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Steven Paul Jobs verstarb heute vor fünf Jahren nach jahrelangem Krebsleiden im Alter von 56 Jahren. Bild: EPA

Fünf Jahre ohne Steve Jobs – wann bringt Apple «The Next Big Thing»?

Publiziert: 05.10.16, 07:00 Aktualisiert: 05.10.16, 08:21

Vor seinem Tod gab Apple-Chef Steve Jobs seinem Nachfolger einen wichtigen Rat. Er solle sich niemals fragen: «Was würde Steve jetzt tun?» Das hindert Beobachter nicht daran, genau immer wieder diese eine Frage zu stellen – zumal Apple erstmals seit Jahren nicht mehr wächst.

Als Steve Jobs vor fünf Jahren starb, hinterliess er seinen Nachfolgern bei Apple ein schwieriges Erbe. Einerseits war der Konzern in den 15 Jahren nach seiner Rückkehr dank iPod und iPhone vom Pleitekandidaten zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden.

Zum anderen übernahm die Chefetage um Tim Cook eine Firma, die sich um den Mitgründer und Retter Jobs drehte: Steve bestimmte die Strategie, Steve feilte mit Designchef Jony Ive am Aussehen der Geräte, Steve traf viele grosse und kleine Entscheidungen bis hin zum Farbton der App-Symbole. Und dann war Steve nicht mehr da.

Nachfolger Tim Cook (links) und der sichtlich von seinem Krebsleiden gezeichnete Steve Jobs im Juli 2010. Bild: Paul Sakuma/AP/KEYSTONE

Ganz überraschend kam sein Tod nicht – die Folgen der Krebserkrankung hatten den 55-Jährigen immer schwerer gezeichnet, schon im August 2011 gab er den Posten des Firmenchefs an Cook ab. Aber zugleich versprach Jobs noch, an der Spitze des Verwaltungsrates weiter für Apple da zu sein.

Erfolgstreiber Jobs

«Ich war überzeugt, er erholt sich auch diesmal», sagte Cook vor kurzem in einem Interview der «Washington Post». «So, wie er es immer getan hat.» Doch Jobs konnte den Krebs nicht besiegen, er starb am 5. Oktober 2011, einen Tag nachdem der sichtlich mitgenommene Tim Cook das iPhone 4S vorgestellt hatte.

Seitdem reissen Debatten darüber nicht ab, wie innovativ Apple ohne Steve Jobs sein kann. Schliesslich gilt er als die treibende Kraft hinter allen grossen Erfolgen von Apple: Der erste Macintosh 1984, der iMac 1998, der iPod 2001, das iPhone 2007 und das iPad 2010.

Vom Ur-Mac bis zum iMac

Oracle-Gründer Larry Ellison, ein langjähriger Freund und Vertrauter von Jobs, sah eine düstere Zukunft für das Unternehmen: «Wir haben ein Apple ohne Steve Jobs schon gesehen», winkte er in einem Fernsehinterview ab.

2016 sinken die iPhone-Verkäufe erstmals

Bis zu diesem Jahr widerlegte Apple die Untergangspropheten stets mit neuen Rekordergebnissen. Besonders gross war der Sprung mit dem iPhone 6, als im Weihnachtsgeschäft 2014 mit der Einführung grösserer Modelle die iPhone-Verkäufe um 46 Prozent auf rund 74.5 Millionen Geräte hochschnellten.

Im vergangenen Jahr gelang es in einem abgebremsten Smartphone-Markt gerade noch, diese Marke knapp zu übertreffen. Doch in diesem Jahr sanken die iPhone-Verkäufe erstmals seit der Markteinführung.

Apples Probleme dokumentiert in 22 Grafiken

Und vom neuen iPhone 7 erwarten Analysten ebenfalls keine Wende, auch wenn sie nach ersten Hinweisen auf das robuste Konsumenteninteresse zuversichtlicher geworden sind. Apple ging ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten iPhone-Design – und erntete dafür viel Kritik. Auch deshalb schlägt Cooks Apple der Vorwurf entgegen, der Konzern zehre von den Innovationen der Jobs-Ära.

Auch Jobs produzierte Flops

Als einzige neue Produktkategorie betrat der Konzern seit Jobs' Tod das Wearables-Geschäft mit der Computer-Uhr Apple Watch. Sie wurde zwar aus dem Stand die klare Nummer eins in dem noch überschaubaren Markt der Smartwatches – aber die Verkäufe sanken nach Einschätzung der Marktforscher von 3.6 Millionen Uhren zum Start im zweiten Quartal 2015 auf zuletzt um die 1.5 Millionen Geräte pro Vierteljahr.

Es gelang also auf Anhieb nicht, den Markt hochzureissen. Apple tastet sich auch noch vor – mit der neuen Version des Betriebssystem wurde die Bedienung radikal umgestaltet. Man kann dies als Eingeständnis werten, dass die Entwickler mit anfänglichen Vorstellungen in wichtigen Punkten daneben lagen.

