Blogs

Allein in der Finsternis – Wir müssen mehr über Depressionen reden

Bild: shutterstock

Wie erkenne ich eine Depression? Wie komme ich wieder raus? Und wie kann ich helfen, wenn's jemandem in meinem Umfeld schlecht geht? Ein paar Antworten.

11.06.17, 17:30 12.06.17, 05:43

Psychische Krankheiten sind in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Es gibt keine Röntgenbilder, die man vorweisen kann, keine Blutwerte, keine einfache Weise, wie man als Laie eindeutig erkennen kann, dass jemand psychisch erkrankt ist.  

Das macht es nicht nur den Betroffenen schwer, offen mit ihrem Leiden umzugehen – es ist auch für Nicht-Betroffene schwierig, Achtsamkeit für psychische Formen von Erkrankungen zu entwickeln. Dazwischen stehen die Angehörigen, oft hin- und hergerissen zwischen Mitleid, Überforderung und Ohnmacht. Gerade Kinder psychisch erkrankter Menschen werden häufig nachhaltig von der Lebensgeschichte ihrer Eltern mitgeprägt, welche oft nicht (mehr) die Energie haben, gegen diese gefährlichen Tendenzen anzugehen.  

Einer von fünf Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. Und das ist noch die optimistischste Schätzung. Einst wurde angenommen, Frauen würden öfter depressiv als Männer – heute gehen viele Fachleute davon aus, dass die Zahlen ziemlich ausgeglichen sind, die sozialen Stigmata bei Männern aber oft zum Verheimlichen/Verschweigen ihres Leidens führen. Die Dunkelziffer ist aber auch bei Frauen hoch.  

Aus diesen Gründen – und weil ich sowohl persönlich als auch beruflich betroffen bin/war – will ich hier wieder einmal etwas Aufklärung betreiben und das Bewusstsein bezüglich Depression fördern.  

Ich habe schon öfter über dieses Thema geschrieben und im Nachklang zu solchen Texten erreichen mich oft persönliche Messages mit Fragen und Kommentaren. Die häufigsten habe ich hier zusammengetragen und werde versuchen, sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Wichtig: Die meisten dieser Aussagen sind subjektiv. Meine Wahrnehmung lässt sich nicht auf alle Depressiven übertragen.  

Wie weiss ich, dass ich eine Depression habe?
Hierzu gibt es unterschiedliche Antworten. Die Diagnosekriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) spricht von einer depressiven Episode (F32), wenn über mindestens zwei Wochen eine gewisse Anzahl folgender Kriterien erfüllt sind:

Leitsymptome:
- depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag und im wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen
- Interessen- oder Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren  
- verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit    

weitere Symptome: 
- Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls  
- unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle  
- wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid; suizidales Verhalten  
- Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit  
- psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)  
- Schlafstörungen jeder Art          
- Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Für eine schwere Episode müssen alle Leitsymptome plus mindestens fünf der anderen (Gesamtzahl mindestens acht), für eine mittelgradige Episode mindestens zwei der Leit- plus mindestens drei der weiteren Symptome (Gesamtzahl sechs oder sieben) und für eine leichte Episode zwei der Leit- und ein oder mehrere der weiteren Symptome erfüllt sein (Gesamtzahl vier oder fünf).  

Das ist die wissenschaftliche Seite.  

Ich persönlich wusste bei meiner ersten Episode nicht, was mit mir los war, da ich die obigen Kriterien nicht kannte und nichts über Depressionen wusste. Das ist mitunter ein Grund, weshalb ich mich heute so für Aufklärung in diesem Bereich einsetze. Ich schlief nicht mehr als drei Stunden pro Nacht, weinte ständig und wollte den Tag hindurch sterben vor Müdigkeit. Dazu kam eine fast unendliche Scham, weil meine Privilegien in keinem Verhältnis zu meiner Lebenssituation, bzw. meiner Lebensqualität standen und ich deshalb konstant in einem tiefen Gefühl der Undankbarkeit lebte. Ich fühlte mich absolut wertlos und ich hatte keinerlei Energie oder Strategie, dieses Gefühl wieder loszuwerden. Am Ende war ich teilweise ausserstande, morgens aufzustehen. Das Ganze lässt sich am ehesten beschreiben als bleierner Würgegriff, dem man kraftlos ausgeliefert ist.  

Wie fandest/findest du aus depressiven Episoden heraus?
Bei meiner ersten Episode (ich hatte bisher drei wirklich ausgeprägte) dauerte das ein ganzes Weilchen, weil ich, wie oben beschrieben, lange gar nicht wusste, was mit mir passiert. Ich begann, mich zurückzuziehen und mich zu verkriechen. Erst nach etwa drei Monaten und als Konsequenz meiner totalen Erschöpfung brach alles aus mir heraus, als ein Familienmitglied mir an den Kopf warf, ich hätte mich verändert und ich sei launisch und abweisend geworden. Ich brach in Tränen aus und sagte: «Das ist, weil ich nicht schlafe.» Danach ging alles relativ zügig. Ich war schon zwei Tage später zum ersten Mal beim Psychiater und bekam ein Antidepressivum, mit dessen Hilfe ich endlich wieder schlafen konnte und das nach knapp einem Monat auch seine antidepressive Wirkung zeigte und es mir endlich besser ging. Währenddessen ging ich zweimal pro Woche in die Therapie und suchte nach möglichen Ursachen meiner Erkrankung.  

Auch bei den beiden weiteren Episoden begab ich mich in psychiatrische Behandlung – einmal mit medikamentöser Unterstützung, einmal ohne. 

