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Taxi-Fahrer in Lausanne demonstrieren gegen den Fahrdienst Uber.  Bild: KEYSTONE

Angst vor der digitalen Revolution: 60 Prozent der Firmen sehen ihr Ende kommen

Die Digitalisierung bringt für die Wirtschaft grosse Umwälzungen. Eine Umfrage zeigt, dass mehr als jedes zweite Unternehmen befürchtet, in drei bis fünf Jahren vom Markt verschwunden zu sein.

Publiziert: 16.11.16, 09:00 Aktualisiert: 16.11.16, 09:24

Tommaso Manzin / aargauer zeitung

Digitalisierung ist ein Megatrend. Wie eine Naturgewalt scheint sie über alles hereinzubrechen, alles andere zu durchwirken, unaufhaltsam. Der reale Effekt der neusten Digitalisierungswelle, die unter der Bezeichnung «Industrie 4.0» an die früheren drei Industrierevolutionen anknüpft, wird noch diskutiert. Unbestritten ist, dass das Wort «disruptiv» bereits jenen durchschlagenden Erfolg hat, den die Revolution, für die es steht, noch vorweisen muss. Schliesslich könnte alles wieder nur ein Hype sein, wie die Tech-Hysterie, die als Dot-Com-Hype gegen Ende des alten Jahrtausends die Börsen vor sich hertrieb und zu Beginn des neuen schon wieder vorbei war.

Fragt man Manager, was denn genau sich so drastisch ändern werde, ist die Antwort oft auch wenig konkret. Um sich nicht fehlendes Gespür für Neues vorwerfen lassen zu müssen, warnen sie allgemein vor neuen Technologien, die die Branchen verändern werden – ohne natürlich zu vergessen, sie auch als Chancen zu bezeichnen. Dass sie verunsichert sind und nicht wissen, woher der Angriff aus der Zukunft kommen wird, zeigen aber unter anderem sogenannte Inkubatoren, die vor allem Grossunternehmen mit dem nötigen Kleingeld eingerichtet haben: Räume, wo Mitarbeiter (endlich) frei denken und jene Ideen ausbrüten sollen, die das Disruptive einbinden, zähmen und dienstbar machen sollen. Wenn es dann kommt.

Taxiunternehmen gingen in Konkurs

Ist also der jüngste Megatrend, die Digitalisierung, nur eine nebulöse Cloud aus Modebegriffen? Das scheint zunehmend unwahrscheinlich: Fast die Hälfte der Unternehmen befürchtet, in drei bis fünf Jahren vom Markt verschwunden zu sein. In der Schweiz sind es 60 Prozent. Dies geht aus der «Digital Business»-Studie von Dell Technologies hervor, in der global 4000 Entscheidungsträger aus Automobilindustrie, Finanzsektor, Gesundheitswesen, öffentlicher Hand und Einzelhandel befragt wurden.

Hat SMS weitgehend abgelöst: WhatsApp. Bild: RITCHIE B. TONGO/EPA/KEYSTONE

Die Studie, die uns exklusiv vorliegt, protokolliert nicht nur Zukunftsängste, sondern bereits gemachte Erfahrungen: Über die Hälfte der Unternehmen haben in den letzten drei Jahren disruptive Auswirkungen der Digitalisierung in ihrer Branche festgestellt. In der Schweiz sind es 71 Prozent. In der Telekom-Branche etwa, sagt General Manager Dell Schweiz, Achim Freyer, sei das Geld aus dem SMS-Geschäft «verdampft, versiegt, einfach weg». Auch der Kleiderverkauf merkt plötzlich, dass es nicht mehr ein Vorteil ist, den Laden in einer belebten Strasse zu haben. Alles, was zählt, sind Preis und Leistung. Stimmt eines von beiden nicht, findet sich sicher etwas im Internet. An der vibrierenden Einkaufsmeile bleibt die teure Miete.

