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Apple stampft das Projekt iCar ein.  Bild: Paul Sancya/AP/KEYSTONE

Apple begräbt seine iCar-Träume – warum das Apple-Auto ein Phantom bleibt

Apple rudert zurück: Unter dem Codenamen Titan arbeitete Apple seit 2014 an einem Elektroauto. Ab 2020 sollte es auf der Strasse rollen. Jetzt ist der Traum geplatzt. Hunderte Mitarbeiter sollen bereits ihren Job verloren haben.

Publiziert: 18.10.16, 09:01

Das iCar sollte die Auto-Branche revolutionieren, so ähnlich wie das iPhone einst die Handy-Branche umgekrempelt hat. Dies war bis vor Kurzem die Hoffnung der Apple-Bosse. Das iCar sollte seinen Fahrer per Fingerabdruck erkennen und auf Knopfdruck völlig autonom zum Ziel fahren. Nun sieht plötzlich alles ganz anders aus: Apple hat seine seit 2014 aus dem Boden gestampfte Auto-Sparte «drastisch reduziert», schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der iPhone-Konzern habe nach zahlreichen Rückschlägen das Projekt iCar aufgegeben und plane keinen eigenen Tesla-Rivalen mehr. Hunderte Mitarbeiter des Auto-Teams, das rund 1000 Angestellte umfasste, «haben in den letzten Monaten ihren Job verloren, wurden in andere Abteilungen versetzt oder haben selbst gekündigt», schreibt der bekannte Apple-Insider 

Autopilot statt Apple-Auto?

Statt eines eigenen Elektro-Autos werde Apple nur noch Software für (selbstfahrende) Fahrzeuge anderer Auto-Hersteller entwickeln. Dies lasse dem Konzern die Tür offen, allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt seine Auto-Pläne wieder aufzunehmen.

Apples Führung gab dem Auto-Team laut Bloomberg-Bericht bis Ende 2017 Zeit, die Machbarkeit eines selbstfahrenden Autos zu demonstrieren. Ab 2020 wurde das Apple-Auto auf der Strasse erwartet. Wie Bloomberg nun enthüllt, hat Apple bereits Anfang 2016 vorzeitig die Notbremse gezogen und das Projekt auf Eis gelegt.

In der Folge kam es zu einer Abwanderungswelle von Ingenieuren. Im August und September folgten zwei Entlassungsrunden. «Über 120 Software-Entwickler, die an einem Auto-Betriebssystem arbeiteten, wurden entlassen», schreibt die Nachrichtenagentur. Mehrere hundert Ingenieure sind ebenfalls gegangen oder wurden gegangen. Die «New York Times» hat schon im September berichtet, dass Apple Dutzende Mitarbeiter des Projekts Titan auf die Strasse gestellt habe.

Was ging schief?

Die Entscheidung gegen das iCar kam nach monatelangen Querelen über die Strategie, mehreren Führungswechseln sowie Problemen mit Zulieferfirmen beim offiziell immer noch geheimen Auto-Labor, das nur wenige Fahrminuten von Apples-Hauptquartier entfernt liegt. Apple habe es nicht geschafft, die komplexe Zulieferkette bei Autos in den Griff zu bekommen, sagen Personen, die mit dem Projekt vertraut sind. 

Apple ist nicht die erste Firma, die auf die harte Tour erfahren muss, dass Handys und selbstfahrende Autos ganz andere Kaliber sind. Auch Google hat bereits lernen müssen, dass es für sein selbstfahrendes Google-Auto auf die Hilfe von Auto-Herstellern angewiesen ist. 

Dass Apple das iCar-Projekt offenbar fallen lässt, dürfte nicht zuletzt wirtschaftliche Gründe haben. Mit seinem Smartphone erzielt Apple unerreicht hohe Margen, da das iPhone in der Produktion günstig ist und Apple-Geräte auf dem Markt sehr hohe Preise erzielen. Mit dem iCar hätte Apple voraussichtlich viel weniger verdient, da die Margen in der Auto-Branche weit geringer ausfallen – selbst Tesla kann für seine Luxus-Karossen nur bedingt Premium-Preise verlangen und versucht daher, mit Mittelklasse-Modellen mehr Käufer anzuziehen. Viele Branchen-Beobachter und insbesondere Investoren standen dem iCar daher von Anfang an skeptisch gegenüber, da er Apples Rendite vermutlich negativ tangiert hätte.

Ein Handy zu bauen ist das eine, ein Auto etwas ganz anderes. Diese bittere Pille muss auch der reichste Konzern der Welt schlucken.

Apple selbst kommentierte den Bericht nicht.

