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Knapp die Hälfte der heutigen Jobs in der Industrie könnte bald schon ein Roboter machen. symbolBild: KEYSTONE

Roboter übernehmen – 2025 ist nur noch jeder 2. Schweizer Industrie-Arbeiter ein Mensch

Eine neue Studie zeigt die Auswirkungen der Digitalisierung auf die einzelnen Wirtschaftszweige in der Schweiz. Obwohl jeder zweite der heutigen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe wegfällt, dürfte die Zahl der hiesigen Industrie-Jobs insgesamt steigen.

Publiziert: 27.10.16, 07:59 Aktualisiert: 27.10.16, 08:34

Fabian Hock / Nordwestschweiz

«Nehmen uns die Roboter die Jobs weg?», ist die wohl meistgestellte Frage, wenn es um die Digitalisierung der Wirtschaft geht. Dabei schlugen in letzter Zeit vor allem zwei Studien hohe Wellen: Zuletzt schockte das Weltwirtschaftsforum (WEF) mit einer Zahl – fünf Millionen Arbeitsplätze koste uns der Aufbruch ins digitale Zeitalter, während nur zwei Millionen neuer Jobs entstünden.

Zuvor verfassten zwei Ökonomen der Universität Oxford ihre viel beachtete Analyse zu den Auswirkungen der Digitalisierung. Auch diese hatte es in sich: die Digitalisierung mache die Hälfte aller Jobs in den USA überflüssig, war die Botschaft. Sie würden früher oder später durch Maschinen ersetzt.

Die Unternehmensberatung Deloitte hat sich nun darangemacht, eine Prognose speziell für die Schweiz abzugeben. Sie hat erstmals die Auswirkungen der Digitalisierung auf die einzelnen hiesigen Wirtschaftszweige berechnet.

Grundlage dafür bilden die Erkenntnisse aus der Oxford-Studie. Die beiden wichtigsten Punkte: Fast die Hälfte der heutigen Jobs im verarbeitenden Gewerbe könnten mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2025 automatisiert werden. Trotzdem dürfte die Digitalisierung der Industrie mehr Arbeitsplätze bringen, als sie kostet.

Schlechte Karten für Bürokräfte, Verkäufer und Schreiner

Regelrecht vom Aussterben bedroht sind demnach bestimmte Dienstleistungsberufe, die Deloitte unter «allgemeine Bürokräfte» zusammenfasst. 31'000 dieser Jobs gibt es derzeit. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent werden sie durch Maschinen ersetzt. Nicht viel besser ergeht es den 13'000 Verkäufern und Verkaufshilfskräften – die Wahrscheinlichkeit, den Job an einen Roboter zu verlieren, liegt laut Deloitte bei 95 Prozent.

Auch der Möbelschreiner dürfte bald ausgedient haben: er kommt auf 92 Prozent. Die 35'000 Hilfsarbeitskräfte sowie die Metallarbeiter und deren verwandte Berufe fallen ebenfalls unter die am stärksten bedrohten Gruppen. Unter Artenschutz steht dagegen der Produktionsleiter: Dass an seiner Stelle künftig ein Roboter die Fertigung leitet, ist nahezu ausgeschlossen – zwei Prozent Wahrscheinlichkeit. Auch den «Chefroboter» wird es wohl so schnell nicht geben: Die Chancen stehen eins zu vier, dass Führungskräfte etwa im Vertrieb oder im Marketing durch Maschinen ersetzt werden.

Bei den Führungskräften und den akademischen Berufen besteht denn auch über alle Branchen hinweg die geringste Wahrscheinlichkeit der Automatisierung. Zusammen mit den Anlagen- und Maschinenbedienern dürften sie künftig für die meisten neuen Arbeitsplätze sorgen (siehe Grafik).

grafik: az

Jobkiller Roboter?

