Digital

Zu viele Kommentare: Trumps Tweets bringen Twitter an seine Grenze

Manche wittern eine Verschwörung, andere Zensur, wenn ihre Kommentare unter den Tweets von Donald Trump abgeschnitten werden. Doch der wahre Grund ist viel banaler – und hat nichts mit Politik zu tun.

11.02.17, 18:23 12.02.17, 14:21

Ein Artikel von

Der Umgang des amtierenden US-Präsidenten mit Twitter sorgt regelmässig für Aufregung und Diskussionen. Als Donald Trump vorschlug, man solle das Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten lieber absagen, wenn Mexiko nicht für die geplante Grenzmauer zahlen wolle, wurde das 42'000-mal kommentiert. Seine Reaktion auf den Stopp des Einreiseverbots kam bis zum Sonnabend auf fast 150'000 Kommentare. Das ist für Twitter offenbar zu viel.

Denn viele der Kommentare, die unter Trumps Tweets gepostet werden, sind dort nach einer Weile nicht mehr zu finden. Statt in der Timeline unter dem fraglichen Tweet zu erscheinen, werden sie von der Diskussion abgekoppelt, finden sich plötzlich vollkommen isoliert nur noch in der Timeline des kommentierenden Nutzers, berichtet Mashable.

Bei den Betroffenen sorgt das mal für Verwirrung, mal für verwundertes Staunen, meist aber für Befürchtungen. Zensiert Twitter womöglich unliebsame Tweets? Oder ist es gar das Team von Mr Trump, das die Strippen zieht und einzelne Kommentare aus der Diskussion herauslöst?

So argwöhnt etwa Twitter-Nutzer misty shakleford, das soziale Netzwerk würde Zensur ausüben:

Eine eigene Diskussion brachte der britische Entrepreneur AJ Joshi in Gang, als er zeigte, wie seine Kommentare zu Trump-Tweets vom ursprünglichen Diskussionsstrang gelöst wurden. Er vermutete, das Trump-Team würde einfach alle negativen Kommentare entfernen lassen, um den Eindruck grösstmöglicher Zustimmung zu erwecken.

Dass dem nicht ganz sein konnte, entdeckte dann aber Mike Keen, der seine Erkenntnisse bei Medium aufschrieb. Er bewies, dass seine Kommentare auch dann von der Diskussion getrennt wurden, wenn er unterstützende Pro-Trump-Kommentare sendete.

Binnen weniger Sekunden nachdem er ihn gepostet hatte, klickten 27 Nutzer das Herzchen zu diesem Kommentar an, danach hörte die Beteiligung anderer abrupt auf, weil Keens Kommentar nicht mehr in Trumps Account, sondern nur noch in seinem eigenen zu sehen war. Mike Keen hat etwas mehr als 600 Follower, der Account von Donald Trump fast 25 Millionen, der offizielle Account des US-Präsidenten 15 Millionen.

Tatsächlich, so hat es «Mashable» herausgefunden, ist es ein rein technisches Problem, das dafür sorgt, dass manche Beiträge von manchen Diskussionen abgetrennt werden. Offenbar ist es schlicht ein alter Programmierfehler, der Twitter bei langen Diskussionen zu schaffen macht.

Leslie Miley, ein ehemaliger leitender Twitter-Mitarbeiter erklärte «Mashable»: «Ob das vorher schon ein Problem war? Ja.» Nur habe das soziale Netzwerk wohl nicht mit einem Nutzer wie Trump gerechnet, der das System an seine Grenzen bringen würde.

Am Freitagabend schliesslich äusserte sich Twitter selbst zu der Problematik und den Gerüchten über die verschwundenen Kommentare.

Auf der deutschen Twitter-Seite lautet die Erklärung schlicht: «Wenn du deine Antwort nicht unter dem ursprünglichen Tweet eines Accounts siehst, liegt das daran, dass wir momentan nicht jede Antwort auf einen bestimmten Tweet in den Details des jeweiligen Tweets anzeigen können.»

Überrascht wurde Twitter von dem Problem jedoch nicht. Laut Twitter-Manager Ed Ho ist es ein «lange bekanntes technisches Problem». Man arbeite aber an einer Lösung. Anzunehmen ist, dass diese Arbeiten nach den Diskussionen der vergangenen Tage in der Prioritätenliste der Twitter-IT nach ganz oben gerutscht sind.

mak

Bald gibt's mehr davon: Die besten Tweets von Trump

Mehr zu Donald Trump:

Seid froh, dass ihr nicht Donald Trump seid! Sein September wird turbulent

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Sie will Trumps Geisteszustand überprüfen lassen

