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Motz-App: Darüber beschweren sich die Zürcher am meisten 

Stadtbewohner können Mängel und Schäden in einer App melden. Eine Gruppe nörgelt besonders oft.

Publiziert: 13.11.16, 14:01 Aktualisiert: 13.11.16, 16:08

pascal ritter / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

An der Zürcher Kreuzung Eidmattstrasse-Böcklinstrasse stehen zwei alte paar Ski. Ein Passant, dem die illegal entsorgten Latten ein Dorn im Auge sind, hat ein Bild von ihnen auf die Internet-Plattform «Züri wie neu» hochgeladen. Eine Stunde später antwortete die Abteilung Entsorgung und Recycling, der «gemeldete Abfall» werde abgeholt.

Über den Infrastrukturschadenmelder «Züri wie neu» können seit 2013 Schlaglöcher, Graffiti, überwuchernde Rabatten, tropfende Hydranten oder beschädigte Tramhäuschen gemeldet werden. Bisher kamen über 8900 Beanstandungen zusammen. Der Stadt geht es bei der App um Bürgernähe. Statt die Faust im Sack zu machen, wenn eine alte Waschmaschine illegal deponiert wurde, schiesst der Bürger ein Foto und übermittelt mit dem Smartphone die Position des Ärgernisses. Je nach Schadenskategorie landet der Hinweis bei der Müllabfuhr, beim Elektrizitätswerk, bei der Dienstabteilung Verkehr, bei der Immobilienverwaltung, bei den Trambetrieben, beim Tiefbauamt, bei den Stadtgärtnern oder bei der Fachstelle Graffiti.

Graffits werden immer wieder gemeldet. Bild: KEYSTONE

Die App hilft die Stadt sauber zu halten und führt zu mehr Sicherheit, etwa wenn auf diesem Weg ein gefährliches Verkehrshindernis aus dem Weg geräumt werden kann. Die Anwendung gibt aber auch tiefe Einblicke in das Seelenleben des Stadtzürchers. Aufschlussreich ist etwa die allererste Meldung vom 14. März 2013. In Zürich-Höngg nahe des Limmatufers «steht ein Signalpunkt vor», meldete ein Passant, dem diese Unebenheit aufgefallen ist. Damals antwortete die Verwaltung noch lapidar, der Schaden werde «in den nächsten Wochen oder Monaten» behoben, heute nennt die Stadt meist einen konkreten Zeitpunkt. So werden die zwei Paar Ski, die an der Kreuzung Eidmattstrasse-Böcklinstrasse illegal deponiert wurden, am nächsten Dienstag eingesammelt, wenn sich nicht vorher jemand die Sammlerstücke unter den Nagel reisst.

Eine saubere Limmat ist den Zürchern wichtig. Bild: KEYSTONE

Ein anderer Einwohner beschwerte sich über skelettartige Bäume und fragte: «Warum wurden diese Stämme nicht gleich mit entfernt, als man die Äste stutzte?» Die Stadt klärte den Anwohner darüber auf, es handle sich um Säulenpappeln, und versprach, dass sie bald wieder austreiben würden. Ein weiterer Nutzer der App fragte, wann die Tramhaltestellen endlich rauchfrei würden.

Schlaglöcher und Abfall

Die allermeisten Einträge auf «Züri wie neu» betreffen tatsächliche Mängel. Schlaglöcher, Baustellen oder defekte Verkehrsschilder führen die Liste der Beschwerden an. 2827 Einträge gibt es zum Thema «Strasse/Trottoir/Platz». Ähnlich oft motzen Zürcher über unsachgemäss entsorgten Abfall (2309 Einträge). Auf der Website zueriwieneu.ch kann jeder Eintrag eingesehen werden.