Kleiner Exkurs:
Ich finde es enorm wichtig, hier zu betonen, dass Antidepressiva/Psychopharmaka nicht für alle Patienten (beinhaltet auch Patientinnen) das Richtige sind, dass sie aber in vielen Fällen enorm helfen (können). Findet der Patient ohne aus seinem Loch, ist das wunderbar. Gespräche, Sport, alternative Medizin, körperliche Übungen – was hilft, das hilft. In meinem Fall waren Antidepressiva (richtig dosiert) ein Lebensretter. Jeder Patient soll hier das Mittel in Anspruch nehmen, das ihm am besten hilft. Ich lese immer wieder Tipps und Ratschläge von Menschen, die sich als Fachleute betiteln (jedoch keine sind) und selber auch gar nie betroffen waren, die jedoch gewisse Therapiemethoden kategorisch ausschliessen. Oft Psychopharmaka. Ich persönlich halte das für sehr schwierig, wenn nicht gefährlich, weil man Laien damit ein falsches Bild vermittelt. Wenn man selber keine Medikamente nehmen will, ist das völlig in Ordnung. Psychopharmaka müssen immer psychotherapeutisch/gesprächstherapeutisch begleitet und von Fachleuten verschrieben werden. Ich sage nicht, dass es unter ebendiesen keine schwarzen Schafe gibt, aber sowohl als Patientin als auch als Fachfrau habe ich kaum welche davon kennengelernt. Skepsis finde ich grundsätzlich absolut richtig, pauschale Verteufelungen von Mitteln, die durchaus sehr hilfreich sein können (gerade bei Patienten, denen es wirklich sehr schlecht geht), halte ich für problematisch. Alle Methoden sollen Platz haben.

Gab es Momente, in denen du dich umbringen wolltest?
Gedanken daran, dass es besser wäre, wenn ich nicht mehr da wäre, oder auch an die Perspektive, keinen Schmerz mehr zu fühlen/fühlen zu müssen, hatte ich durchaus. Ich habe aber nie einen tatsächlichen Plan zurechtgelegt oder mir konkrete Gedanken dazu gemacht, wie und wo ich mir das Leben nehmen würde.  

Hatten deine depressiven Episoden auch einen positiven Einfluss auf dich?  
Ich denke ja. Einerseits gebe ich heute viel mehr Acht auf mich. Ich lausche immer mal wieder in mich hinein, um sicher zu sein, dass ich nicht wieder abrutsche. Mittlerweile habe ich diese melancholische Seite an mir akzeptiert und versuche, mich selber bei der Hand zu nehmen, wenn ich traurig oder zu selbstkritisch bin. Die Zeiten extremen Selbsthasses und der Wertlosigkeit haben mich gelehrt, in guten Zeiten dankbarer für mein Leben und meine positiven Seiten zu sein. Ausserdem denke ich, dass ich ein Gespür dafür entwickelt habe, auch auf andere zu achten.  

Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, jemand in meinem Umfeld sei depressiv?
Ich glaube, das hängt vom Betroffenen und dem Schweregrad seiner Erkrankung ab. Wenn ich das Gefühl habe, eine Bekannte oder ein Freund könnte depressiv sein, beobachte ich, frage nach, markiere Präsenz. Ich frage öfter, wie’s ihnen geht, ob sie gut schlafen, mache öfter mit ihnen ab, etc. Wenn jemand schon tief in der Krise steckt, kann es sein, dass es vonnöten ist, einzugreifen, also Termine für die Person zu organisieren, ihr im Haushalt zu helfen, sie bei einem Arzt anzumelden, weil sie selber nicht mehr dazu in der Lage ist.  

Ich glaube, der Kern und auch die Quintessenz dieses Textes soll sein, dass wir achtsam(er) miteinander sein sollten. Mit unseren Liebsten, aber auch mit Fremden. Zuhören, hinschauen, nachfragen. Depressionen sind eine Krankheit, deren Grundmerkmal es  ist – entgegen der Meinung mancher Zeitgenossen – dass der Patient sich eben nicht selbst wieder heraus manövrieren kann.

Mal ein liebes Wort, mal ein bisschen weniger grob sein. So kitschig das klingt, aber das kann Leben retten.

Noch Fragen?
Für weitere Infos für Betroffene und Angehörige:
www.143.ch
www.depression.ch

Yonni Meyer

Yonni Meyer (35) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
69Alle Kommentare anzeigen
69
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Pikachu 14.06.2017 16:44
    Highlight So nett wie es jeweils auch gemeint ist, nette Worte, Ablenkung mit lustigen Filmen oder schöne Erlebnisse bewirken bei mir meist das Gegenteil. Aus dem einfachen Grund: ich kann mich nicht daran freuen, weswegen ich mich dann häufig noch mieser fühle.
    8 0 Melden
  • Mitsch 13.06.2017 19:54
    Highlight Unsere Gesellschaft hat wirklich noch viel an Akzeptanz zu lernen. Toller Text, danke dafür!

    Nur darüber sprechen ist leider erst der halbe Weg. Ich bin von Beginn weg sehr offen mit meiner Krankheit umgegangen. Heute stehe ich kurz vor der Scheidung, habe während dem Klinikaufenthalt meinen Job verloren und von den "Freunden" sind auch nur noch wenige da.

