Briefe von der Heimatfront

Angela Merkel: Kritiker halten ihr vor, pfui-bäh zu sein. Bild: DPA

Rent a Spy!

02.05.15, 14:26

Es läuft nicht gut für den Sicherheitsstandort Deutschland. Die Gewehre der Bundeswehr treffen nicht, wen sie sollen; die Blockupy-Demonstranten in Frankfurt können zur Bank gehen, ohne dafür belangt zu werden; und schliesslich zeigt sich der Auslandsgeheimdienst BND so unausgelastet, dass er sogar für den NSA nachspioniert. 

Nun fragt sich die ganze Welt, welche Geheimnisse es sein könnten, die der Bundesnachrichtendienst den Amerikanern liefern konnte – verfügen die doch über die weit bessere Ausrüstung, drucken zweimal täglich das gesamte Internet aus, um die so entstehenden Papierberge dann in Fort Knox zu lagern.

«All diese Geheimnisse, so steht mittlerweile fest, sind nun in der Hand der Amerikaner. Was werden sie damit tun? Den Putin knusperdünn aufbacken?»

Klar ist, dass es auch um deutsche Industriegeheimnisse ging. Wie kriegt Dr. Oetker die Knusperpizza nur so herrlich knusperdünn? Wie schafft es Elisabeth Schaeffler, all die Wälzlager ihrer Firma von Hand zu rollen? Und wie kommt man aus einem gottverdammten Telekomvertrag wieder raus? 

All diese Geheimnisse, so steht mittlerweile fest, sind nun in der Hand der Amerikaner. Was werden sie damit tun? Sie an die Chinesen verkaufen? Sie den Deutschen wieder zurückverkaufen? Den Putin knusperdünn aufbacken?

Dr. Oetker gegen Pizza Hut

Noch vor einer Weile erklärte Merkel, dass sich das Spionieren unter Freunden nicht gehöre, gewissermassen pfui-bäh sei. Kritiker halten ihr nun vor, selbst pfui-bäh zu sein. Sie verstehen nicht die tiefere Bedeutung von Merkels Satz. Das Ausspionieren von Freunden ist auch weiterhin verboten, das gemeinsame Herumspionieren unter Freunden hingegen stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die transatlantischen Werte. 

Wichtig ist, dass dabei Geheimnisse von annähernd gleichem Wert ausgetauscht werden. Die Amerikaner sollten also jetzt ein Zeichen der Freundschaft setzen – und endlich das Geheimnis der Pizza Hut Cheesy Crust herausrücken. Damit endlich geklärt ist, wer den Käse in den Rand drückt.

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er haut aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor aufs Dach. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic.

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Neue Breitseite der Klischeekanone

Die Schweiz aus deutscher Sicht – böse, böse, böse (Nazis)

Platz da, Hoppla, jetzt kommt er: Unser wohl teutonischster Kolumnist bestückt unser neues Genre Klischeekanone. Schluss jetzt mit der Schweizer Nabelschau, Leo Fischer hat die Feder gespitzt und bohrt sie nun von der Heimatfront aus tief ins kantonale Herz. Die einen sterben daran, andere werden vortrefflich gekitzelt.

Die Nutzer der App können unter diesem Link hineinzoomen.

(Via Alphadesigner)

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