Die Digitalisierung rüttelt den Arbeitsmarkt in der Schweiz durch. So weit, so klar. Doch ist sie auch der Jobkiller, vor dem es zu warnen gilt? Mitnichten, sagt Deloitte-Berater Markus Koch. «Die Arbeit dürfte uns nicht so bald ausgehen.» Trotz Roboter. Trotz Digitalisierung. Im Gegenteil, wie die Berechnungen zeigen.  Bis 2025 entstehen demnach in der Schweiz netto, also die wegfallenden Tätigkeiten bereits abgezogen, insgesamt 270'000 neue Jobs.

«Die Chancen der Digitalisierung überwiegen.»

Luc Zobrist, Co-Studienautor

Auch in der Industrie gibt es wenig Grund zur Sorge, zumindest wenn man aufs grosse Ganze blickt. Zwar fallen viele Jobs weg, «doch die Chancen der Digitalisierung überwiegen», sagt Co-Studienautor Luc Zobrist. Denn auch im verarbeitenden Gewerbe verschwinden die Arbeitsplätze nicht einfach. Es entstehen neue. In der Schweiz so viele, dass «auch im verarbeitenden Gewerbe die Zahl der Jobs bis 2025 netto steigen könnte», sagt Zobrist.

Die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt, fügt Markus Koch an, seien auch in ihrer Wucht alles andere als beispiellos. Er erinnert etwa an die Verschiebungen in der Landwirtschaft, wo vor 200 Jahren noch 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung arbeiteten. Heute sind es noch 3 Prozent, während der Dienstleistungssektor von 8 auf 75 Prozent angewachsen ist. Einzig: es geht jetzt schneller. Die Digitalisierung beschleunigt. «Heute verändern sich Jobprofile innerhalb einer Generation komplett, während die Menschen früher mehr Zeit hatten, sich umzustellen», sagt Koch.

Verschiebung kein Sonderfall

Ein Blick in die jüngere Geschichte zeige indes, dass die grossen Verschiebungen zuletzt Positives am Arbeitsmarkt bewirkt hätten. So seien in der Schweiz in den letzten 25 Jahren 800'000 Stellen geschaffen worden – «nicht zuletzt dank Automatisierung», sagt Koch. Für hiesige Firmen, betont er, biete die Digitalisierung deshalb beste Chancen. Um diese ergreifen zu können, sei jedoch Wachsamkeit gefragt. «Die Karten werden nun ganz neu gemischt», sagt Koch – und vorn dabei zu sein, sei kein Selbstläufer.

Eindrückliches Video zum Thema Automatisierung (engl., dt. Untertitel): «Humans Need Not Apply» Video: YouTube/CGP Grey

Interview mit Martin Eichler, Chefökonom von BAK Basel

«Auch Jobs mit mittlerer Qualifikation betroffen»

Martin Eichler, Chefökonom von BAK Basel. bild: bakbasel

Auf längere Sicht müssen alle dazulernen, oder darauf gefasst sein, von einem Computer ersetzt zu werden. Ein Interview mit Martin Eichler, dem Chefökonom von BAK Basel.

Von Tommaso Manzin

Herr Eichler, wie hoch schätzen Sie die durch Digitalisierung gefährdeten Jobs in der Schweiz?
Martin Eichler: Auf längere Sicht dürfte die grosse Mehrheit betroffen sein. Dies heisst nicht, dass ein Grossteil dieser Jobs verschwinden wird. In den meisten Fällen wird sich das Jobprofil verschieben. Es werden auch Arbeitsplätze ganz verschwinden – wie viel und wann, lässt sich ohne detaillierte Studie nicht sagen. Sie fehlt für die Schweiz. Dazu kommt, dass die Effekte der Digitalisierung eng mit Strukturwandel, Globalisierung und Automatisierung verbunden sind. Monokausale Erklärungen dürften zu kurz greifen.

