossartig!
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    • BeWi 19.09.2015 10:39
      Highlight ist ja toll.. Google hat aber hunderte MILLIARDEN auf dem Konto.. da fängt es doch schon an.. Heuchlerei.
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    • Miicha 19.09.2015 22:02
      Highlight @BeWi das ist mir in dem Zusammenhang Scheissegal. Hat Apple auch und verdoppelt meine Spende nicht.
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    • BeWi 24.09.2015 12:42
      Highlight Super... aber spendet nur, ich mach es nicht und fühle mich überhaupt nicht schlecht dabei.. und nein, bin auch nicht bei der SVP. Leider sehr polemisch und auch falsch geschrieben dieser Artikel. Ist enttäuschend. Hätte mehr erwartet. Ich drücke lieber einem Surprise Mitarbeiter beim Migros einen 5-Liber in die Hand und spende für behinderte Kinder. Vergleicht einfach mal die Statistiken, was die CH in den letzten Jahren gemacht hat, das sieht DE ziemlich alt aus...
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    • paddyh 20.05.2016 16:24
      Highlight Ich verstehe deinen Abwehrreflex nicht BeWi. Es sagt ja niemand, dass du deswegen ein schlechter Menscht bist. Surprise ist auch unterstützenswert.
      Ich verstehe aber beim besten Willen nicht, was dich so "hässig" macht.
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FRAGFRAUFREITAG

Liebe Frau Freitag. Ich lese Ihren Blog unglaublich gerne – weil Ihre Antworten nicht nur ehrlich sind, sondern auch weise. Nun würde ich gerne etwas von dieser Kombination abbekommen! 

Liebe Ladina  Vielen Dank für Ihre lieben Worte! Nun bin ich noch mehr bemüht, Ihnen möglichst ehrlich und weise zu antworten ... Eine depressive Veranlagung ist unter anderem erblich bedingt und darum auch nicht unbedingt so vorübergehend, wie eine befristete Depression. Dennoch gibt es Wege, damit umzugehen. Ich habe selber mit Anfang 20 an einer Depression gelitten und weiss darum, dass sie das Leben sehr verändert. Und zwar nicht nur während der Erkrankung, sondern auch danach, …

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