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Der Berg hilft

Nerven mal wieder Kollegen und Familie? Dann spielen Sie eine Runde «Mountain» – seltsam, wunderschön und beruhigend

Sie sind gestresst und finden keine Ruhe? Dann hilft vielleicht der Bergsimulator «Mountain».

03.07.14, 08:49 07.09.14, 17:48

Markus Böhm / Spiegel Online

Ein Artikel von

In den ersten Momenten ist noch unklar, was es mit «Mountain» auf sich hat: «Keine Steuerung, automatisches Speichern, Ton an- und abschalten, die Zeit schreitet voran», heisst es in der offiziellen Beschreibung. Will hier wirklich jemand ein neues Spiel für PC, Mac und iOS bewerben? Oder ist das der Klappentext einer Kaminfeuer-DVD?

Startet «Mountain», hat der Spieler zunächst die Aufgabe, etwas zu zeichnen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass man nach der «wichtigsten Sache» gefragt wird. Ob das ein Lachen, ein Herz oder vielleicht ein Fussball ist, bleibt einem selbst überlassen.

Nach diesem Kreativpart beginnt das eigentliche Spiel – das mehr ein Erlebnis ist. Angeblich auf Basis der Zeichnungen generiert «Mountain» einen individuellen Berg für den Spieler, den dieser fortan beobachten kann. Ja, beobachten – das Bild lässt sich drehen und zoomen, direkt mit dem Berg interagieren kann man jedoch nicht. Eine Art virtuelles Klavier ermöglicht es lediglich, ein wenig Musik zu machen.

Ein Gegenpunkt zu hektischen Spielen

So vergeht die Zeit, während sich der im Weltall schwebende Berg langsam verändert: Mal ziehen dichte Wolken um den Gipfel, mal regnet es. Manchmal ist alles schneebedeckt, ein andermal landen auf den Hängen seltsame und überdimensionierte Dinge wie eine Bowling-Kugel, eine Flaschenpost, ein Pferd oder eine Banane. Es kommt sogar vor, dass der Berg dem Spieler per Textnachricht seine Gefühle offenbart, zum Beispiel: «Ich bin voller Steine, Dreck und Liebe».

So absurd das alles klingt, so interessant ist es, dem Berg zuzusehen – egal, ob parallel zum WM-Spiel oder am Arbeitsplatz. Weil es immer neue Kleinigkeiten zu entdecken gibt, weil die Grafik wirklich hübsch ist. Vielleicht ist der Simulator auch einfach ein guter Gegenpunkt zu all den hektischen Spielen wie «Flappy Bird», in denen man ständig klicken oder tippen muss, damit nicht schon wieder alles von Vorn losgeht. Angenehm ist auch, dass «Mountain» nie wie ein Satire-Projekt wirkt, wie etwa ein Stein- und ein Gras-Simulator, die dieser Tage angekündigt wurden.

Auf Twitter haben bereits diverse Spieler ihre Erlebnisse mit «Mountain» beschrieben – von den Zeichnungen zu Spielbeginn bis hin zu den kuriosen Objekten, die sich auf dem eigenen Stück Natur angesammelt haben. Englischsprachige Tests zu «Mountain» tragen Titel wie: «Ein winziger, sprechender Berg macht tatsächlich mein Leben besser» und «Einen Bergsimulator zu spielen, ist überraschend emotional».

Der Spielerfinder ist kein Unbekannter

Wer wissen will, was dem eigenen Berg im Verlauf mehrerer Tage alles passieren kann, dem seien die Erfahrungsprotokolle dreier Spieler im Blog «Rock, Paper, Shotgun» empfohlen: Spätestens diese Lektüre dürfte Lust machen, die App für günstige 0,89 Euro (iOS) beziehungsweise einen Dollar (Windows, Mac, Linux) auszuprobieren.

Befeuert wird der Hype um «Mountain» übrigens vom Ruf seines Machers. David O'Reilly ist sonst vor allem Filmemacher, bekannt machte ihn zum Beispiel der Animationsfilm «The External World». Für den dieses Jahr Oscar-prämierten Kinofilm «Her» erfand O'Reilly ein nur in der Science-Fiction-Welt existentes Spiel namens «Alien Child», mit dem sich die einsame Hauptfigur ihre Zeit vertreibt.

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