    Akzeptieren dass man etwas nicht verstehen muss um jemandem beistehen zu können wäre ein zweiter wichtiger Schritt! Wir müssen auch nicht erst Krebs bekommen um zu akzeptieren dass das für Betroffene schwer, schmerzhaft und bedrohlich ist.
    9 0 Melden
  • El Schnee 13.06.2017 14:18
    Highlight Wie kann man immer noch auf diese äusserst destruktiven Pharma-Produkte hereinfallen, die die (neo)liberalen Exzesse auf Kosten der Schwächsten geradezu 'verkörpern'. Nicht mal Religiöse glauben im Ernst, sie essen den Leib Christi, wenn sie eine Hostie schlucken. Den Depressiven verheisst man Antrieb, das Gegenteil ist der Fall: sie werden erst recht unter Druck gesetzt, ausgebeutet, blockiert. Oder weshalb verlieren die armen Schlucker ihre Libido und werden fetter. Antidepressiva haben sich nur rhetorisch 'weiterentwickelt', wie man auch hier liest: sich können völlig Widersprüchliches.
    2 24 Melden
    • Amanda75 23.06.2017 08:11
      Highlight Du solltest nicht derart pauschalisieren.
      Es gibt Situationen, in denen die Einnahme von Medikamenten sehr wohl vieles besser machen kann.
      Sie sind eine Unterstützung die helfen können Krisen überhaupt zu überleben.
      Es gibt X Medikamente, nicht alle machen fett und frigide.
      Es sollte auch differenziert werden, ob es sich um Antidepressiva handelt, Neuroleptika oder Benzos.
      Mit deiner Aussage trägst du dazu bei das psychisch Kranke Menschen einmal mehr stigmatisiert werden. 😉
      1 0 Melden
  • Phil.A 12.06.2017 19:16
    Highlight Darf auch mal erwähnt werden, dass Psychologen/Psychiater schlechte Öffnungszeiten (Bürozeiten) haben!
    Ich denke gerade bei Männern wäre die Dunkelziffer kleiner wenn es bessere Öffnungszeiten gäbe.
    Ich kann/möchte von meiner Arbeit nicht weg.
    Kennt jemand einen besseren, Region Luzern/Schwyz?
    15 2 Melden
  • NicoleTa 12.06.2017 16:07
    Highlight Vielen Dank Yonni, dein Artikel konnte ich meinem Mann zeigen, und er ist nun bereit etwas zu tun... ich kann ihm leider nicht mehr weiterhelfen, seine "Launen" nicht länger immer Auf und abfangen. Ich bin froh hat er sich die Zeit genommen und diesen Artikel gelesen hat, denn leider werden die guten Episoden immer kürzer während die schwarzen Episoden immer länger werden.
    Ich hoffe er kann herausfinden aus dem dunklen....
    28 2 Melden
  • Saul_Goodman 12.06.2017 12:28
    Highlight Ich kann da nur bedingt zustimmen. Ich suche meistens ruhe wenn ich eine depression-ähnliche stimmung verfalle.
    Wirklich helfen kann mir in der zeit eh kaum jemand, da ich ja selbst keinen wirklich rationalen grund für das extreme stimmungstief sehe. Es ist eher so dass ich da kollegen ordentlich vergraule die nicht wirklich wissen was los ist.
    Am besten musik die 'motiviert' das kann kurz bis mittelfristig viel bewirken
    15 0 Melden
  • panzerbeere 12.06.2017 12:06
    Highlight Und wie ich das kenne. Bei meiner ersten Episode war es genauso. Diese war nicht so heftig. Später habe ich einen Radiobericht über Depression gehört und mich sofort wiedererkannt.
    Nach über zehn Jahren episodenfrei, dachte ich alles gut. Im November hat es mich wieder erwischt. Ich habe es akzeptiert und heute geht es mir wieder gut.
    Trotzdem muss ich sagen, dass sich nicht viel geändert hat. Ich fühlte mich als psychisch kranke Person als Patient zweiter Klasse. Wenig Unterstützung. Hoffe, dass kann sich noch ändern.
    Schwierig wenn man Hilfe sucht und niemand zuständig ist...
    20 0 Melden
  • Vio Valla 12.06.2017 09:06
    Highlight Danke für den tollen Artikel. Antidepresdivas können klar unterstüzende Wirkung haben. Wenn Betroffene in ihren Gedankenkarusel über längere Zeit gefangen sind, können diese helfen, aus diesem auszubrechen um mal wieder durch zu atmen. Aber es gibt auch die fragwürdige Seite. Ich hatte vor kurzen wegen der Trennung von meinem Partner Probleme mit Schlafen und konnte kaum mehr was essen. Als ich zum Hausarzt ging (wegen etwas anderem) und ihn nebenbei fragte, ob er mir etwas appetitsteigerndes geben könnte, hat der mir doch tatsächlich Antidepressivas geben wollen! Das dürfte so nicht sein.
    4 5 Melden
    • Yonni Meyer 12.06.2017 09:46
      Highlight Ich verstehe deine Skepsis, doch das kann durchaus Sinn machen. Es gibt Antidepressiva, die sogenannte «erwünschte Nebenwirkungen» haben. Unter anderem machen sie müde (ohne abhängig zu machen wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel - Benzodiazepine) oder sie steigern den Appetit. Wenn man sie niedrig dosiert, kann das durchaus Sinn machen.
      12 1 Melden
    • Vio Valla 12.06.2017 10:47
      Highlight Ja schon, so hat mir der Arzt das auch erklärt als ich skeptisch reagiert habe. Es ist einfach so, ich wollte diese heftigen Gefühle nicht verwässern. Sie waren ja eine relative normale Reaktion. Ich wollte auch nicht künstlich schläfrig werden sondern vertraute meiner psychischen Abwehrkräfte (wenn man dem so sagen darf). Einzig der verminderte Appetit war ein Problem, weil ich keine Reserven habe und schnell ins Untergewicht falle. Der Gedanke gegen Liebeskummer Antidepressivas zu nehmen, widerstrebt mir sehr. Auch wenn das Mittel positive Nebeneffekte gehabt hätte...
      2 1 Melden
    • Vio Valla 12.06.2017 10:49
      Highlight ... und auch niedrig dosiert war, es bleibt ein Eingriff in den Botenstoffhaushalt und dem möchte ich mich als sonst psychisch gesunder Mensch nicht unnötig aussetzen.
      3 1 Melden
  • smooth 12.06.2017 06:32
    Highlight Hallo Yonni