Es gibt Beispiele, wo nicht nur ein Teil des Geschäfts wegbrach, sondern wegen der Digitalisierung eine ganze Firma schliessen musste. Das grösste Taxiunternehmen in San Francisco, Yellow Cab, musste Anfang Jahr wegen des Fahrdienstes Uber Konkurs anmelden. Im Medienbereich haben Youtube und Netflix das Fernsehen verdrängt, in der Musikbranche war die Erfindung des MP3-Formats Wegbereiter für Anbieter wie Amazon oder Spotify.

Haben's auch nicht weit geschafft: Die grössten Flops der Tech-Geschichte

Die neuen technologischen Möglichkeiten bringen eine weitere Bedrohung mit sich: ihre Nutzer. Die Millennials – die um die Jahrtausendwende Geborenen – sind damit aufgewachsen und wollen alles, schnell und vor allem unkompliziert, sagt Freyer: «Selbst die traditionelle Schweizer Uhrenindustrie kämpft mit den Auswirkungen der Digitalisierung. Junge Menschen legen weniger Wert auf Luxus; sie wollen über ihr Smartphone Funktionen wie Uhr, Telefon, E-Mail oder Internetzugang bündeln.»

Rechenleistung für alle

Wie das Beispiel MP3 zeigt, gibt es die Technologien hinter den neuen Angeboten teilweise schon seit langem. Handelt es sich bei «Industrie 4.0» also eher um eine stetige Evolution bekannter Technik als um eine abrupte Revolution? Mechanisierung und Automatisierung sind schliesslich auch kein neues Phänomen des Fortschritts: Das Druckverfahren von Gutenberg machte die Abschreib-Übungen der Mönche überflüssig, die Druckerpresse führte die Mechanisierung weiter und angesichts der digitalen Medien ist heute der Druck selbst infrage gestellt.

Charlie Chaplins Film «Modern Times» ist ein Zeitdokument über die Angst, von den Fliessbändern im Fertigungsprozess nicht nur versklavt, sondern ersetzt zu werden. Allerdings brachten neue Technologien immer auch neue Jobs mit sich, sonst wäre die Arbeitslosigkeit seit der Industrialisierung stetig gestiegen. Das ist nicht der Fall. Mit anderen Worten: Veränderung brachte schon immer Gewinner und Verlierer. Allein deshalb muss man keine Zeitenwende ausrufen.

Arbeiten am Fliessband, dargestellt im Film «Modern Times»

Video: YouTube/Olaf V/s Minions

Stehen wir nicht einfach vor einer Weiterentwicklung von Technologien der 1990er-Jahre? Freyer widerspricht: «Im Dot-Com-Hype galt «From Bricks to Clicks» – das Ablösen physischer Marktplätze durch das Internet. Die grundlegenden Geschäftsmodelle blieben jedoch unverändert. ‹Industrie 4.0› macht Rechenleistung plötzlich für jedermann erschwinglich und kurzfristig verfügbar.» Diese Demokratisierung schaffe völlig neue Produkte und Dienstleistungen. Anders gesagt: Technologisch mag hinter Uber wenig neu sein. Dennoch ist der Fahrdienst mehr als die Summe von Onlinebestellung, Navigator und Auto. Er ist deren intelligente Interaktion.

«Dinge im Internet bestellen, ist nicht das Internet der Dinge», erklärt der Experten von Dell. «Die aktuelle digitale Transformation kann mit Fug und Recht als vierte industrielle Revolution gelten, da sie Mensch, Maschine und moderne Informationstechnologien zu einer weitgehend selbst organisierten Produktion vernetzt.» Das wichtigste Abgrenzungsmerkmal zur vorhergehenden dritten industriellen Revolution (computerintegrierte Produktion), sei die schnelle und systematische Verschmelzung von Technologien, die die Arbeitswelt immer stärker digital durchdringen. Gerade am Arbeitsmarkt scheint die Auswirkung tatsächlich eher noch revolutionärer zu sein als jene der breiten Computerisierung seit den 1980er-Jahren. Expertenmeinungen zufolge werden durch «Industrie 4.0» mehr Jobs wegfallen als neu geschaffen. (aargauerzeitung.ch)

