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Darum verzichten Apple und Microsoft auf die neuesten Chips

Bild: EPA/EPA

Ein wichtiges Detail der jüngsten Notebooks von Apple und Microsoft verwirrt: Beide Unternehmen bauen nicht die neuesten Prozessoren ein, die Intel liefern könnte. Das scheint absurd, hat aber gute Gründe.

Publiziert: 28.10.16, 21:18 Aktualisiert: 29.10.16, 22:18

Matthias Kremp

Ein Artikel von

Was im Nachgang von Apples Präsentation am Donnerstagabend für viel Verwirrung und falsche Interpretationen sorgt ist, dass in den neuen MacBook Pro nicht Intels neueste Prozessorgeneration eingebaut ist. Statt der aktuellen siebten Generation, Codename Kaby Lake, steckt in Apples neuen Top-Notebooks deren Vorgängergeneration, Skylake.

Damit ist der kalifornische Konzern nicht allein. Auch die Konkurrenz macht das so. Microsoft jedenfalls baut in die am Mittwoch präsentierte neue Version seines Surface Book auch Skylake-Chips ein. Sogar Microsofts erster Desktop-PC, der elegante Surface Studio, wird von «der sechsten Generation von Intels Core Prozessoren» angetrieben, schreibt der Windows-Konzern.

Woran liegt es also, dass die beiden Unternehmen so an einer scheinbar veralteten Technologie hängen?

Sowohl Apple als auch Microsoft bestücken ihre neusten Laptops mit den älteren Intel-Prozessoren. Bild: BECK DIEFENBACH/REUTERS

Zum einen dürfte es der ersten Tests zufolge überschaubare Leistungszuwachs der Kaby-Lake-Chips sein. Verschiedene PC-Magazine attestieren den aktuellen Intel-Chips ein Leistungsplus von etwas mehr als zehn Prozent. Eine solche Verbesserung ist messbar, aber für Anwender nicht spürbar.

Zu wenige Kerne

Für einen wirklich erfahrbaren Mehrwert muss ein neuer Prozessor deutlich mehr zusätzliche Leistung bieten. Die aber ist meist nur erreichbar, wenn der Herstellungsprozess der Chips verändert wird, die Bauteile kleiner werden, sodass mehr Komponenten auf dem Chip Platz finden. Genau das ist bei Kaby Lake nicht der Fall. Die siebte Generation der Core-i-Chips wird von Intel auf Basis derselben Produktionstechnik hergestellt wie die sechste.

Noch wichtiger dürfte aber sein, dass Intel die Mobilvarianten der Kaby-Lake-Prozessoren bisher nur mit zwei Rechenkernen ausliefert, Highend-Laptops aber erst mit vier Kernen richtig in Schwung kommen. Vor allem beim Multitasking hilft viel viel. Kaby-Lake-Chips für Desktop-PC sind bei Intel noch gar nicht im Angebot. Sie sollen, wie die Vierkern-Mobilchips, erst nächstes Jahr kommen.

Auch der Prozessor im neuen Surface Book ist nicht einer der aktuellen siebten, sondern der sechsten Generation. Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Darin zeigt sich das eigentliche Dilemma: Sicher gibt es PC-Hersteller, die jetzt schon Mobilrechner auf Basis der aktuellen Intel-Technik bauen, doch Highend sind die nicht. Top-of-the-Line-Computer mit Kaby Lake wird es erst 2017 geben.

Abwarten?

Ob es sich lohnt, auf die zu warten, sei dahingestellt. Denn Experten von PC-Fachmagazinen bezeichnen Kaby Lake bereits als Zwischenschritt. Die «PC Welt» etwa schreibt, «Kaby Lake ist eigentlich Skylake 2.0», so gering seien die Unterschiede. Deshalb seien Intels neue Chips auch kein Grund, etwa von einem Skylake-System auf eines mit Kaby Lake umzusteigen.

Ein solcher Schritt dürfte sich tatsächlich erst 2017 lohnen, aber so lange wollten offenbar weder Microsoft noch Apple mit ihren neuen Produkten warten. Gegenüber dem US-Technologieportal «Cnet» etwa erklärten Apples Top-Manager, sie hätten mehr als vier Jahre Entwicklungszeit in die neuen MacBook Pro gesteckt. Da scheint es nur logisch, diese auch auf den Markt zu bringen, wenn sie endlich fertig sind.

Das neue Macbook Pro mit «Touch Bar»

Gute Geschäfte locken

Dafür gibt es mindestens zwei gewichtige Argumente: Zum einen lässt das Interesse an neuen Notebooks immer stärker nach. Mit neuer Technologie, wie der Touch Bar, könnte man diesen Trend aufhalten oder zumindest bremsen.

Zum anderen steht das Weihnachtsgeschäft bevor. Für IT-Unternehmen beginnt damit die einträglichste Zeit des Jahres. Deren Ergebnisse sind ausschlaggebend für die nächste Jahresbilanz, an der der Erfolg eines Unternehmens und seiner Manager gemessen wird.

Dass sowohl Microsoft als auch Apple im kommenden Frühjahr Updates ihrer jetzt neuen Notebooks mit den dann neuen Versionen der Kaby-Lake-Chips bringen werden, ist wahrscheinlich. Aber das ist der Lauf der Dinge in der Hightechbranche: Egal, was man sich kauft, es wird schon bald durch ein besseres Modell abgelöst. Damit muss man sich abfinden, so tickt die Welt.

