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Allo: Im Hintergrund der neuen Chat-App von Google arbeitet eine künstliche Intelligenz.

Sag «Allo»! Googles schlaue Chat-App im grossen Test

Googles neuer Messenger für iPhone und Android kann dank künstlicher Intelligenz weit mehr als WhatsApp oder der Facebook Messenger. Was die Chat-App besonders macht und ob sich der Umstieg lohnt, zeigt unser Praxistest.

Publiziert: 22.09.16, 20:04 Aktualisiert: 23.09.16, 14:37

Teresa Sickert / spiegel online

Ein Artikel von

Allo ist bunt, verspielt und könnte zu einem ziemlich guten Freund vieler Smartphone-Besitzer werden. Der intelligente Messenger von Google wartet mit umfangreichen Funktionen auf. In den USA ist die Software seit Mittwoch für iOS und Android verfügbar, in der Schweiz soll sie in den nächsten Tagen erscheinen. Wir haben die US-Version ausprobiert.

Im Hintergrund der Chat-App arbeitet eine künstliche Intelligenz (KI), die das Chat-Erlebnis mit den Freunden verbessern soll. Zusätzlich bietet Allo mit dem Google Assistant einen persönlichen Helfer. Der Assistent ist die Suchmaschine in Chatform. Der persönliche Chefsekretär, der über alles Bescheid weiss: Am Morgen teilt er das Wetter mit, tagsüber die anstehenden Termine und abends, wo man am besten noch ein Bier trinken geht.

So funktioniert Googles Allo

Video: YouTube/The Verge

Allo will alles wissen – und weiss alles

Um Allo nutzen zu können, muss man sich weder namentlich registrieren noch ein Google-Konto besitzen. Stattdessen gibt man seine Mobilfunknummer an, die Google mithilfe einer SMS verifiziert. Die App durchsucht daraufhin das Telefonbuch des Handys und kann dann sagen, wer von den Kontakten bereits Allo nutzt. Freunde, die die App noch nicht haben, kann man per SMS einladen.

Das kann Allo

Der Google-Messenger verlangt nach grosszügigen Zugriffsberechtigungen: Kontakte, Nachrichten, GPS-Daten, Kamera, Fotos – alles. Nur so kann der Google Assistant, mit dem man über einen Chat kommuniziert, in vollem Umfang aktiv werden. Egal ob Restaurantempfehlung, die Route für die Dienstreise oder ein kleines Spiel für zwischendurch – das alles kann per Chat erledigt werden.

Noch ist die Standardsprache für den neuen Google-Messenger Englisch. Das soll sich aber künftig ändern. Google hat bereits angekündigt, Allo und den zugehörigen Assistenten in diversen Sprachen – auch Deutsch – anzubieten. Spricht man ihn derzeit auf Deutsch an, bedauert der Google Assistant: «Entschuldigung, ich lerne gerade noch Deutsch, aber in der Zwischenzeit kann ich das auf Google für dich suchen.»

Google Assistant reagiert auf Stichworte

Um mit dem Assistenten zu kommunizieren, reicht es, ihm ein paar Stichworte zuzuwerfen. Über die Sprachfunktion funktioniert das nur sehr schlecht, getippt hingegen ziemlich gut. Auf «Weather» reagiert der Assistent mit der passenden Wetterangabe zu meinem aktuellen Standort Hamburg. Zugleich bietet der Assistent die Möglichkeit, eine tägliche Erinnerung fürs Wetter einzurichten.

Beim Stichwort «Spiegel Online» spuckt der Assistent die aktuellen Headlines aus. Auf die Anfrage «Train to Berlin» spuckt er eine Route aus, die in Google Maps geöffnet wird. YouTube-Videos spielt Allo direkt im Messengerfenster ab. Durch seine umfangreichen Zugriffsrechte ist der Assistent in der Lage, eigenständig Termineinträge vorzunehmen und E-Mails zu durchsuchen – zumindest die, die sich im Gmail-Postfach befinden.

