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Aber Allo! Edward Snowden warnt vor neuer Google-App

Die Antwort des Suchmaschinen-Giganten auf WhatsApp und Co. steht unter keinem guten Stern. Jetzt rät auch noch der NSA-Whistleblower von der Allo-App ab – und das aus gutem Grund.

Publiziert: 22.09.16, 09:55 Aktualisiert: 22.09.16, 10:23

Google hat in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht. Doch nun zeichnet sich in einem Bereich, der für viele Leute absolut zentral ist, eine schmerzhafte Pleite ab ...

Konkret geht es um Smartphone-Messenger und den Kampf der Tech-Giganten um die Gunst der Nutzerinnen und Nutzer. Google steigt diese Woche mit seiner Allo-App ins Rennen und fordert die Platzhirsche, allen voran Facebook, heraus.

Von watson gab es am Mittwoch Vorschusslorbeeren, wir berichteten von «der intelligentesten Chat-App ever», die in der Nacht auf Donnerstag hierzulande verfügbar sein werde. Und zwar für Android-Smartphones und fürs iPhone (iOS).

Dumm nur, dass die Allo-App am Donnerstagmorgen noch nicht im App Store von Apple zu finden ist. Wer danach sucht, stösst auf die App eines libanesischen Taxi-Dienstes.

Fund im Schweizer App Store. screenshot: watson

«Bald verfügbar»

Auch die Schweizer Android-User müssen sich gedulden. screenshot: google play store

Nun gut, das ist zwar unschön, aber noch lange kein Fehlstart, mag der geneigte Google-User einwenden. Hier kommt der berühmteste Whistleblower der Welt ins Spiel. Der im russischen Exil lebende Edward Snowden meldete sich gestern via Twitter zum US-Start der Allo-App – mit vernichtendem Urteil:

«Gratis zum Herunterladen heute: Google Mail, Google Maps und Google Überwachung. Das ist Allo. Verwendet Allo nicht.»

Google hat sich Snowdens Kritik selber zuzuschreiben. Bei der Ankündigung der Allo-App hatte es noch geheissen, sämtliche User-Chats würden nur vorübergehend gespeichert, und in verschlüsselte Form, so dass niemand (auch nicht die NSA oder das ebenfalls sehr neugierige FBI) darauf Zugriff haben.  

Nachrichten auf Firmen-Servern

Doch nun hat Google den wirksamen Schutz der Privatsphäre anderen Interessen geopfert, wie etwa The Verge berichtete. Zwar gibt es den Incognito-Modus, in dem die Nachrichten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen werden. Doch ist diese sinnvolle Datenschutz-Einstellung nicht von Anfang an aktiviert. Ausserdem müssen die Allo-User auf den Google-Servern gespeicherte Nachrichten aktiv löschen.

Google selber hat den Verzicht auf umfassende Verschlüsselung damit verteidigt, dass die Allo-App so besser funktioniere. Es geht um die smarte User-Unterstützung, die der Messenger mithilfe künstlicher Intelligenz automatisch geben soll.

Ob Googles Entscheid, den Datenschutz der App zu schwächen, ein smarter Zug war, wird sich in Zukunft zeigen.

Google vs. Facebook und Apple

Für das Google-Betriebssystem Android gab es bislang keine zentrale Messaging-App, wenn man von Hangouts absieht. Bei Allo will Google von seinen vielen Daten zu lokalen Geschäften oder Reiseverbindungen sowie dem Wissen über die Welt profitieren.

Auch Facebook setzt auf Chatbots, öffnete seinen Messenger aber für Assistenten vieler verschiedener Anbieter, von Medien bis Fluggesellschaften oder Banken. Ein Plan ist, den Facebook Messenger auch in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden zu etablieren und damit Geld zu verdienen.

Eine andere Strategie verfolgt Apple, das mit dem aufgemotzten iMessage (veröffentlicht mit iOS 10) nun auch einen mächtigen Messenger am Start hat. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist der Dienst nicht plattformübergreifend, sondern steht nur für iOS-Geräte zur Verfügung. Apple hat wiederholt betont, die Privatsphäre der Nutzer habe oberste Priorität. Darum gibt man sich bei der automatisierten Datenverarbeitung zurückhaltend, setzt aber ebenfalls auf künstliche Intelligenz.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

(dsc)

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11 Kommentare anzeigen
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  • saco97 25.09.2016 19:53
    Highlight Als kluger Assistent, der einem alles wichtige zeigen kann, finde ich Allo noch praktisch. Aber wieso ich darüber kommunizieren sollte, weiss ich, vorallem nach der Abstimmung heute, wirklich nicht.
    0 0 Melden
    600
  • EMkaEL 22.09.2016 12:31
    Highlight Zum glück bin ich schon intelligent und brauche keinen Messenger der das für mich übernimmt.. 😉
    16 1 Melden
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  • Madison Pierce 22.09.2016 12:01
    Highlight Der Incognito-Modus ist keine "sinnvolle Standardeinstellung". Denn damit hat man nur noch einen normalen Messenger ohne Assistenten. Und den bekommt man auch bei Anbietern, die nicht von Daten leben.