Welche Job-Kategorien sind besonders gefährdet?
Die Fortschritte in der Computertechnik und insbesondere Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz ermöglichen es mehr und mehr, dass auch Jobs mit mittlerem Qualifikationsanforderungen von Computern übernommen werden können. Neu wird sich das Arbeitsumfeld besonders bei Tätigkeiten verändern, die ein eher tiefes bis ein mittleres Qualifikationsanforderungsprofil aufweisen und vorrangig nicht-körperliche Tätigkeiten umfassen. Dies sind Bereiche, die bisher von der Automatisierung vergleichsweise wenig betroffen waren.

«Die Menschen können mit ihrer Ausbildung keine lebenslange Beschäftigung mehr erwarten.»

Die Digitalisierung schafft auch Jobs. Wie sehen Sie die Absorptionsfähigkeit von Leuten, die «Opfer» der Transformation wurden?
Das ist in jedem Einzelfall anders. Es ist jedoch zu erwarten, dass mit dem Qualifikationsgrad die Anpassungsfähigkeit steigt. Die neue Herausforderung liegt in der Geschwindigkeit der Veränderung. Bisher haben sich Jobprofile über Generationen verändert, heute passiert das innerhalb eines Arbeitslebens mehrfach. Die Menschen können mit ihrer Ausbildung keine lebenslange Beschäftigung mehr erwarten, sie müssen ihre Beschäftigungsfähigkeit über das gesamte Arbeitsleben mit vielfältigen Zusatzqualifikationen und Weiterbildungen erhalten.

In China werden derzeit Stahlarbeiter zu Fahrern für Business-Leute umgeschult. Sollte auch hierzulande der Staat aktiv werden?
Der Staat soll die Entwicklung mit guten Rahmenbedingungen fördern. Hierzu gehört ein flexibles Aus- und Weiterbildungsangebot. Von im einzelnen staatlich vorgegebenen Umschulungen ist eher abzusehen – der Staat kann die Entwicklungen in der Regel nicht besser vorhersehen. Beim oben genannten Programm stellt sich etwa die Frage, wie nachhaltig dieses ist, wenn die Entwicklung selbstfahrender Autos weiterhin so schnell voranschreitet wie in den letzten Jahren.

Welche Art neuer Jobs werden in der Schweiz entstehen?
Die Schweiz ist ein wettbewerbsfähiger, hoch produktiver und innovativer Standort. Dies ist eine gute Ausgangslage, um attraktiv für Unternehmen und Arbeitsplätze zu bleiben. Der Trend geht aber ganz klar in Richtung Mehrfachqualifikation, d. h. etwa, dass klassische Industriebeschäftigung zunehmend IT-Kompetenzen benötigt.

Mehr zum Thema:

Der Roboter. Freund oder Feind?