Mehr als Chatten: Der neue Google Assistant ist in Allo integriert

Mit Google Assistant kann man direkt in Allo mit Google sprechen – sprich Fragen stellen und alle möglichen Dinge direkt in der Chat-App erledigen: Adresse nachsehen, ein YouTube-Video teilen oder ein Restaurant fürs Abendessen auswählen.

Im Vergleich zum Facebook-Messenger, der ebenfalls mit Chatbots experimentiert, ist Allo ein wahrer Genuss. Die Kommunikation mit den meisten Facebook-Bots, die von Dritten und nicht vom Internetkonzern selbst kommen, ist sehr hölzern. Allo wirkt dagegen regelrecht lebendig. Auch wenn nicht alle Antworten des Assistenten uneingeschränkt zufriedenstellend sind.

Trotzdem bietet Allo die erste künstliche Intelligenz (KI) in einem Messenger, die wirklich Spass macht. Die Facebook-Bots hingegen sind eine Spielerei für Early Adopter, wirklich nützlich sind sie nicht. Hinzu kommt, dass Google eine andere Strategie verfolgt. Statt auf viele einzelne Chatbots zu setzen, die unterschiedliche Aufgaben erledigen, gibt es nur einen Assistenten.

Damit macht Allo es überflüssig, ständig zwischen verschiedenen Apps hin und her wechseln zu müssen. Einen Grossteil seines Online-Lebens könnte man in Allo erledigen – und dabei mit seinen Freunden in Kontakt bleiben.

Auch im Chat läuft die KI nebenher

Denn neben dem praktischen Assistenten kann Allo auch zum Chatten mit Freunden benutzt werden. Im Chat gibt es vieles, was auch andere moderne Messenger und Social-Media-Dienste anbieten. Neben der Möglichkeit, in Fotos herumzumalen und in sie hineinzuschreiben, können Allo-Nutzer auch zwischen drei Sticker-Sets wählen. Im Vergleich zum Facebook Messenger oder iMessage ist das sehr dürftig. Doch auch hier soll in Zukunft aufgestockt werden.

Zudem kann man die Schriftgrösse verändern. Wenn man beim Versenden der Nachrichten etwas länger auf den Absende-Button drückt, öffnet sich ein Schieberegler, mit dem man die Schrift skalieren kann.

Die KI ist auch im Chat aktiv. Hier soll sie dafür sorgen, dass die Kommunikation der Nutzer beschleunigt wird. Statt selber zu tippen, können die Nutzer unter bestimmten Antwort-Optionen auswählen. So erkennt Allo Sprache, aber auch Bilder und schlägt als passende Reaktion auf ein Sonnenuntergangsbild beispielsweise «Beautiful sunset» (schöner Sonnenuntergang) oder «Gorgeous» (hinreissend) vor.

Mit der Funktion «Intelligente Antwort» kann man einfach auf die vorgeschlagene Antwort tippen und schnell auf die Nachricht reagieren

Die künstliche Intelligenz analysiert das Foto, erkennt einen süssen Welpen und schlägt mögliche Antworten vor. Die KI lernt mit der Zeit, was du vermutlich antworten möchtest, und schlägt immer bessere Antworten vor. gif: google

Das ist zwar beeindruckend, weil die KI sehr gut erkennt, was im Chatfenster passiert. Die Reaktionen hingegen sind alles andere als menschelnd, hier muss man doch noch selber tippen. Aber die KI kann ja noch dazulernen.

Auf Wunsch sind Chats verschlüsselt

Dass im Hintergrund von Allo eine lernfähige Software läuft, ist auch der Grund dafür, warum die Chats nicht standardmässig verschlüsselt sind. Google braucht die Chat-Daten, um sinnvoll reagieren zu können. Je mehr Daten die App sammelt, desto besser funktioniert der Chat und auch der Google Assistant. Trotzdem können Nutzer in einen Inkognito-Modus wechseln: Konversationen sind dann Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Komfortfunktionen wie etwa die automatischen Antwortvorschläge funktionieren dann nicht.