    Vielen Dank für den Artikel. War schwer für mich diesen Artikel zu lesen. Die Gedanken an diese Zeit kommen hoch und ich kriege einen "Kloss" ich Hals. Ich bin unglaublich dankbar, es zweimal überstanden zu haben.
    Besteht bei dir auch die Angst dass es wieder passiert?
    17 1 Melden
    • Yonni Meyer 12.06.2017 07:56
      Highlight Ja, diese Angst ist auf jeden Fall da. Da ich aber schon länger episodenfrei bin, ist sie nicht mehr so allgegenwärtig und erdrückend wie auch schon. Ich würds vielleicht nicht mehr als Angst bezeichnen: Wie beschrieben habe ich das Gefühl, dass ich grundsätzlich sensibler bin für Alarmzeichen meiner «Seele» (oder wie man es nennen will).
      14 2 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.06.2017 00:27
    Highlight Ein gutes Indiz für eine Depression kann auch ein Druck auf der Brust sein, der so stark sein kann, dass man das Gefühl hat, demnächst zu ersticken. Ich ging vor vielen Jahren deshalb zum Pneumologen, weil ich zeitweise kaum noch Luft bekam. Die Tests zeigten keine Auffälligkeiten, keine Allergien. Dieser folgerte, dass die Ursache psychischer Natur sei.
    Wem also dieses Zuschnüren, "eine Tonne Gewicht liegt auf der Brust" oder einfach einen starken Druck auf der Brust verspürt, könnte daran auch eine Depression erkennen.
    Es kommt bei mir immer wieder und es ist zusätzlich ziemlich stressig.
    27 0 Melden
  • pamayer 11.06.2017 23:02
    Highlight Liebe Yonni
    Besten Dank für deinen ehrlichen​ und offenen Beitrag zur Depression.
    Beeindruckend!
    Persönlich kenne ich 'nur' depressive Verstimmungen, von Seiten meiner Frau aktuell eine schwere Depression, welche einen normalen Umgang miteinander zeitweise total verunmöglicht.
    Dann ist es, wie The Original Frau eindrücklich sagt, "Nur mich verletzt ein Liebes Wort während einer Depressiven Episode enorm, wie ein Messer oder eine Heisse Herdplatte ☹."
    Hoffe sehr sehr, dass eine professionelle Begleitung Hilfe bringt. Egal, welche Methode. Einfach, dass es nützt.
    22 2 Melden
  • Aliyah 11.06.2017 22:48
    Highlight Tschuldigung, aber lieber nehme ich ein Antidepressiva (SSRI) als mir die Birne mit anderen Medis abzuknallen. Bei meiner Krankheit habe ich jeden Tag Schmerzen und infolge dessen auch ab und zu mal einen depressiven "Schub".... Ich finde die Aufklärung enorm wichtig auch unter Jugendlichen. Wie oft habe ich schon Dinge gehört wie: " Dann soll sie sich doch umbringen!" HALLOOOO!?!

    Für einander da sein hilft mir vor allem wenn ich es nicht mal schaffe allein in den Zug zu steigen für die Therapie usw... Das mache ich auch gerne für andere aber bitte auch immer auf eigene Ressourcen achten....
    20 1 Melden
  • barbablabla 11.06.2017 22:47
    Highlight Super text. Danke💪
    20 1 Melden
  • tipsi 11.06.2017 22:04
    Highlight Danke Yonni für deine Aufklärungsarbeit. Vermutlich kennt jeder jemanden mit einer Depression, man weiss es häufig nur nicht...
    Für mich war das Antidepressivum wichtig um anfangs aus meiner Antriebslosigkeit raus zu kommen, ohne Medikamente hätte ich nicht die Energie für die Psychotherapie gehabt. Antidepressiva machen nicht automatisch glücklich und sind auch nur ein Teil der Lösung. Was es braucht ist eine Therapie, Geduld und Mitgefühl für sich selbst.
    30 2 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 22:17
      Highlight Liebe/r tipsi

      Genau so meine ich das! Psychopharmaka sind eine Art Krücke, die einem auf die Beine helfen, damit man überhaupt wieder in der Lage ist, die Ursachen anzugehen.