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User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
17 Kommentare anzeigen
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  • derSpecht 30.10.2016 18:43
    Highlight Mir wäre lieber gewesen Apple hätte die Schnittstellen nicht weiter beschnitten. HDMI ist jetzt auch weg, kein SD Slot mehr - nur damit es schöner aussieht und sie weniger Komponenten verbauen müssen für denselben Preis :(
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  • Mäf 29.10.2016 08:58
    Highlight Warum bringt Apple nicht mal ein MacBook Pro heraus, das wirklich Pro ist? Einfach mal einen 6 oder 8 Core Chip, eine richtige Grafikkarte mit 4GB aufwärts und direkte Anschlüsse. Die neuen Geräte zerbrechen ja irgendwann in einer Umgebung wie Filmset, Fotoshooting oder Events wo direkt Videos geschnitten und gestreamt werden. Solche Geräte dürfen dann auch wieder etwas dicker und schwerer, sprich robuster sein. Das würde den Pro User mehr ansprechen als eine TouchBar.
    24 10 Melden
    • Groll 29.10.2016 09:58
      Highlight Und dann haben sie eine Akkulaufzeit von 2 Stunden...Toll!
      7 3 Melden
    • Schne 29.10.2016 10:08
      Highlight Solche Technik braucht Platz, da die Wärme abgeführt werden muss. Das wird sonst sinnlos teuer und läuft instabil. Im Moment würd ich in dieser Leistungsklasse auf Desktop setzen.
      9 0 Melden
    • Ingenieur 29.10.2016 11:26
      Highlight Mäf, viele "Geeks" argumentieren im Moment so. Aber das ist nicht das Bedürfnis der meisten professionellen Nutzer. Ich bin Software Ingenieur und die Performance des MacBook Pros von 2014 ist für mich weiterhin top. Daher habe ich keine Zweifel, dass die neuen Geräte "nicht passend" sein könnten. Für mich muss ein Laptop rechenstark, leise und eine möglichst 7-8 Stunden lange Batterielaufzeit aufweisen.
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  • Awesomeusername 29.10.2016 06:47
    Highlight Die Kinder von heute scheinen ja immer anspruchsvoller mit zu werden was Ihre Weihnachtsgeschenke betrifft. Darum lieber Weihnachtsmann/Christkind, bring mir doch auch mal von beiden Anbieter ein Exemplar ihres Topmodells vorbei.
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  • qualfull 29.10.2016 01:37
    Highlight Haha.. geil, immer Augen auf, lässt euch nicht bescheissen.
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  • Mnemonic 29.10.2016 00:35
    Highlight Was sehr interessant ist, Skylake und auch die "älteren" Xeon Prozessoren bieten unter den aktuellen SW Version wesentlich bessere Leistung an als Kaby-Lake Chips. Also ist das imho absolut ok so...
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  • horst müller 29.10.2016 00:32
    Highlight selbe mit der gpu - veraltete hardware zu einem üerrissenen preis.

    das tick-tock schema ist nicht mehr wirklich aktuell beziehungsweise wurde es überarbeitet.
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  • d_yannick_ 28.10.2016 22:52
    Highlight Es sind im Moment einfach erst die Prozessoren der siebten Generation für Ultrabooks draussen. Stärkere Notebook- und Desktopprozessoren kommen erst Anfang 2017. Apple und Microsoft können noch gar nicht neue Prozessoren einbauen, da es sie noch gar nicht gibt...
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  • 90er 28.10.2016 22:05
    Highlight 4 Jahre Entwicklungszeit fürs neue Macbook Pro...really?
    49 16 Melden
    • Charlie B. 29.10.2016 06:36
      Highlight Und wie lange hättest du gebraucht? 10 Jahre? :-P
      10 11 Melden
    • fcsg 29.10.2016 07:21
      Highlight Von der ersten Idee bis zur definitiven Unsetzung und Softwareanpassung etc. durchaus vorstellbar....
      16 5 Melden
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  • User01 28.10.2016 21:47
    Highlight "Denn Experten von PC-Fachmagazinen bezeichnen Kaby Lake bereits als Zwischenschritt."
    WTF, das liegt wohl daran, dass es nur ein "Tock" von Skylake und somit von Intel geplant ist! Man, man, man, also wer Intels Tick-Tock-Modell nicht kennt, sollte sich auch nicht als Experten bezeichnen.
    33 4 Melden
    • goschi 28.10.2016 23:06
      Highlight Intel hat mittlerweile kein Tick-Tock-System mehr.
      Mit der Aussage der Weiterentwicklung von Skylake hast du natürlich Recht.
      9 1 Melden
    • smoe 28.10.2016 23:11
      Highlight Intel verwendet das Tick-Tock-Modell nicht mehr, sondern ein drei-schrittiges "process-architecture-optimization"

      Kaby Lake fällt unter "optimization".

      https://en.wikipedia.org/wiki/Tick-Tock_model
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    • SeKu 29.10.2016 00:30
      Highlight Intel hat sich diesen Sommer offiziel vom Tick-Tock verabschiedet. Es ist jetzt ein Tick-Tock-Tock. Kaby Lake ist das erste zweite Tock.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Tick-Tock_model 2. Abschnitt in der Einleitung.
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