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in 7 Akten

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
16Alle Kommentare anzeigen
16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • fczzsc 12.02.2017 00:01
    Highlight Trump's account löschen! Problem gelöst...
    8 8 Melden
  • meglo 11.02.2017 23:12
    Highlight Eigentlich hätte der Präsident des mächtigsten Landes der Erde gescheiteres zu tun, als über Twitter unausgegorenen Blödsinn zu verbreiten. Twitter täte gut daran, Trumps Twitter Account zu sperren. Damit liesse sich das aktuelle Problem nämlich lösen und Trump könnte nachts besser schlafen. Ein ausgeschlafener Trump dürfte wohl auch noch kein guter Präsident werden, aber man darf ja die Hoffnung nie aufgeben.
    8 8 Melden
  • flyingdutch18 11.02.2017 22:57
    Highlight Kein Wunder, ist Twitter in der Krise.
    2 5 Melden
  • sambeat 11.02.2017 21:41
    Highlight Langsam wirds langweilig find ich....
    13 3 Melden
  • fabsli 11.02.2017 21:20
    Highlight "Die besten 21 Tweets von Donald Trump"? Wenns denn wenigstens einen gegeben hätte.
    3 7 Melden
  • lilie 11.02.2017 20:30
    Highlight Die Leute sind ja echt paranoid. Die glauben doch nicht wirklich, dass irgendjemand 150'000 Antworten durchliest und sie aussortiert???

    Den Herrn sollte man sowieso sperren auf Twitter. Oder vielleicht doch nicht, solange er nur twittert, stellt er wenigstens nichts dümmeres an... 😒
    16 8 Melden
  • Butzdi 11.02.2017 19:47
    Highlight Das Hauptproblem liegt daran, dass die Hälfte der Kommentare erst von Russisch auf Englisch übersetzt werden und das belastet die Server extrem.
    47 10 Melden
    • Midnight 11.02.2017 20:36
      Highlight 😂😂😂
      20 3 Melden
  • Zeit_Genosse 11.02.2017 19:47
    Highlight Eigentlich sollten Millionen User ein datenreiches Bild an den Präsidenten auf jeden Tweet senden, dass Twitter an den Rand der Verzweiflung gebracht wird und ein digitaler Protest sichtbar wird, oder sogar das Account überlastet wird. Wenn der Müll raus lässt, sollte ihm millionenmal Müll zurück gesendet werden. Könnte das funktionieren?
    31 8 Melden
    • ThomasHiller 11.02.2017 20:01
      Highlight Zwar finde ich solche Ideen durchaus immer charmant, wenn sie meine eigenen (politischen) Vorstellungen fördern.

      Aber eine wirklich produktive Diskussionsidee ist das nicht ;)
      12 5 Melden
    • Zeit_Genosse 12.02.2017 07:31
      Highlight Es geht doch auch darum, dass sich der Präsident der USA, ob man ihn mag oder nicht, beleidigend und rassistitisch auf Twitter bewegt und das von Twitter nicht sanktioniert wird, wo doch sonst alle Tweets mit solchen Inhalten letztlich zu Accountschliessungen führen. Hier ist Twitter nicht nur technisch am Zug.
      5 0 Melden
    • ThomasHiller 12.02.2017 10:35
      Highlight Ja, aber das ist so ein bisschen sich auf sein Niveau einlassen.
      Und du weißt ja: Man sollte sich nie auf das Niveau von Idioten herablassen, denn dort schlagen sie einen mit Erfahrung... ;)
      7 0 Melden
  • Rendel 11.02.2017 19:45
    Highlight Dann soll Twitter einfach die ersten x Kommentare zulassen und dann stoppen und das ehrlich kommunizieren, dass sie überfordert sind.
    25 0 Melden
  • SemperFi 11.02.2017 18:38
    Highlight Ich denke dass ab dem 13'452 Kommentar keine wesentlichen neuen Diskussionsbeiträge kommen. Und dass jemand die ganzen 42'000 Kommentare liest, ist wohl auch illusorisch. Also, was soll's?
    62 4 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 11.02.2017 20:01
      Highlight Vermutlich wurden >80% der 42'000 Kommentare von irgendwelchen Twitter-Bots für irgendwelche andere Twitter-Bots getextet. Die Bots haben gar kein Problem damit, kurz mal 42'000 Kommentare zu verspeisen, sie zu verdauen, und dann schliesslich 1'000 Kommentare ins Twitter zu pinkeln. Bots mögen das. Ohne Futter könnten sie nicht leben; und auch nicht pinkeln.
      12 3 Melden
    • Rendel 11.02.2017 20:09
      Highlight Das weisse Haus liest sicher alles und führt Fichen ^^ .
      13 3 Melden

So machst du dein Facebook-Profil in fünf Minuten sicher 

Facebook ändert die Nutzungsbedingungen und greift ab Freitag noch mehr persönliche Daten ab. Das sind die wichtigsten Änderungen auf einen Blick – und so schützt du deine Privatsphäre auf Facebook.

Facebook aktualisiert zum 30. Januar 2015 seine Nutzungsbedingungen. Mitglieder des sozialen Netzwerks erhalten seit Ende 2014 die Aufforderung, die «aktualisierten Bedingungen» sowie die «Datenrichtlinie» und die «Cookies-Richtlinie» anzusehen. In diesem Artikel erklären wir dir im ersten Teil, was sich konkret ändert. Im zweiten Teil erfährst du, wie du deine Privatsphäre trotzdem einigermassen schützen kannst.

Nutzer sollten sich die Mühe machen, dieses umfangreiche Dokument …

Artikel lesen