      Ich hoffe, es geht Ihnen heute gut.
      29 1 Melden
    • 's all good, man! 12.06.2017 11:53
      Highlight So habe ich das auch erlebt. Die Antidepressiva waren meine Krücke, um erstens endlich wieder schlafen zu können und zweitens die wirklich extreme Antriebslosigkeit loszuwerden. Die Begleitung in Therapieform ist aber genauso wichtig. Die Medis konnte ich dann glücklicherweise relativ schnell wieder absetzen.
      4 1 Melden
    • Ana Figueira 12.06.2017 14:54
      Highlight Antidepressiva sind keine "Happy Pills" - sie machen nicht glücklich sondern stellen im Hirn die Balance wieder her... Depression ist nicht einfach "sehr traurig" sein sondern ein Zustand der -losigkeit- kraftlos, mutlos, gefühlslos... ein gebrochenes Bein heilt im Gips, ein Diabetiker braucht Insulin und ich ein Antidepressivum. Jemand mir Nahestehendes hat sich gerade das Leben genommen in einer Depression - ich will leben!
      12 1 Melden
    • El Schnee 12.06.2017 17:01
      Highlight Ana das mit dem chemischen Ungleichgewicht im Hirn ist Quatsch. Man kann es auch nicht mit dem Insulinproblem vergleichen. Denn psych. Erkrankungen werden nicht chem. nachgewiesen. Deshalb kann auch alles mögliche behauptet und versprochen werden. Ganz allein im Dunkeln ... ja reden wir doch darüber: viele psych. Behandlungen sind wie Fritz-Keller: Fritzl ist die Diagnose, der Keller sind die üblichen Medis. Ich habe noch nie ein Psychiater gehört, der als Behandlung 2-3 ausgiebige Waldspaziergänge pro Woche empfahl, das wirkt eindeutig besser als es ein Antidepressiva. Billiger ist es auch.
      2 17 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.06.2017 23:34
      Highlight Das mag nun etwas krass anmuten, aber ich gehe mit El Schnee insofern einig, als dass ich in den Antidepressiva (eigentlich Psychopharmaka) eine Art medikamentöser Lobotomie erkenne.

      Der Punkt ist der, dass sich tatsächlich nicht messen lässt, ob nun ein Serotoninmangel vorherrscht oder nicht. Ich kann auch nur aus Erfahrungen aus meinem einstigen Bekanntenkreis sprechen, wo ich kaum langfristige Erfolge erlebt habe und z.T. im Nachhinein eine Verschlechterung eintrat. Das ist ein Grund, weshalb ich mich konsequent gegen Psychopharmaka sträube.

      Aber der Waldspaziergang... Naja, ausprobieren.
      2 5 Melden
    • Schlumpfinchen 16.06.2017 00:43
      Highlight Könntet ihr mir jetzt noch erklären wie ihr das mit dem Waldspaziergang machen wollt, wenn ihr während einer Episode nicht einmal aus dem Bett rauskommt?
      6 0 Melden
  • Big ol'joe 11.06.2017 21:58
    Highlight Ich für meinen Teil:
    Solange ich noch weinen konnte, war es noch eine melancholische Verstimmung. Aber die Depression war so viel tiefer, das die Welt nur grau und langweilig war. Wichtig ist die langeweile die ich verspürte... Sie löste in mir überhaupt keine Gefühlsregung mehr aus. Ich war weder traurig noch glücklich, was der erschreckendste Moment war, wobei auch das Erschrockene an sich nicht eine Gefühlsregung war. Das empfand ich als Tiefpunkt. Meine Rezepte rezeptfrei waren: Sport unter Zwang, Bücher lesen auch wenn man nichts drinnen lisst zur Beschäftigung und wandern in den Bergen
    23 0 Melden
  • _kokolorix 11.06.2017 20:41
    Highlight Depressionen haben viel Ähnlichkeit mit Suchterkrankungen. Ohne äussere Hilfe kommen nur die Wenigsten da raus. Die Anwendung von Psychopharmaka sollte nur mit langfristiger Begleitung erfolgen. Es muss klar sein, dass diese Medikamente nur die akuten Symptome lindern aber keine langfristige Lösung darstellen. Fast alle Amokläufer haben eine solche Behandlung hinter sich, also Vorsicht.
    Wir setzten uns als Gesellschaft leider viel zu sehr unter Druck immer glücklich sein zu müssen. Für Selbstzweifel und Unsicherheit ist da kein Platz, sie gelten zu unrecht als Schwäche
    9 30 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 21:09
      Highlight Was die Akutbehandlung angeht, bin ich Ihrer Meinung.

      Haben Sie zu der Aussage mit den Amokläufen aussagekräftige Studien, die Ursache und Wirkung eindeutig belegen? Ich finde das eine äusserst gewagte Aussage.