Könnte passieren: Die Hälfte der Schweizer Industrie-Jobs wird von Robotern ausgeführt

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  • Kstyle 20.11.2016 22:52
    Highlight Meiner meinung kann man die dot com blase nicht mit der industriellen revolution 4.0 vergleichen. Bei der dotcom blase wurden unfassbare summen in internetfirmen investiert die nichts produzieren und keinen wirklichen wert hatten. Das internet ist und bleibt eine revolution die tausende jobs geschaffen hat. Die industrie 4.0 ist was reales wo technik den mensch ablöst weil sie leistungsfähiger ist oder billiger oder beides.
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  • Einfache Meinung 16.11.2016 12:55
    Highlight Es nervt, fast überall nur noch vor elektronischen Maschinen zu stehen, statt vor echten Menschen.
    Maschinen sind Jobkiller, das müsste ja bekannt sein.
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  • E. Edward Grey 16.11.2016 11:05
    Highlight Zur Zeit sind es die Banken, bald aber der gesamte Dienstleistungssektor. Ich kann jedem, egal welchen Alters, nur empfehlen sich permanent Wissen anzueignen und eine Innitiativhaltung einzunehmen. Ansonsten sieht das Leben für einen bald echt trüb aus solange wie unsere Gesellschaft es nicht schafft sich auf die neue Situation einzustellen.
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  • wipix 16.11.2016 10:43
    Highlight Der Mensch wird die Entwicklung weder präzise voraussagen noch aktiv und grundlegend in eine Richtung steuern können. Verlierer gab es immer, Rückschritte und Leerläufe ebemfalls. Solange die Wirtschaft in unseren Breitengraden läuft wie sie das im Moment tut wird die Nachfrage und der nicht selten abstrakte Wunsch nach Luxus und "Erleichterungen" die Entwicklung am stärksten beeinflussen. Und in denen Ländern, in denen billig produziert wird wünschen sich die Menschen das selbe!
    Grundsätzlich denke ich: je grösser die Firma, das Staatsgebilde, der Kundenstamm,desto höher das Risiko generell.
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  • Der Tom 16.11.2016 10:29
    Highlight Der Bundesrat hat während dem BGE Abstimmungskampf versprochen, dass es viele neue Stellen geben wird. Man müsse nur innovativ sein usw...
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  • stadtzuercher 16.11.2016 10:26
    Highlight "Die neuen technologischen Möglichkeiten bringen eine weitere Bedrohung mit sich: ihre Nutzer. Die Millennials – die um die Jahrtausendwende Geborenen – sind damit aufgewachsen und wollen alles..."

