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«Call of Duty» spielt jetzt im All und in der Schweiz – das taugt der Shooter wirklich

Raumschiff statt Flugzeugträger: Der neueste Teil des Shooters «Call of Duty» spielt nicht auf der Erde, sondern im Weltraum. An Ehrgeiz mangelt es dem Spiel nicht – dafür aber an fast allem anderen.

Publiziert: 07.11.16, 15:35

Tobias Hanraths / spiegel online

Ein Artikel von

Spoiler-Hinweis: Dieser Artikel fasst grob zusammen, um was es in der Kampagne von «Call of Duty: Infinite Warfare» geht.

Es gibt Spiele, deren Einfluss Jahre nach dem Erscheinen noch zu spüren ist – so wie «Call of Duty: Modern Warfare». 2007 war das rasante Gameplay des Shooters der Konkurrenz meilenweit voraus. Der Multiplayer-Modus stülpte dem klassischen Deathmatch Rollenspiel-Elemente über und dient damit bis heute vielen Spielen als Blaupause. Und die Story kombinierte Hollywood-Bombast mit nie gesehenen Schockeffekten sowie einigen leisen Zwischentönen – und wurde damit sogar zum Kritiker-Liebling.

Heute ist «Call of Duty» eine der erfolgreichsten Videospiel-Serien der Welt. Die Popularität von «Modern Warfare» erreichte aber keiner der zahlreichen Nachfolger. Ganz egal, ob im Kalten Krieg («Black Ops»), in der nahen Zukunft («Advanced Warfare»), in der Rechtsaussen-Fantasie von «Ghosts» oder in der wirren Science-Fiction von «Black Ops 3»: Irgendwer hatte immer was zu meckern.

Weltraumkrieg im U-Boot-Cockpit

Die aktuelle Episode führt die Serie nun in den Weltraum:

«Call of Duty: Infinite Warfare» spielt aber nicht in der fernen Zukunft von «Star Trek», sondern in den Anfangsjahren des Weltraumkriegs. Statt mit Laserstrahlen wird hier meistens noch mit Kugeln geschossen, statt der Apple-Store-Brücke der aktuellen Enterprise wirkt die Einrichtung der Raumschiffe hier eher wie aus einem modernen U-Boot.

Schade nur, dass «Infinite Warfare» aus diesem frischen Szenario fast nichts macht. Zwar darf der Spieler ab und zu per Abfangjäger durchs All flitzen – allerdings sind die Gefechte viel zu anspruchslos, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Abseits davon besteht «Infinite Warfare» fast nur aus den immer gleichen Massenschiessereien.

Die sind zwar bombastisch inszeniert wie immer und auch das Spielgefühl ist unverwüstlich gut. Allerdings gibt es von «Battlefield» bis «Titanfall» inzwischen mehrere andere Shooter, die sich ähnlich gut oder besser anfühlen – und dabei mehr spielerische Freiheit und Kreativität bieten.

Klischeeparade statt echter Geschichte

Dass der Funke nicht so recht überspringen will, liegt auch an der Geschichte des Spiels. Die ist zwar aufwendig inszeniert, bietet aber kaum mehr als eine Sammlung abgegriffener Kriegsfilm-Klischees. Schauspieler wie David Harewood («Homeland») und Kit Harington («Game of Thrones») geben sich alle Mühe, den pathetisch-bierernsten Dialogen und hauchdünnen Charakteren Farbe zu verleihen, haben aber keine Chance gegen das schwache Material.

Szene aus «Infinite Warfare».

Unterhaltungswert hat das alles trotzdem, vor allem in der ersten Hälfte. Hier bietet «Infinite Warfare» auch ungewohnt viel spielerische Freiheit. So darf der Spieler als Kapitän eines Raumschiffs zum Beispiel entscheiden, welche Mission er als nächstes absolviert. Doch als die Handlung gerade in Schwung kommt, stolpert sie schon ins Finale – das sich dann wiederum unnötig in die Länge zieht.

Multiplayer ohne neue Ideen

Allerdings ist die Kampagne in «Call of Duty» immer nur Teil des Pakets. Darüber hinaus gibt es den kooperativen Zombie-Modus für bis zu vier Spieler, diesmal im Stil alter Horror-B-Movies und mit einem Gastauftritt von David Hasselhoff. Herzstück der Serie ist aber schon lange der Mehrspielermodus. Ästhetik, Regelwerk und Spielgefühl orientieren sich diesmal weitgehend am Vorgänger «Black Ops 3».

Spieler können also zum Beispiel an Wänden entlanglaufen oder per Jetpack durch die Luft flattern. Allerdings wirken die Level nicht so, als seien sie wirklich für so viel Bewegungsfreiheit gebaut. Ansonsten gibt es im Mehrspielermodus die übliche Tretmühle aus Levelaufstiegen, freischaltbaren Fähigkeiten und Waffen. Für Fans der Serie ist das essenziell – Neueinsteiger fällt es allerdings schwer, sich in dem Wirrwarr aus Menüs zurechtzufinden.