Nutzer können optional in einen Inkognito-Modus wechseln: Chats sind dann Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Zusatzfunktionen wie etwa die automatischen Antwortvorschläge funktionieren dann nicht.

Indem Allo den Nutzer entscheiden lässt, ob er verschlüsselt kommunizieren will oder nicht, setzt sich der Messenger von seinen grossen Konkurrenten ab. WhatsApp ist standardmässig verschlüsselt, aber ohne Intelligenz. Im Facebook-Messenger gibt es zwar auch Chatbots, jedoch nicht die Möglichkeit, sicher zu kommunizieren.

So stellt Google seine smarte Chat-App im Video vor

Der Start von Google Allo für Android und iOS beginnt ab sofort und die App wird in den nächsten Tagen weltweit erhältlich sein. Video: YouTube/Google

Fazit

Google hat mit seinem neuen Messenger vieles richtig gemacht: Allo hat das Potenzial, den Umfang an Apps auf dem Smartphone zu verschlanken. Der Google Assistant ist eine sinnvolle Schnittstelle zu diversen Internetdiensten. Die grosse Datenbasis, auf die Googles künstliche Intelligenz zurückgreifen kann, beweist sich dabei als enormer Vorteil. Damit das richtig funktioniert, muss man dem Konzern allerdings auch weitreichende Zugriffsrechte auf seine Daten einräumen.

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7 Kommentare anzeigen
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  • Driver7 23.09.2016 05:48
    Highlight Und im nächsten update chaten dann die Bots selbständig zusammen.. :-) ich denke nicht das das Ding erfolg hat.. Jedenfalls nicht im europäischen Raum. Die Funktionen machen kaum Sinn und die Bedenken beim Datenschutz sind zu hoch. Um zu wissen wo ich nach Feierabend ein Bier trinke werde ich sicher nicht mein Handy fragen ^^
    12 1 Melden
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  • Meitlibei 23.09.2016 04:33
    Highlight Für die nächste Generation spielt diese "Angst" vor der Herausgabe der Daten keine Rolle mehr. Die kennen ja dann nichts anderes und werden mit solchen Dingen gross. Und ich glaube es spielt eh keine Rolle, wir werden heute schon mehr überwacht als wir wollen oder denken und wir werden dies nicht mehr aufhalten können.
    4 11 Melden
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  • Zuagroasta 22.09.2016 21:15
    Highlight "Damit das richtig funktioniert, muss man dem Konzern allerdings auch weitreichende Zugriffsrechte auf seine Daten einräumen." (sic)

    Und damit ist alles zu Allo gesagt.

    Finger weg. Da verspricht selbst die Datenschleuder whatsapp noch mehr Privatssphäre.

    60 8 Melden
    • Bruno S. 88 22.09.2016 21:33
      Highlight Funmtioniert die Funtkion mit den Nachricht Vorschlägen auch wenn schweizerdeutsch geschrieben wird?
      0 22 Melden
    • TheMan 22.09.2016 22:39
      Highlight Bruno S. 88 momentan gibt es das App nur auf Englisch. Und das App versteht momentan nur Englisch.
      9 1 Melden
    • Electric Elephant 22.09.2016 23:05
      Highlight Naja, also ich werde Allo sicher auch nicht nutzen, aber WhatsApp? Google ist eine Datenkrake aber im Vergleich mit Facebook/WhatsApp ist es zumindest einigermaßen transparent... Gut, wer ist das im Vergleich mit FB nicht... Ich setze da auf Signal oder Threema...
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    • Zuagroasta 23.09.2016 05:00
      Highlight Electric Elephant, die Technik der Verschlüsselung von whatsapp stammt von Whispers Systems aka Signal. Nach meinem Empfinden ziemlich vertrauenswürdig.
      Aber du hast Recht, auch von WA sollte man die Finger lassen, da die mittlerweile die ganzen Telefonnumern der User abgreifen.
      Deswegen das Orginal (Signal) oder Threema. :)
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