(oli)

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31 Kommentare anzeigen
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  • Jol Bear 18.10.2016 01:05
    Highlight Nicht wie Nokia: wären die bei den Gummistiefeln geblieben, wären sie nicht an den Mobiltelefonen zu Grunde gegangen oder sie hätten ein Handy entwickeln müssen, das wasserdicht wie Gmmistiefel ist. Also soll Apple bei den Äpfeln bleiben und nicht mit Birnen oder Glühbirnen experimentieren, oder wie auch immer. Gute Nacht allerseits.
    2 6 Melden
    • Fumo 18.10.2016 10:09
      Highlight Nokia ging zugrunde? Dachte die gibt es noch und das sie weiterhin Produkte auf den Markt bringen, bald auch wieder Mobiltelefone ;).
      Wäre Nokia beim Karton geblieben wären sie schon vor 100 Jahren Konkurs gegangen, die Gummistiefeln waren auch schon die dritte oder vierte "Neuausrichtung" des Konzerns.
      6 1 Melden
    • Jol Bear 18.10.2016 22:46
      Highlight Da liegen Sie, Fumo, mit Ihrer Einschätzung wahrscheinlich näher bei der Wahrheit.
      0 0 Melden
    600
  • whatthepuck 17.10.2016 17:44
    Highlight Diese Silicon Valley Firmen. Denken, in 5 Jahren das Know How aufbauen oder sogar übertreffen zu können, welches die renommiertesten Autobauer in der letzten Dekade aufgebaut haben. Ein Auto besteht letztlich halt aus mehr als nur Algorithmen, so ausgeklügelt diese auch sein mögen. Auch im Silicon Valley kocht man nur mit Wasser.
    59 10 Melden
    • Ali G 19.10.2016 06:07
      Highlight Mal die Biografie von Elon Musk lesen, der erklährt einem, zu was die renomierten Autobauer im stand sind.
      Supplychain blockieren und schon ist man die Konkurrenz los
      1 0 Melden
    600
  • fcsg 17.10.2016 16:21
    Highlight Wenn Apple wirklich ins Auto-Business einsteigen möchte, hätten sie Tesla längst aufgekauft... Aber die Margen im E-Auto Business sind nicht vorhanden, daher ist dieser Entscheid verständlich.
    17 50 Melden
    • Maett 17.10.2016 17:54
      Highlight @fcsg: Musk ist Visionär, der verkauft Tesla nicht, unabhängig vom Gebot.
      51 8 Melden
    • demokrit 17.10.2016 19:29
      Highlight Alles ist käuflich. Allerdings gäbe es wesentlich interessantere angeschlagene Autokonzerne auf dem Markt.
      9 18 Melden
    • Maett 17.10.2016 20:26
      Highlight @demokrit: man zeige mir einen Visionär, der käuflich war.
      11 1 Melden
    • demokrit 17.10.2016 22:45
      Highlight Paypal wurde doch auch verkauft.
      2 7 Melden
    • Maett 18.10.2016 01:55
      Highlight @demokrit: diese Vision war ja auch zu Ende umgesetzt, was bei Tesla wohl kaum der Fall sein dürfte.
      2 3 Melden
    • Fumo 18.10.2016 10:06
      Highlight Maett du bist ja süss :D
      Elon Musk ist mit Schwarzgelder reich geworden und du denkst er wäre nicht käuflich? Denke noch mal nach ;).
      1 7 Melden
    • demokrit 18.10.2016 10:29
      Highlight @Maett, nö, die Firma wurde erst nach dem Verkauf an Ebay ziemlich gross.
      1 3 Melden
    • Maett 18.10.2016 13:58
      Highlight @demokrit: ja, aber die Vision (unabhängiger internationaler Online-Zahlungsverkehr) war umgesetzt. Wenn er das nicht geschafft hätte, hätte Ebay nicht gekauft. Visionäre haben Visionen, setzen sie um, nach mir die Sintflut. Das macht Musk ja so interessanter, weil solche Menschen ganze Generationen prägen können.

      @Fumo: Sie möchten das doch bestimmt erläutern? Musk ist durch den Verkauf von PayPal reich geworden, die Zahlung von Ebay an ihn war also schwarz? Schön dass Sie besser Bescheid wissen, als der Rest der Welt, können nicht alle von sich behaupten.
      5 1 Melden
    • demokrit 18.10.2016 14:07
      Highlight Paypal war ja eigentlich nicht sein Baby. Er hat dasselbe Produkt entwickelt und die beiden Unternehmen haben sich dann zusammen geschlossen. Mit einigem Glück vor dem Platzen der Bubble.
      0 1 Melden
    • Fumo 18.10.2016 14:18
      Highlight @Maett Keine Wörter verdrehen bitte, auch wenn das deine einzige Möglichkeit ist zu widersprechen ;)
      Paypal hat das Geldwaschen um ein vielfaches vereinfacht, damit wurde er durch das Ermöglichen der Schwarzgeldschiebungen reich.
      0 8 Melden
    • Maett 18.10.2016 20:49
      Highlight @Fumo: diese Behauptungen entbehren zufälligerweise nachvollziehbaren Fakten, oder stellen Sie die ehrenamtlich in Ihrer Freizeit auf?