Dass das nicht immer so war, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Den teureren Editionen des Spiels liegt ein Remaster, also eine neue Neuauflage von «Modern Warfare» bei, inklusive Kampagne und Mehrspielermodus. Dessen etwas angestaubte Grafik wurde teils kräftig aufgefrischt – szenenweise sieht der Klassiker kaum schlechter aus als sein Nachfolger.

Die Frage ist nur, ob sich Activision mit diesem Remaster einen Gefallen getan hat. Denn im direkten Vergleich wird besonders deutlich, was «Infinite Warfare» fehlt. Der Urahne ist zwar ein kleineres und simpleres Spiel – aber eben auch ein klar besseres. «Infinite Warfare» hat im direkten Vergleich vielleicht mehr Explosionen und definitiv mehr Pathos. Doch das Herz der Serie ist beim Aufbruch ins All irgendwann abhanden gekommen.

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«Call of Duty: Infinite Warfare» erscheint für Playstation 4, Xbox One und PC als «Legacy Edition» inkl. «Call of Duty: Modern Warfare Remastered». Separat ist das Remaster von «Modern Warfare» aktuell nicht erhältlich.

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21 Kommentare anzeigen
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  • blobb 07.11.2016 23:26
    Highlight John Snow im Weltraum?
    3 0 Melden
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  • michiOW 07.11.2016 20:55
    Highlight Nach MW2 gings geschichtlich und qualitativ zurück in die Vergangenheit.

    Danach Richtung Halo Sci-Fi Scheiss und platten Stories den Bach ab.

    Das geniale an Mw2 war gerade die Realitätsnahe Bewaffnung und die packende Geschichte.

    Eine Geschichte muss packend und überraschend, jedoch auch logisch sein.
    17 2 Melden
    • NumeIch 07.11.2016 21:43
      Highlight 😂😂😂 Halo, egal welches, ist MW1, 2 oder 3 in allen Belangen überlegen.
      10 14 Melden
    • michiOW 08.11.2016 13:44
      Highlight Ich spiele Halo nicht, weil es Sci-Fi ist. Das ist der einizige Grund.