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User-Review:
Gina226 - 6.4.2016
Watson, du bist super. Ich möchte dich nicht mehr missen. ❤️
8 Kommentare anzeigen
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  • Linus Luchs 27.10.2016 09:58
    Highlight Menschen, die für ihre Arbeit Lohn erhalten, bezahlen Steuern. So fliesst ein Teil der Wertschöpfung an den Staat, was der ganzen Gesellschaft zu Gute kommt. Maschinen erhalten keinen Lohn, bezahlen keine Steuern, es profitiert nur das Unternehmen. Die Menschen verlieren dadurch noch viel mehr als ihre Jobs. Es ist höchste Zeit, eine Lösung zu finden, wie der drohende Wegfall von Milliarden an Steuergeldern verhindert werden kann. Dass die Neoliberalen an dieser Diskussion kein Interesse haben, ist logisch. Es läge an der SP, die Versteuerung automatisierter Arbeit aufs Tapet zu bringen.
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    • Bits_and_More 28.10.2016 09:04
      Highlight Nicht ganz, Firmen erwirtschaften Gewinn (zumindest manche), welcher wiederum versteuert wird.
      Automatisiert wir schon seit dem Beginn der Industrialisierung, und die Lebensqualität hat sich doch stetig verbessert, Jobs gingen verloren und neue wurden geschaffen.
      Hier mit neuen Steuerung gegen die Automatisierung vorzugehen erachte ich als kontraproduktiv gegen den Fortschritt.
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    • Linus Luchs 28.10.2016 10:48
      Highlight Fortschritt? Bits_and_More, machen wir ein Beispiel. Der Lohn einer Kassenfrau kostet den Supermarkt CHF 55'000 im Jahr. Davon bezahlt die Frau CHF 10‘000 als Steuern an den Staat. Nun kauft das Unternehmen eine Self Checkout-Maschine für CHF 40‘000. Die Frau ist ihren Job los, bezieht Arbeitslosengeld vom Steuerzahler, vielleicht später noch Sozialhilfe. Das Unternehmen muss diesen Lohn nicht mehr bezahlen und kann den Kauf der Maschine noch als Investition bei den Steuern abziehen. Der Kauf ist schon im ersten Jahr amortisiert, der Gewinn steigt – für wen? Die Aktionäre. Toller Fortschritt!
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    • Bits_and_More 28.10.2016 11:42
      Highlight Nur wenn du davon ausgehst, dass die Frau keine neuen Job findet...

      Und ein weiteres Unternehmen entwickelt, baut und unterhält die Self-Check-Out Maschinen. Hier werden dafür neue Jobs geschaffen.
      Beispielsweise wurde durch die Entwicklung der Digitalkamera Stellen im Bereich analoge Fotoentwicklung abgebaut, hätten wir nun deswegen auf die Digitalkameras verzichten wollen? In den letzten 100 Jahren sind unzählige Berufe verschwunden und neue erschienen.
      Das dabei Menschen ihre Stellen verlieren ist zwar real, aber die Prämisse, das sie keine neuen Jobs finden stimmt einfach nicht.
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    • Linus Luchs 28.10.2016 12:28
      Highlight Einverstanden, die Frage, ob die Frau einen neuen, anderen Job findet, von dem sie leben kann(!), ist entscheidend. Ich sehe keinen Grund für Optimismus.

      In praktisch allen Branchen werden die Personalkosten als Kostenfaktor Nummer 1 betrachtet, den es zu minimieren gilt. Und die, die noch Arbeit haben, sollen für immer weniger Geld immer mehr leisten.

      Philipp Löpfe schreibt regelmässig zu dieser Thematik. Ich gehe grundsätzlich mit ihm einig, und mir sind nun zwei Artikel von ihm eingefallen, die an dieser Stelle passen:

      http://www.watson.ch/!431211413

      http://www.watson.ch/!977926596
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  • Bits_and_More 27.10.2016 09:33
    Highlight Gerade in der Industrie ist bei uns schon sehr viel automatisiert oder ausgelagert. Die grössten Veränderungen sind wohl im Dienstleistungssektor in den kommenden Jahren zu erwarten.
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  • Scaros_2 27.10.2016 09:21
    Highlight Jeder 2.? Ein wenig übertrieben finde ich.
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  • FancyFish 27.10.2016 09:13
    Highlight Ich hoffe, dass spätestens dann ein Bedingungsloses Grundeinkommen angenommen wird...
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21 Dinge, die du nur verstehst, wenn du Jus studierst

... damit du dir die neuen Bücher irgendwie leisten kannst.

... damit der für dich rausfindet, wer zum Teufel den «Basler Kommentar» versteckt hat – und vor allem wo!

... weil du jetzt eh in der Bibliothek wohnst.

... obwohl du eigentlich ganz genau weisst, dass du dort nie und nimmer auch nur eine einzige Notiz reingeschrieben hast. (Aus Gründen ...)

Du hast während des Studiums eine 90-Stunden-Woche, um als Belohnung später mal eine 95-Stunden-Woche zu haben.

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