Allerdings musste auch der legendäre Produktvisionär Jobs in seiner Ära etliche Niederlagen einstecken. So verpatzte Apple noch unter ihm den Start des Cloud-Dienstes MobileMe, das Musik-Netzwerk Ping war eine Totgeburt, einige Geräte wie der Lautsprecher Apple Hifi verschwanden schnell wieder.

Apple Computer wurde 1976 von Steve Jobs (rechts), Steve Wozniak (links) und Ronald Wayne (nicht im Bild) in der Garage von Jobs Eltern in Mountain View, Kalifornien, gegründet. Bild: DPA APPLE

Was bringt Apples Zukunft?

Die Technologie-Branche hat sich seit Jobs' Tod aber auch massiv verändert. Und so liegen die aktuellen Innovationen von Apple weniger im Hardware-Bereich, sondern in Software.

Der Konzern investiert in maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, um nicht gegen Google, Amazon und Microsoft ins Hintertreffen zu geraten. Die Siri-Sprachsteuerung ist inzwischen auf allen Geräten verfügbar, die Daten fliessen über die iCloud-Server viel nahtloser von Gerät zu Gerät als früher.

Die grossen Techfirmen setzen auf künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Google, Facebook, Microsoft, Amazon und Baidu scheinen beim potenziell nächsten Megatrend die Nase vorn zu haben.

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg wird inzwischen auch ein vernetzter Lautsprecher getestet, der ähnlich wie die Konkurrenzgeräte Amazon Echo und Google Home eine zentrale Rolle im smarten Zuhause spielen könnte. Apple positioniert sich für eine Zukunft, die erst in einigen Jahren voll greifbar sein könnte. Und seit Anfang 2015 halten sich hartnäckig Gerüchte über ein Apple-Auto.

Sauberes Image mit Rissen

Zugleich drückte Cook Apple seinen Stempel auf, indem er den Konzern bei Themen wie Umweltschutz, Privatsphäre und Gleichberechtigung öffentlich in Stellung brachte. Die Rechenzentren und Apple Stores nutzen erneuerbare Energien, die Kontrollen der Arbeitsbedingungen bei Zulieferern wurden ausgebaut, Apple legte sich vor Gericht mit dem FBI an als der Konzern sich weigerte, das iPhone eines toten Terroristen in Kalifornien aufzuknacken.

«Ich bin der Meinung, dass ein Chef von Apple an der nationalen Debatte zu solchen Fragen teilnehmen sollte», sagt Cook. Das alles hatte Produktvisionär Jobs zumindest öffentlich nicht unbedingt als Prioritäten erkennen lassen.

Zuletzt musste allerdings Cook beim Versuch, Apple als politisch korrekten Musterschüler zu positionieren, einen herben Rückschlag hinnehmen: Die Forderung der EU-Kommission an Irland, von Apple über 13 Milliarden Euro Steuern nachzufordern, lässt den iPhone-Hersteller in der Öffentlichkeit als Steuersünder erscheinen. (oli/sda/dpa)

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16 Kommentare anzeigen
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  • Divide et impera 05.10.2016 09:27
    Highlight Stay hungry, stay foolish :)
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  • Theor 05.10.2016 09:04
    Highlight Das neue Iphone läuft doch wie geschmiert? Fast überall standen die Leute wieder um mitternacht vor den Apple-Stores. Wars nicht irgendein Chinese, der es sogar in die Nachrichten schaffte, weil er nach Australien fuhr nur um das Iphone als erster zu bekommen?

    Ich halte persönlich zwar von Apple nicht mehr als von jedem anderen Technikkonzern. Aber so wie mir scheint, läuft der Laden noch ganz gut.
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  • Wuschelhäschen 05.10.2016 08:08
    Highlight Ja seit Steve Weg ist, ist es nicht mehr das selbe. Die Magie ist weg. Es wird immer klarer, dass die Firma nur noch dort investiert, wo der Mainstream Geld macht. Das war bei Steve Jobs umgekehrt. Seine Orientierung lag in der Innovation (nicht verwechseln mit "was neues erfinden", so viele Menschen verstehen das Wort nicht, unglaublich). Wer hätte im Mai 2007 eine Wette gemacht, dass das Internet für alle aufs Telefon kommt? Niemand! Der Konsens damals war, dass der Bildschirm zu klein war und es unbequem sei. Steve sah das anders und lancierte das iPhone. Wo ist diese Innovation heute?
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    • You will not be able to use your remote control. 05.10.2016 15:42
      Highlight 'Innovation' bedeutet etwas anderes als du denkst, dass es bedeutet.
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    • Wuschelhäschen 05.10.2016 19:50
      Highlight Nein, das tut es nicht.
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    • You will not be able to use your remote control. 06.10.2016 13:44
      Highlight Im Ernst, ich habe deinen Beitrag nicht bis da gelesen, wo du sagst, dass du ein Experte für die Bedeutung des Wortes 'Innovation' bist.