      Ich kann weder das Gameplay oder die Story von Halo beschreiben.
      1 0 Melden
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  • NumeIch 07.11.2016 19:39
    Highlight Dabei ist Infinity Warfare endlich wiedereinmal ein gutes Call of Dury geworden, Black Ops 3 2-4 fürchterlich. Aber Hate gegen CoD ist aktuell so En Vogue.
    2 17 Melden
    • Imfall 07.11.2016 21:28
      Highlight hmmm
      27 2 Melden
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  • Pixie13 07.11.2016 19:35
    Highlight Als langjähriger CoD Fan muss ich sagen, dass m.E. die Serie echt mühsam und langweilig wird. Bin kein Fan von Science Fiction Shooter, die letzten Ableger waren alles dasselbe! Schade, da hat EA mit BF 1 etwas deutlich besser gemacht.
    26 1 Melden
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  • smoenybfan 07.11.2016 17:41
    Highlight Keine Erwähnung des Zombiemodus? Für viele gerade der Kaufgrund. Schliesslich hat Infinity Ward das sehr beliebte Konzept von Treyarch übernommen.
    Meiner Meinung nach tut die spassige Grundatmosphäre dem Modus zwar gut, allerdings hat IW etwas übers Ziel herausgeschossen. Die Map wirkt extrem chaotisch und übersichtlich, jedenfalls in den ersten Stunden. Auch die Schwierigkeit finde ich zu hart. Gerade neue Spieler dürften anfangs heillos überfordert sein.
    Aber es verkürzt auf jeden Fall die Wartezeit auf die nächsten Maps von Treyarch ;)
    5 12 Melden
    • deleted_344616862 07.11.2016 18:29
      Highlight Momol wird erwähnt :) "Darüber hinaus gibt es den kooperativen Zombie-Modus für bis zu vier Spieler, diesmal im Stil alter Horror-B-Movies und mit einem Gastauftritt von David Hasselhoff. "
      8 1 Melden
    • milkdefeater 07.11.2016 20:36
      Highlight Lies. Den. Text.
      11 1 Melden
    • smoenybfan 07.11.2016 21:15
      Highlight Naja, nicht genügend. Ein Satz reicht aus meiner Sicht da nicht aus. CoD Zombies hat gerade in der Community einen hohen Stellenwert, vermutlich sogar höher als die Kampagne. Besonders wenn man betrachtet, wie sich IW um den Hype um den Modus bemühte. Aber ja, falsch ausgedrückt, mein Fehler 😬
      9 2 Melden
    • deleted_344616862 07.11.2016 21:30
      Highlight Ich verstehe das nicht, ich habe eine absolute Abneigung für den Zombie Modus, ich Spiel da lieber Kampagne, aber vielleicht kannst du mir erklären warum das so beliebt ist, eventuell denk ich da zu simpel, ich finde für Zombies hol ich mir resident Evil oder Dead Island, aber wie gesagt ich lass mich gerne des besseren belehren :)
      4 4 Melden
    • smoenybfan 07.11.2016 21:46
      Highlight Darf ich fragen, bei welchem CoD du in den Zombiemodus geschnuppert hast? :) Ich finde nämlich je später man einsteigen wollte, desto schwieriger wurde es, weil es doch eher schwieriger wurde (zB der Beast Mode in Shadows of Evil (BO3)). Ich denke die Beliebtheit kommt Mal grundsätzlich vom rundenbasierten Modus und dann auch von den storybasierten Maps. Der Zombiemodus hat ja seine eigene Geschichte, die im World At WR begann und nun mit BO3 abgeschlossen wurde. Die Story wird einerseits über die Cutscenes, aber auch durch diverse kleinere Easter Eggs und die Rätsel erzählt, (...)
      3 0 Melden
    • smoenybfan 07.11.2016 21:54
      Highlight wobei jede Map (seit ShangriLa aus BO1) ein hauptsächliches Easter Egg hat, das eben die Geschichte erzählt. Diese Eastereggs sind auch gar nicht einfach zu lösen, ich habe erst eines geschafft.
      Ich finde auch die Community toll, gerade bei der Suche nach Eastereggs. Für BO3 sind nun auch die Mod Tools erschienen, womit jeder seine eigene Map basteln kann, dass das Potential vorhanden ist hat man schon bei WaW Mods gesehen :)
      Etwas unstrukturierte Auflistung merk ich gerade 😅 ich such Mal, ob ich noch eine Art Videozusammenfassung finde :P
      3 0 Melden
    • smoenybfan 07.11.2016 22:08
      Highlight Ist ein etwas längeres Video, aber fasst die (doch etwas komplizierte, 8-jährige) Story grob zusammen :)
      Ob man den Modus mag hängt aber sicher davon ab, was man spielen will. Für rundenbasierten Koop-Spass mit Tiefe ist es super, wenn man lieber Horror hat wird es wohl nicht das richtige sein. Und jetzt Bremse ich mit Kommentare spammen :P
      2 0 Melden
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  • Swarup 07.11.2016 16:33
    Highlight Und wo bleibt die Schweiz in dem Text?
    Oder kapiere ich den Titel einfach nicht?
    8 4 Melden
    • Joseph Dredd 08.11.2016 08:05
      Highlight Die Storyline der Singleplayerkampagne beginnt in Genf, wo die "United Nations Space Alliance" ihre 'Fleet Week' feiert...
      4 0 Melden
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  • Enes Sözeri 07.11.2016 15:40
    Highlight Echt.. Ein Artikel über Call of duty, aber keins über battlefield 1? was wesentlich besser ist.

    Es sei denn ich hab es verpasst , dann verzeiht mir =)
    77 2 Melden
    • AdiB 07.11.2016 17:02
      Highlight Bf1 ist wahrscheinlich besser, aber die ladezeiten sind zuviel auch das alles langsam ist nervt. Ich habe mitlerweile die empfindlichkeit auf 100% und habe immernoch das gefühl es ist langsamer als bf4 mit 50%. Bf1 braucht ein haufen patches bis es rund läuft.
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    • Enes Sözeri 07.11.2016 17:27
      Highlight Im vergleich zur bf4, hat bf1 einen Wunderbaren start hingelegt.

      Keine nennenswerten Bugs entdeckt bis jetzt. Spielzeit 25 Stunden.

      Die Empfindlichkeit ist bei beiden Spielen nahezu identisch, bzw ich habe nix gemerkt. Muss ich mal. Drauf achten später.

      Ladezeiten,da gebe ich dir recht! Bei Eroberung dauert es Mega lange. Aber ich spiele seid paar tagen Vorherrschaft, weil ich mal schnelle Gefechte haben wollte und da geht es ziemlich schnell.

      Das grosse November Update ist bald verfügbar, dann wirst auch hoffentlich du zufrieden gestellt =)
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    • TrueClock 07.11.2016 17:37
      Highlight Ladezeiten in BF1 gehen in Ordnung, vorausgesetzt du hast es auf einer SSD installiert. Das alles langsam ist kann ich jetzt so nicht ganz nachvollziehen. Du kannst deine Mausempfindlichkeit auch ausserhalb des Spiels ändern. Vielleicht wäre ein Upgrade deiner Maus nötig. Auch bin ich der meinung das es sehr gut läuft. Ab einer 970 läuft es wunderbar.
      Zum Thema: seit CoD MW2 habe ich keins mehr gekauft. Alle mal angespielt, aber das erste MW oder die klassiker davor waren Welten besser
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