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epa04203518 (FILE) A file photo dated 03 January 2013 showing a Google logo at their New York Offices, New York, New York, USA. Internet search engine operators must remove links to outdated personal data from their results pages, the European Union's top court ruled 13 May 2014, in a case brought by Google against the Spanish data protection authorities. The case relates to a Spanish man whose name was published in a newspaper in 1998 as the owner of a property to be auctioned off because of debts. Links to this information continued to appear in Google searches for his name. Since 2009, the man has attempted to have the online information erased, arguing that the proceedings had concluded many years previously and were no longer relevant. Spain's data protection agency sided with him in 2010, ordering Google to remove the links. The internet giant appealed, and a Spanish court turned to the European Court of Justice for advice. But the ECJ decided that, under EU law, an internet search engine operator 'is responsible for the processing that it carries out of personal data which appear on its web pages' - including material that has already been published in the media.  EPA/ANDREW GOMBERT

Bild: EPA/EPA FILE

Suchmaschinen-Macht

Schluss mit dem Google-Bashing

Die Debatte über die Macht von Google wird oft irrational geführt. Viele Deutsche misstrauen dem Konzern, befürworten gar seine Zerschlagung. Viel sinnvoller wäre es, endlich eine eigene Vision der digitalen Zukunft zu entwickeln.

26.05.14, 08:06 26.05.14, 11:32

Ein Artikel von

Thomas Schulz, San Francisco / Spiegel Online

Ich habe sehr viel mit Google zu tun. Fast jede Woche bin ich vor Ort in der Firmenzentrale zu Produktpräsentationen von Ingenieuren, Interviewrunden mit Programmierern oder Hintergrundgesprächen mit Managern. Wenn man die deutsche Debatte über Google verfolgt, scheint es, als müsste ich mich dabei mit sinistren Verschwörern auseinandersetzen, die hinter verschlossenen Türen den Untergang des Abendlandes planen.

Vielleicht hätten viele Deutsche einen anderen Eindruck von Google, wenn sie einen Nachmittag auf dem Firmencampus verbringen würden. Wahrscheinlich würden sich viele erstaunlich wohl fühlen. Auf den ersten Blick scheint es fast, als wäre man in einem Zentrum der deutschen Alternativkultur gelandet. Fleecejacken und Barfuss-Turnschuhe bestimmen das Bild. Es gibt Tofu, der Geruch von Marihuana liegt in der Luft, und die Wände sind mit «Rettet die Ozeane»-Postern plakatiert.

Stattdessen fühlen sich viele deutsche Google-Mitarbeiter nicht mehr wohl damit, wie es in ihrer Heimat zugeht, wenn ihr Arbeitgeber zur Sprache kommt. Sie sind die giftigen Kommentare leid. Sie wollen nicht ständig das Gefühl vermittelt bekommen, «für einen Waffenhändler zu arbeiten», wie es ein deutscher Google-Ingenieur formuliert.

Natürlich ist der Konzern kritisch zu betrachten. Zu oft reagierte das Unternehmen unsensibel oder arrogant auf Proteste.

Die anhaltende Kritik zeigt aber Wirkung. Die Konzernführung ist inzwischen erstaunlich sensibilisiert für alles, was in Deutschland passiert. Egal, mit wem man bei Google spricht, Topmanagement oder einfacher Programmierer: Es wird viel stärker darüber nachgedacht, wie das Unternehmen auftritt und sein Geschäft baut.

Immer wieder kommt es zu Demonstrationen vor dem Google-Hauptquartier in Mountain View. Bild: Reuters

Der Chef der deutschen SPD fordert die Zerschlagung

In Deutschland artet die Kritik oft in Anti-Google-Hysterie aus. SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert die Zerschlagung des Konzerns. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Löschen persönlicher Daten aus den Suchergebnissen wurde bejubelt, als sei einem Serienverbrecher das Handwerk gelegt worden. Der Chef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, verkündet, er habe Angst vor Google. Quer durch die Bank fordern Politiker, Kommentatoren und Bürokraten, den Konzern zu regulieren, zu bekämpfen, zu beschneiden.

Man ahnt schon: Wenn Deutschland nicht die Fussball-WM gewinnt, muss auch Google daran schuld sein.

Gerne vergessen wird dabei, dass Google nur so mächtig ist, weil Milliarden von Menschen täglich E-Mail, Suchmaschine, Android-Smartphones und all die anderen Produkte des Konzerns nutzen.

In den USA wundert man sich sehr darüber, dass es ausgerechnet in der Ingenieurs- und Technikernation Deutschland so en vogue ist, sich über Google aufzuregen.

Nicht selten warnen gerade jene, die noch vor wenigen Jahren über die Bedeutung des Internets gelacht haben, nun am lautesten vor den Verwerfungen durch die Digitalisierung. Solche Umbrüche spülen immer unterschwellige Technophobie nach oben. Bei der Erfindung von Dampfmaschine und Automobil war das nicht anders.

Die Google Glass, hier auf der Nase von Prince Charles, dürfte Google auch nicht helfen, mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung zu finden. Bild: Reuters

Tatsächlich sind die Umwälzungen nun ähnlich gross. Die digitale Revolution geht erst richtig los. Computerisierung und immer intelligentere Software sind dabei, einen Wirtschaftszweig nach dem anderen umzupflügen. Wenn immer mehr Arbeit von Software und Maschinen übernommen wird, wächst auch der Lohndruck. Zumindest in bestimmten Einkommensklassen.

Das sind grosse Themen. Sie müssen diskutiert werden, viel intensiver als bislang.

Am Ende muss es doch darum gehen: den US-Konzernen Paroli zu bieten mit einem eigenen Entwurf der digitalen Zukunft. Deutschland läuft noch immer hinterher. Es muss endlich eine stärkere IT-Industrie entstehen, die global führende technologische Kompetenz bei Maschinen und Mechanik auf Bits und Bytes übertragen werden.

Natürlich darf es nicht sein, dass Google und die anderen US-Konzerne ihre Milliardengewinne und geradezu obszönen Bargeldreserven dazu nutzen, irgendwann einfach die halbe deutsche Industrie aufzukaufen.

Aber wäre es nicht sinnvoller, alle politischen und wirtschaftlichen Anstrengungen darauf zu verwenden, etwas Eigenes zu bauen, statt nach der Zerschlagung anderer zu schreien?

«Spiegel»-Korrespondent Thomas Schulz berichtet regelmässig aus dem Silicon Valley und blickt hinter die Kulissen der digitalen Revolution, die rund um die Welt Gesellschaft und Wirtschaft verändert.

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