      Könnte man auch vermuten, dass Menschen, die Amok laufen, grundsätzlich öfter psychisch krank sind (was man ja intuitiv so vermuten würde) und deshalb bereits einmal in Behandlung waren, das Amoklaufen aber mit den in der Therapie verabreichten Psychopharmaka wenig/nichts zu tun hat?
      42 3 Melden
    • El Schnee 11.06.2017 21:54
      Highlight Frau Meyer, nicht nur in den Packungsbeilagen, resp. Fachbeschreibungen von Psychopharmaka steht es geschrieben sondern auch bei Swissmedic liegen Meldungen von UAW's vor, die Suizide als Folge einer Wirkung davon festhalten. Amok ist eine Form von Aggression, die sich gegen sich oder andere richten kann.
      5 32 Melden
    • _kokolorix 11.06.2017 22:27
      Highlight Selbstverständlich habe ich keine Studie zur Hand. Ich entsinne mich vor Jahren einen Artikel in der WOZ gelesen zu haben der den erwähnten Zusammenhang nahelegt. Bei den stark wachsenden Umsätzen der Industrie mit den entsprechenden Medikamenten bezweifle ich, dass hier aussagekräftige Studien erstellt werden. Die in Packungsbeilagen erwähnten Nebenwirkungen deuten aber schon auf eine aggressionsfördernde Wirkung hin. Ich möchte das auch nicht als grundsätzlichen Vorwurf verstanden haben, sondern nur zu einer längerfristigen Begleitung der Patienten anregen
      4 14 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 22:38
      Highlight Was die Betreuung der Patienten angeht, bin ich absolut einverstanden. Nachsorge ist enorm wichtig, ob der Patient nun Medikamente bekommen hat oder nicht. Die Postulierung des von Ihnen genannten Zusammenhangs finde ich mangels Nachweisen nach wie vor bedenklich. Aber vielen Dank trotzdem für den Input.
      18 1 Melden
    • Ana Figueira 12.06.2017 14:58
      Highlight Aggressiv zu sein braucht Energie - die hat ein Depressiver oft nicht. Wenn die Medis wirken hat man mehr Energie aber immer noch schlechte Gefühle - erhöhte Suizidgefahr!
      4 1 Melden
    • Yonni Meyer 12.06.2017 16:26
      Highlight Absolut richtig, Ana. Die ersten drei Wochen sind meist kritisch, weil die Medis zwar antreibend, aber noch nicht antidepressiv wirken. Da hat der Patient dann die Energie, sich selber zu schaden. Beispiele von Fremdaggression kenne ich persönlich keine. Wäre aber spannend, fundierte Studien dazu zu lesen, falls wer welche hat.
      3 1 Melden
  • So.Wü 11.06.2017 20:21
    Highlight danke ❤️
    20 0 Melden
  • The Origin Gra 11.06.2017 19:48
    Highlight Gutes Text Yonni.

    Nur mich verletzt ein Liebes Wort während einer Depressiven Episode enorm, wie ein Messer oder eine Heisse Herdplatte ☹

    Wenn man, so wie ich, seinen Haushalt nur noch begrenzt führen kann, ist Hilfe in Verzug.

    Einen Weg raus? Bei mir hilft nur Schlaf, früher reichte es wenn ich ein- zwei Pässe abgefahren bin, heute reicht das nicht mehr.
    Davonlaufen ist nicht mehr Möglich ☹
    19 0 Melden
    • pamayer 11.06.2017 23:04
      Highlight Danke für deinen ehrlichen Kommentar.
      Geht mir so unter die Haut, dass ich Teile davon in einem Kommentar von mir zitierte.

      Wünsche dir alles erdenkliche für eine nachhaltige Heilung!
      16 1 Melden
  • El Schnee 11.06.2017 18:31
    Highlight Pharmawerbung redaktionel. Etwa ähnlich getrimmte Texte kann man in sogenannten 'echten' Selbsthilfegruppen im Internet massenhaft finden, manche werden eindeutig von Pharmafirmen gesponsert, manche von bezahlten Ghostwritern 'authentisch' bedient. Das Strickmuster: die Schreiberin hat solche 'Krankheiten' selber erlebt, man stellt sich auf eine gleiche, verbindliche Ebene, gleichzeitig betont man die Toleranz gegenüber Behandlungsformen, und setzt aber dann eindeutige Empfehlungen. Dass Yonnihof 'zugibt', dass sie fachlich verstrickt ist, macht Werbung für untaugliche Medis nur raffinierter.
    14 180 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 19:19
      Highlight Hier muss ich mich einschalten. Ich empfehle überhaupt nichts und mache keine Werbung. Ich propagiere Offenheit für alle Behandlungsmethoden und erzähle, was mir persönlich geholfen hat. Der Text ist absolut unabhängig und authentisch verfasst.

      Dieser Kommentar ist arg verunglimpfend.
      165 5 Melden
    • gelesen 11.06.2017 19:29
      Highlight Yonni Meyer

      Das merkt man sehr gut, besonders wenn man Sie etwas verfolgt/liest.
      42 1 Melden
    • pachnota 11.06.2017 19:34
      Highlight @Yonni Meyer
      Da muss ich trotzdem nachfragen:
      bist du in irgendeiner weise gesponsert oder verbandelt mit Pharmafirmen?
      Im Text jedenfalls kann ich das nirgendwo entnehmen.
      5 65 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 19:49
      Highlight Ich bin, war und werde nie von einer Pharmafirma gesponsert sein. Dass ich das hier betonen muss, macht mich etwas nachdenklich.
      104 3 Melden
    • pachnota 11.06.2017 20:01
      Highlight Yonni Meyer
      Nein, das mus dich nicht nachdenklich machen, (es könnte ja durchaus sein).
      Wenn dir einer hier (unfreundlicher
      weise) dies unterstellt, hilft es, wenn du dich klar distanzierst.

      Wie du es ja jetzt eben getan hast.
      13 11 Melden
    • pachnota 11.06.2017 20:08
      Highlight Gut, @El Schnee,...in dem Fall, muss ich annehmen, das dein Komentar nicht fundiert ist, und eigentlich eine reine Bosheit darstellt.
      28 6 Melden
    • 's all good, man! 12.06.2017 11:37
      Highlight »El Schnee« nimmt wohl jede Gelegenheit wahr, gegen Psychopharmaka zu wettern. Ist, so meine ich mich zu erinnern, nicht das erste Mal hier.

      Die Unterstellungen sind doch lächerlich.

      Yonni hat es doch noch extra vorsichtig formuliert und ganz bewusst erwähnt, dass die Medikamente helfen können, es aber nicht bei jedem Betroffenen die richtige Therapieform sein muss.
      9 1 Melden
  • banda69 11.06.2017 18:29
    Highlight Habe mein Lebrn lang unter Depressionen gelitten. Trotz positiver Gedanken, guten Taten und Meditation.