    Naja. Wenn die Nutzer die Bedrohung sind - sie wollen alles - wer sind dann die Bedrohten?
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  • Scaros_2 16.11.2016 09:53
    Highlight Viele Unternehme verpassen aber auch das ganze "master data management" was wichtig ist für digital business und nehmen es nocht ernst wenn es darum geht das stammdaten eine gewisse qualität haben müssen.
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    • E. Edward Grey 16.11.2016 12:36
      Highlight Ich bezweifle genau das. Was in der Zukunft entscheidend sein wird, ist den richtigen Service zu bieten und sich schnell auf ändernde Wünsche und Anforderungen einstellen zu können. Stammdaten sind dort wenig hilfreich, die zeigen bestenfalls wer mal da war und schlimmstenfalls wer nie wieder kommt. Viel wichtiger sind da Realtime Analytics um die Trends zu erkennen.
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    • Scaros_2 16.11.2016 13:40
      Highlight Du kannst den richtigen Services aber nur bieten wenn deine Stammdaten korrekt sind. Deine Aussage zeigt deutlich auf das du keine Ahnung hast was Stammdate sind. Das Master Data Management (MDM) kümmert sich genau darum das es sichergestellt ist, das alle NOTWENDIGEN Daten im Unternehmen gepflegt ist. Oder würdest du bei Digitec einen Gerät kaufen das keinen Preis angibt? Es muss definiert sein wo der Preis eingetragen wird, über welche Schnittstellen er geht etc. Ist das nicht in einem guten Konzept gemacht, dann hast du ein rieses Problem, Redudanz etc. Du hast 3 Orte wo man es pflegt etc.
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    • Scaros_2 16.11.2016 13:42
      Highlight Das ist nur ein äusserst simples Beispiel aber es zeigt die Komplexität in gewissen Unternehmen auf. Es zeigt auf das Viele Firmen zwar ein Digital Business gerne hätten, ein Kundenportal wo der Kunde selbst das CS-Geschäft Organisisert oder aber man gar seine Maschinen mit Sensorik verpackt und ins IoT Zeitschalter rübergeht. Problem ist aber das Viele Firmen durch die stetige Technologischen FOrtschritte der letzten Jahre (Jahrzenht) die Datenqualität sehr verschleppt haben und in ihren tollen neuen PDM/ERP/CRM total viele altlasten, migrationen etc. zu finden sind WOMIT man NICHT ins
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    • Scaros_2 16.11.2016 13:43
      Highlight digital Business gehen kann.

      Dein gerede von Realtime Analytics und Trends geht übrigens auch ins MDM und Stamdaten rüber denn der Berg von Müll und Daten die das ganze schafft müssen auch verarbeitet werden und das in einem Konzept und nicht einfach mal so.
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    • E. Edward Grey 16.11.2016 15:43
      Highlight Jemanden direkt an den Kopf zu werfen er habe keine Ahnung disqualifiziert zumindest als engstirnig. ;)
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  • surtic86 16.11.2016 09:27
    Highlight Tja... Ihr wolltet ja kein bedingungsloses Grundeinkommen.

    Es war doch klar, dass eure Jobs durch Computer / Roboter weg genommen werden. Warum soll man auch einen Taxi Fahrer usw. noch anstellen, wenn dies ein Selbstfahrendes Auto machen kann?
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    • E. Edward Grey 16.11.2016 12:39
      Highlight Und wozu braucht man noch Verkaufspersonal wenn online bestellt werden kann und die Lieferung per autonomen Transporter oder Drone innert 30 Minuten eintrifft.
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  • Bits_and_More 16.11.2016 09:26
    Highlight Industrie 4.0 ist vor allem ein Marketing Begriff, aus technischer Sicht ist vieles nicht wirklich neu, sondern aufgewärmt und neu verkauft.
    Der Prozess der Automatisierung ist nicht wirklich neu und auch heute ist das Prinzip in etwa das gleiche.

    Dieses Video verdeutlicht ziemlich genau die Ansicht vieler Ingenieure, welche mit dem Thema zu tun haben ;)
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    • E. Edward Grey 16.11.2016 12:43
      Highlight Das stimmt so nicht. Derzeit ist ein grosses Thema die predictive Maintainance, welche ohne BigData und Analytics nicht möglich wäre. Damit werden zum Beispiel Fabriken in der Pampa voll autonom betreibbar.
      Ausserdem wird sehr viel in der Logistik passieren, Dispo in Echtzeit eliminiert Warteteiten etc. was ebenfalls komplett neu ist.
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Alle Jahre wieder: Superreiche sind reicher geworden – auch die Blochers

Das Finanzjahr 2016 präsentiert sich sehr verhalten und doch sind die Superreichen in der Schweiz noch reicher geworden. Dies geht aus der jährlichen Spezialausgaben des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» hervor, die die 300 Reichsten der Schweiz im Jahr 2016 vorstellt:

An den Börsen hielten sich 2016 die Kursgewinne weltweit in Grenzen, auch in den USA und Grossbritannien, ganz zu schweigen von den Märkten in der Schweiz, in Deutschland oder Japan.

Schwer auf die Stimmung geschlagen haben …

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