      Musk war Anteilseigner bei PayPal, etwas mehr als über 10% hat ihm gehört (er war ja "lediglich" X.com-Begründer) - wäre noch interessant zu wissen, wie ein Anteilseigner angebliches Schwarzgeld abzweigen kann, ohne dass (ausser Ihnen) jemand davon erfahren hat.
      2 1 Melden
    • Fumo 19.10.2016 08:03
      Highlight Maett habe ich irgendwo geschrieben dass "er Schwarzgelder abgezweigt hat"?
      0 2 Melden
    • Maett 19.10.2016 09:16
      Highlight @Fumo: naja, "Elon Musk ist mit Schwarzgelder reich geworden und du denkst er wäre nicht käuflich?" hat darauf hingedeutet, weil ansonsten das "käuflich"-Argument etwas stupide wirkt.

      Aber ich versteh jetzt auf was Sie herauswollen.

      Frage: wer behauptet, dass PayPal-Transaktionen "schwarz" sind? Gibt es irgendwo juristische Anstrengungen gegen PayPal oder ein Verbot der Dienste?
      Warum soll das "schwarz" sein, nur weil PayPal andere Gebühren erhebt? Versteh ich nicht.

      Über PayPal wurde zwar sicherlich schon Geld gewaschen (wie über jedes Bankinstitut), System hat das aber nicht.
      1 1 Melden
    • Fumo 19.10.2016 11:41
      Highlight Ach "darauf hingedeutet"? Sorry aber ich meine das was ich schreibe. Das was du oder andere deuten ist weder mein Problem noch interessiert es mich.
      Dass du nun mit juristische Anstrengungen etc. kommst ist eine rhetorische Floskel. Akzeptiere einfach meine Meinung und gut ist. Damit hast du aber wohl Probleme, fremde Meinungen können einem halt schon recht zusetzen ;).
      0 2 Melden
    600
  • Zeit_Genosse 17.10.2016 16:12
    Highlight Eigentlich müsste der Aktienkurs nach oben gehen, weil das Abenteuer zu Ende ist. Wahrscheinlich ging er damals bei der Ankündigung auch nach oben :)
    16 5 Melden
    600
  • Fumo 17.10.2016 16:01
    Highlight "Statt eines eigenen Elektro-Autos werde Apple nur noch Software für (selbstfahrende) Fahrzeuge anderer Auto-Hersteller entwickeln."

    Natürlich, Apple ist ja dafür bekannt die eigene Software für fremde Hardware anzubieten ;).
    85 11 Melden
    • Dan Ka 17.10.2016 16:10
      Highlight ITunes? 😉
      25 18 Melden
    • Oliver Wietlisbach 17.10.2016 16:13
      Highlight Apple Music? ;)
      25 20 Melden
    • wipix 17.10.2016 16:36
      Highlight Natürlich. Und was soll uns das sagen?
      Nichts neues, wenn IT Formen Hard und Software Sparten trennen, sich sogar ganz von Hardware verabschieden. (IBM,Blackberry,HP...)
      5 1 Melden
    • Taebneged 17.10.2016 17:08
      Highlight Apple macht auch jetzt schon mehr Software wie Hardware.
      11 9 Melden
    • AndGaemp 17.10.2016 17:14
      Highlight "nur noch Software für (selbstfahrende) Fahrzeuge anderer Auto-Hersteller entwickeln." Das kling so als wäre das alles ganz easy. Ich denke nicht, dass sie hierbei den Anschluss schaffen, da Google und Tesla schon ziemlich weit sind in diesem Thema.
      33 4 Melden
    • Tilman Fliegel 17.10.2016 18:08
      Highlight Wenn das läuft wie iTunes auf Windows verzichte ich auf jeden Fall gerne.
      31 6 Melden
    • Taebneged 17.10.2016 19:53
      Highlight Da gibt es einige die evtl. froh sind, wenn sie Unterstützung bekämen. Um ein paar deutsche zu nennen: VW Konzern, Opel, BMW, Mercedes... Wenn man sieht wo die stehen...
      4 13 Melden
    • Oliver Wietlisbach 18.10.2016 09:59
      Highlight Alles, was es derzeit dazu zu sagen gibt:

      "Apple will sie alle haben! Egal ob Kia oder Bentley-Kaeufer, die Plattform an der Apple arbeitet, soll jedes Auto smart machen und seinen User komplett in die Apple-Welt ziehen. Ein universales Dashboard, welches aus einem „Dumb Car“ ein „Smart Car“ macht."

      https://www.mobilegeeks.de/artikel/apple-car-apple-auto-ipad/
      3 2 Melden
    • wipix 18.10.2016 10:36
      Highlight Das ist eine logische und für Apple gute Strategie.
      Dasselbe gilt für die Gebäude-Steuerung. Und wenn sie schnell genug sind für die Gebäudeübergreiffende Energieverwaltung.
      Und: je grösser und erfolgreicher Apple wird, desto besser werden die Chancen für einen neuen Player auf den verschiedenen Ebenen, platformübergreiffend. Bin überzeugt, das wird nicht ANDROID sein!
      Sehe da eher eine LINUX basierte Lösung, wieder näher am quelloffenen Kernel als Apple und Android es sind.
      3 3 Melden
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