      Du meinst, weil Apple so viele Produkte so erfolgreich vermarktet, hast du per Definition recht?

      Ok, ich korrigier mich: Apple macht was anderes als du denkst.

      Die Produke von Apple sind so gut wie nie 'Erstmalig' oder 'Neu'. Sich mit dem Internet verbinden ist seit 1991 keine Idee mehr. (Das Internet kommt nicht auf dein Gerät ;))

      Und ich glaube, auch wenn ich kein Experte bin, dass Innovation kein Synonym für 'besseres Marketing' ist.
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    • Wuschelhäschen 06.10.2016 14:58
      Highlight Nein, das meine ich nicht. Das ist eine Unterstellung. Du scheinst das Wort Innovation nicht verstanden zu haben. Schau mal nach auf duden.de ;-)
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    • You will not be able to use your remote control. 06.10.2016 16:08
      Highlight duden.de: '(Wirtschaft) Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem, besonders die Einführung eines neuen Produkts oder die Anwendung eines neuen Verfahrens'

      Die Verfahren, Produkte und Lösungen von Apple waren aber so gut wie nie 'neu'.

      Dort steht nicht 'neu für die uninformierte Gesellschaft'. Dort steht auch nicht, 'besser vermarktbare Realisierung einer bekannten Lösung'.

      Aber eben, wenn das neu in 'Einführung eines neuen Produkts' bedeutet, dass ein Mineralwasser mit neuem Namen und neuer Flasche 'innovation' bedeutet, dann bist du der Experte.
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    • Wuschelhäschen 06.10.2016 18:12
      Highlight Die Einführung des iPhones erfüllt vollumfänglich den ersten Absatz. Nachsitzen. ;)
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    • Wuschelhäschen 06.10.2016 18:47
      Highlight Ein Tipp: Schlage auf duden.de das verwendete Wort "neuartig" nach. Das ist der Zusammenhang, welcher viele, inklusive dir, nicht verstehen. Das iPhone war nicht neu, aber eine geniale, neuartige Innovation. Vorher haben alle Stylis verwendet bei ähnlichen Geräten. Das iPhone kam mit dem Finger perfekt aus. Flüssiges scrollen war bei allen vorherigen Geräten nicht vorhanden, hat aber die Bedienerfreundlichkeit des iPhones maßgeblich definiert und und und...
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    • You will not be able to use your remote control. 07.10.2016 11:02
      Highlight duden.de: neu, von neuer Art; anders als bisher

      Aber ein 'mobiles Telefon mit Touchscreen und den (damals) gängigen Computer- und Internetfunktionen' gab es fast 15 Jahre vorher.

      Das Benutzerinterface wurde 'verbessert':
      http://www.mybscc.org/wp-content/uploads/2015/12/bottle.jpg

      Ich vermute 'neuartig' ist subjektiv, wie auch 'verbessern' und 'Bedienerfreundlichkeit'.

      Dass das Internet knapp 15 Jahre später unglaublich viel mehr Funktionen hatte, war wohl wichtiger für den Erfolg des iPhones. Das haben wir aber nicht Steve Jobs zu verdanken.
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  • Joël 05.10.2016 07:49
    Highlight Es ist gut für die Umwelt, wenn die Verkaufszahlen sinken. Gute Nachricht, dass die KonsumentInnen das Smartphone nicht jährlich austauschen.
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    • Midnight 10.10.2016 00:07
      Highlight Fände ich auch gut: Neue iPhones alle zwei Jahre, OS Upgrades alle 2-3 Jahre, dann aber richtig. Die Welt könnte so schön sein ;-)
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  • Stipps 05.10.2016 07:25
    Highlight spoiler alarm: da kommt imfall nichts mehr ... ihr letztes patent war das einer weissen papiertüte: http://www.telegraph.co.uk/technology/2016/09/22/apple-files-new-patent---for-a-paper-bag/
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Danke, Schweden!

Ikea veräppelt Apple. Aber so was von

Okay, die meisten von uns mögen ja Apple-Produkte. iPhone und Co? Super Sache. Klar. 

Aber diese Internet-Werbefilmchen, in denen die Vorzüge des neusten Apple-iDings gepriesen werden? Und immer mit dieser Stimme vorgetragen, die irgendwo zwischen erstaunt und gönnerhaft pendelt? 

Die nerven. Voll.

Nun schauen Sie mal, was Ikea da gemacht hat:

Mehrere User haben uns auf diesen Clip aufmerksam gemacht, der bereits vor vier Jahren ein BookBook präsentierte.

(obi)

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