    Der Hund lag woanders begraben: Laktoseintolleranz. Seit ich die Ernährung umgestellt habe bin ich beschwerdenfrei.

    Vielleicht hilft der Input ja jemandem.
    42 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.06.2017 18:25
    Highlight Zur Entstigmatisierung von negativen Lebensperioden gehört auch das Bewusstsein, dass der Mensch sich solche Perioden "erlauben" darf und nicht immer "funktionieren" muss.
    Stimmt das Yonni?
    45 2 Melden
    • Yonni Meyer 11.06.2017 20:47
      Highlight Ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen melancholischen Perioden bei Nicht-Depressiven und tatsächlichen depressiven Episoden. Mit einer gewissen Melancholie zu leben und diese zuzulassen, finde ich etwas Schönes und Wichtiges. Bei einer tatsächlichen Depression kann man's meiner Meinung nach nicht immer einfach «laufen lassen». Man kann das versuchen und wenns klappt, ists schön. Man muss da meines Erachtens aber extrem vorsichtig sein, grade bei suizidalen Patienten.
      32 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.06.2017 18:22
    Highlight Psychische Leiden werden oft tabuisiert, oder, im anderen Extrem, verklärt dargestellt. Es ist so wichtig, dass man sie stattdessen sachlich und besonnen thematisiert. Zum Glück haben wir die Yonni!
    40 2 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.06.2017 18:13
    Highlight Wer keine Depressionen hat, hat keine Ahnung. Und alle gut gemeinten Ratschläge könnt ihr für euch behalten, denn sie sind nichts anderes als gut gemeinte Ratschläge - aber völlig unbrauchbar.

    Was hilft mir? Mich zu zwingen, auf's Bike zu sitzen und weg von der oberflächlichen Gesellschaft, möglichst in die Natur. Es heilt nicht, aber mildert bis zum nächsten Tag das Leiden.

    Meine Erfahrung zeigt, dass das Verständnis anderer gleich Null ist. Es ist schwierig, mit Depressiven umzugehen. Darum gibt es irgendwann auch keine Freunde mehr, weil sie überfordert sind. So, ich habe mich geoutet.
    84 7 Melden
    • pachnota 11.06.2017 19:26
      Highlight Sehr guter Comment!
      Vielen Dank!
      20 2 Melden
    • gelesen 11.06.2017 19:33
      Highlight Kann Sie gut verstehen Silent Speaker.
      18 1 Melden
    • owlee 11.06.2017 20:34
      Highlight Ist es denn überhaupt möglich, einer Person mit Depressionen zu helfen, wenn man selber keine Erfahrungen damit hat und keine Fachperson ist?
      Ich halte mich eigentlich für empathisch und verständnisvoll, bin aber im Umgang mit einer betroffenen Person in meinem Umfeld ehrlich gesagt total überfordert. Ich will da sein, möchte aber auch nicht, dass sich die Person von mir unter Druck gesetzt fühlt oder mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat. Ich will sie ja nicht noch weiter runterziehen. Oder denke ich da schon zu viel?
      Hat jemand einen Tipp für mich?
      26 0 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 11.06.2017 22:35
      Highlight @owlee: Es ist wirklich schwierig, einen Ratschlag zu geben, sind wir alle auch noch individuelle Persönlichkeiten. Aber einfach nur schon anwesend zu sein, ohne auch etwas sagen zu müssen, ist oft schon mehr wert als jedes Wort. Für mich gibt es eigentlich niemanden mehr, der mir gut tut. Die letzte mir wichtige Person hat mich vor gut einem Jahr abgesetzt.



      Für mich ist das Balsam für die Psyche. Das ganze Album Killing Ghosts übrigens. Aber wenn du diese Musik nicht dauerhaft aushältst, wirst du depressive Menschen wohl nicht dauerhaft ertragen können.
      6 1 Melden
    • Phoria 11.06.2017 23:08
      Highlight Die Erfahrung einer Depression ist sicher individuell unterschiedlich. Ich denke schon, dass es meiner depressiven Freundin gut tut, wenn sie sich bei mir ausheulen und mir ihre Gefühle beschreiben kann. Auch wenn ich's vielleicht nicht nachempfinden kann, kann ich zuhören, rationalisieren und ja, gutgemeinte Ratschläge geben. Natürlich bringt sie das nicht aus einer depressiven Phase raus, aber es hilft doch irgendwie trotzdem. Ausserdem möchte ich drauf hinweisen, dass es als Angehöriger sehr schwierig sein kann...
      12 1 Melden
    • Phoria 11.06.2017 23:12
      Highlight ...Wenn ich selbst zufrieden und ausgeglichen bin komme ich ganz gut damit klar und nehme passiv agressives Verhalten auch nicht allzu persönlich. Wenn ich aber selbst gestresst oder traurig bin ziehe ich mich zurück und vor allem merke ich dann teils, dass ich genervt werde und solche Dinge denke wie: "Reiss dich mal zusammen!", was natürlich ziemlich unfair ist. Ich denke einfach versuchen da zu sein, ein guter Freund zu sein aber auch sich selbst zu schützen ist wichtig.
      11 1 Melden
    • Ana Figueira 12.06.2017 15:11
      Highlight Helfen im Sinn von "Flicken" kann niemand - aber da sein, einladen, aushalten... Mir persönlich hat Chico am meisten geholfen - ein Labrador, seidenfeine Ohren, Augen die leuchten wenn sie mich sehen, liegt neben mir, ist da, will nix, kritisiert nix... Balsam!
      10 0 Melden
    • Schlumpfinchen 16.06.2017 01:00
      Highlight Ich mache es ähnlich wie Phoria. Am Anfang kann man nicht viel mehr tun als zuhören. Wenn man dann viel gehört hat, kann man vorsichtig versuchen, zu helfen. Nicht die Person aus den Depressionen holen, sondern bei eher alltäglichen Problemen.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.06.2017 17:57
    Highlight Hierzu fällt mir folgendes ein:
    Ein alter, sehr lieber Bauer setzte sich vor einen Strohballen in der Scheune und jagte sich eine Ladung Schrott ins Gehirn. Ein begnadeter Musiker (erster Violinist) legte sich auf das Bahngleis und wurde zerfetzt. Hanspeter (18) nahm sein Sturmgewehr nach hause und knallte sein Hirn an die Decke. Mein Tipp: Macht es wie Buddha, vergesst nie zu lächeln. Das setzt Serotonin frei und bringt zartes Glück für den Moment. Das Anheben der Mundwinkel ist der Auslöser. Bleibt und ertragt. Meist seit ihr die Besten.
    7 97 Melden
    • Phrosch 11.06.2017 18:14
      Highlight Kleindenker, das ist echt klein gedacht. Wer soweit ist, sich das Leben zu nehmen, dem hilft es gar nicht, den Rat zu bekommen, die Mundwinkel hochzuziehen. Wenn man am Ende ist (und schon lange vorher), klingt das nur wie Hohn. Behalte doch bitte solche Ratschläge für dich. Wer weiss, die von dir Genannten wurden vielleicht gerade durch das Unverständnis, das aus solchen Worten klingt, zum Letzten getrieben.
      86 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.06.2017 18:31
      Highlight Phrosch
      Das seh ich anders.

      Wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Ein blosses Lächeln kann die Welt bedeuten.
      5 73 Melden
    • oliversum 11.06.2017 19:31
      Highlight Da hast Du bei "Schuh des Manitu" aber toll aufgepasst.
      Nur nicht angemessen bei diesem Thema.
      29 3 Melden
    • Yelina 11.06.2017 19:54
      Highlight Kleindenker, als Betroffene sag ich nur, du hast keine Ahnung. Lieber mal die Fre... halten, solche Kalendersprüche bringen gar nichts!
      51 3 Melden
    • Silent Speaker サイレントスピーカー 12.06.2017 00:15
      Highlight @Gelöschter Benutzer:

      Das geht vielleicht im Falle von van Gogh's Original.

      Aber eben nicht mehr in der zur Depression veränderten Variante.
      10 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.06.2017 09:13
      Highlight @gelöschter benutzer

      hatten sie schon mal direkten, länger andauernden kontakt mit einem depressiven menschen?

      wenn nicht, dann lassen sie solche oberflächliche, "hohl klingende" aussagen.

      eine depression ist nicht wie ein "schnupfen" oder ähnliches.

      die depression kann man vergleichen mit einer unkraut kletterpflanze, die am anfang langsam wächst um nicht aufzufallen und später den wirt aussaugt.
      9 0 Melden
  • pachnota 11.06.2017 17:55
    Highlight "Mal ein liebes Wort, mal ein bisschen weniger grob sein. So kitschig das klingt, aber das kann Leben retten."

    Sehr guter Text insegesammt.
    Deckt sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen.
    Danke.
    59 0 Melden
  • Calvin Watsn 11.06.2017 17:54
    Highlight Danke Yonnie Meyer. Gehe eins mit Ihnen, bis auf den letzten Satz. Es ist gar nicht kitschig, mal ein liebes, nettes Wort zu äussern, und feinfühliger zu sein. Im Bezug auf unsere oberflächliche Gesellschaft, haben sie allerdings wohl doch recht. 🍀👍🏻
    56 1 Melden
    • The Origin Gra 11.06.2017 19:43
      Highlight Selbst Liebe Worte können brennen wie Feuer wenn man in einer Depression ist ☹
      8 3 Melden
    • Calvin Watsn 11.06.2017 20:32
      Highlight @The Origin Gra: Wenn Wort beginnen zu schmerzen, so darf man das mitteilen. Man darf sich dann auch selbst aus dem Spiel nehmen, und das bestmögliche für sein Wohlbefinden suchen und umsetzen. Ist bei jedem Menschen halt ein bisschen komplexer und anders.
      9 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.06.2017 09:02
      Highlight @calvin
      ja, sicher, jeder mensch, ob gesund oder krank soll/muss sich äussern und bemerkbar machen (können), damit sein eigenes wohlbefinden für ihn stimmig ist.

      wenn man aber in einer stärkeren phase der depression steckt, ist das nicht mehr möglich.

      ein teil der depression ist ja eben, dass man sich, wie sie sagen, "aus dem spiel nimmt".
      2 0 Melden

Diagnose: «Allein»

Lepra war gestern.

Kürzlich hatte ich einen Auftritt in Luzern und da ich eine stressige Zeit hinter mir hatte, lud ich mich selber für eine Nacht ins Spa-Hotel in den Bergen ein. Ein Geschenk von mir für mich.  

Schon im Bähnli wollte sich ein Ehepaar ins gleiche Abteil setzen und die Frau fragte: «Wo sitzt Ihri Begleitig?», um festzustellen, welche Plätze sie und ihr Ehemann einnehmen könnten. «Ich bin elei, sitzed Sie nu ab», antwortete ich. Da kam er das erste Mal, der etwas mitleidige Blick, …

Artikel lesen