    Das Konzept des "intelligenten" Assistenten funktioniert nur, wenn Google mitliest und die Daten auswertet und speichert.

    Dass dieses Konzept nicht der Philosophie von Snowden entspricht dürfte klar sein.
    34 2 Melden
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  • E. Edward Grey 22.09.2016 11:31
    Highlight Google hat für die Kommunikation zwischen Peers kein Gespühr, das hat schon die Pleite von G+ gezeigt. Ihr Geschäftsmodell ist sich bei allem und jedem einzuklinken um bestens über den User und dessen Bedürfnisse Bescheid zu wissen, damit verdienen sie das Geld. Was beim Anbieten von Services wie Maps toll klappt scheitert aber immer wieder bei Peer-to-Peer Netzen, weil dort die Wertung eine ganz andere ist.
    17 3 Melden
    • Tilman Fliegel 22.09.2016 19:25
      Highlight Ach, wenn ich von dem Müll auf Facebook genug habe, schau ich ganz gerne mal Google+ durch
      2 2 Melden
    • Lorent Patron 24.09.2016 15:02
      Highlight Vielleicht kann man Allo auf sehr hoher Abstraktionsebene als Peer-to-Peer-Netz anschauen. Tatsächlich ist es aber eine cloudbasierte, stark zentralisierte Dienstleistung. Es fehlen ihr praktisch sämtliche Peer-to-Peer-Charakteristiken.

      Echte Peer-to-Peer-Netze zeichen sich durch Dezentralisiation aus. Insofern meine ich, dass der Begriff Peer-to-Peer eher unpassend ist für diese zentralisierten sozialen Netzwerke wie Facebook, G+ etc. Für mich sind das einfach Datenkraken. ;)

      https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-to-Peer

      Ideen für echte P2P-Communities wären zB. da:

      http://akasha.world/
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    • E. Edward Grey 24.09.2016 17:14
      Highlight Peer to Peer ist hier als Kommunikation zu verstehen, nicht als technische Lösung. Wenn Menschen Dienste nutzen ist Google erfolgreich. Wenn es um Kommunikation zwischen Menschen geht versagt Google.
      0 0 Melden
    • Lorent Patron 24.09.2016 18:40
      Highlight Ich habe dich schon verstanden, Edward, und stimme dir auch zu. Social Networking scheint nicht Googles Stärke zu sein.

      Ich verstehe aber Peer-to-Peer nicht nur als technische Lösung sondern vielmehr auch als Wertehaltung.

      Echte P2P-Lösungen führen zu einer soziale Revolution. Mit allem was zu einer richtigen Revolution dazu gehört, zB. dem Sturz der Datenbarone. Und natürlich auch starke reaktionäre Kräfte, die am Alten festhalten, weil ihr Überleben davon abhängt. Denen sollte man mMn. kein Peer-to-Peer-Mäntelchen umhängen, weil sie doch diametral das Gegenteil davon praktizieren.
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  • dmark 22.09.2016 10:38
    Highlight Naja, Daten sammeln sie ja alle. Allerdings kann ich bei Google, im Gegensatz zu Facebook oder Apple meine Daten auch selbst wieder löschen.
    Oder anders gesagt - ich habe Zugang dorthin und wenigstens dann das Gefühl, diese gelöscht zu haben...
    Es könnte aber bei Google auch Mirrors geben, zu denen man keinen Zugang mehr hat. Wer weiß?
    19 10 Melden
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  • moimoimoi 22.09.2016 10:19
    Highlight Wer Allo jetzt schon will (und ein Android-Gerät sein Eigen nennt und weiss, war er macht), könnte ja apkmirror.com besuchen.
    9 12 Melden
    • testuserli 23.09.2016 13:03
      Highlight warum - gibts jetzt ganz offiziell im Store ;-)
      1 0 Melden
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Smartphone-Tracking

Das iPhone zeichnet jede Ihrer Bewegungen auf. Schritt für Schritt. Kein Grund zur Panik. So stoppen Sie die Handy-Überwachung

Ihnen ist es vielleicht nicht bewusst, aber das iPhone weiss haargenau, wo Sie wann und wie lange in den letzten Monaten waren. Die ständige Überwachung hat einen simplen Grund.

Das iPhone kennt uns besser als wir uns selbst. Es weiss, wo wir gestern, vor einer Woche oder vor einem halben Jahr waren. Dies ist an sich nichts Neues und die Tracking-Funktion lässt sich auch problemlos deaktivieren. Doch nur den wenigsten Usern dürfte die gut versteckte Funktion «Häufige Orte» vertraut sein. Sie speichert, wann wir zur Arbeit fahren, wann wir am Abend wieder nach Hause kommen und wo die Freundin wohnt, die wir oft besuchen.

Es ist eine Frage der Perspektive, ob man es …

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