Nicht ersichtlich ist dort, wer hinter den Einträgen steckt. Die Forschungsstelle für digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern hat nun eine Nutzerbefragung durchgeführt. Aus ihr lässt sich ein Bild des typischen App-Nutzers erstellen. Er ist 50 Jahre alt, männlich, hat einen Hochschulabschluss und arbeitet im öffentlichen Dienst. 76 Prozent der Online-Nörgler sind Männer. Zwei Drittel der Nutzer haben eine Hochschule oder eine Universität besucht.

Illegal entsorgter Abfall ist vielen ein Dorn im Auge.

Besonders oft melden Beamte Mängel im öffentlichen Raum. Jeder dritte Benutzer der «Züri wie neu»-App arbeitet im öffentlichen Dienst, obwohl in der Stadt Zürich bloss jeder Fünfte beim Staat angestellt ist. «Staatsangestellte engagieren sich offenbar besonders häufig für die Ordnung auf Zürichs Strassen», sagt Fachstellenleiter Matthias Stürmer.

Als Motivation für ihre Beanstandung gaben die allermeisten Nutzer an, der Stadt und ihren Bewohnern «etwas zurückgeben» zu wollen. Wer gedacht hat, die gleichen Nörgler füllten die Website am Laufmeter mit Reklamationen, liegt übrigens falsch. Pro Monat kommen etwa 50 neue Nutzer hinzu. Und dies, obwohl die Stadt für die Anwendung kein Marketing betreibt. Die App ist ein Erfolg. Die Nutzer geben ein positives Feedback. Achtundachtzig Prozent der Befragten waren mit der Anwendung zufrieden bis sehr zufrieden.

Andere Städte folgen Zürcher Beispiel 

Die städtischen Mitarbeiter, welche die Beschwerden entgegennehmen, waren anfangs weniger begeistert. In einer internen Umfrage aus dem Jahr 2014 sagten 80 Prozent der befragten Beamten, die Anwendung passe nicht zu den bestehenden Arbeitsprozessen und führe zu Mehraufwand. 70 Prozent gaben an, die Schlaglöcher und Schmierereien wären auch ohne App gefunden worden.

Die Stadt reagierte auf die Kritik mit Änderungen im Ablauf. Inzwischen interessieren sich auch andere Städte für die «Nörgler»App. In St.Gallen gibt es bereits einen Schadenmelder, Bern und Luzern diskutieren über eine eigene App.

15 Kommentare anzeigen
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  • The Host 14.11.2016 19:36
    Highlight Dass städtische Mitarbeiter zu den meisten Nutzern gehören, liegt wohl auch daran, dass die App im Intranet und über Mail den städtischen Mitarbeitern vorgestellt worden ist. Ansonsten wurde sie nicht beworben.
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  • Lami23 13.11.2016 20:55
    Highlight Der typische "Nörgler" ist also 50, gebildet und Beamter? Erzähl mir was neues...
    31 2 Melden
    • Xeno 14.11.2016 08:16
      Highlight Sei nicht so gemein!
      3 0 Melden
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  • flugsteig 13.11.2016 20:17
    Highlight "obwohl in der Stadt Zürich bloss jeder Fünfte beim Staat angestellt ist"
    20%, kann das wirklich sein? Bin ich jetzt völlig daneben oder ist das sehr viel?
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    • deleted_369389063 14.11.2016 13:38
      Highlight @flugsteig
      Nein mit dir ist alles in Ordnung. 20% ist nicht nur sehr viel, es ist zu viel!!!
      Frage mich was der Unterhalt dieser App kostet und wer bezahlt das?
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  • Madison Pierce 13.11.2016 19:32
    Highlight Eine App, über welche engagierte Mitbürger den Behörden Missstände melden können, ist also eine Motz-App und die Benutzer der App sind Nörgler. Merkwürdiges Menschenbild!

    Jeder regt sich über Blockwarte auf, die auf der Gemeindeverwaltung reklamieren, wenn der Schneepflug zwei Minuten zu spät durchgefahren ist. Aber diese App ist nun wirklich keine schlechte Sache, da die Hinweise dort ankommen, wo sie hin gehören und so nicht unnötig Ressourcen binden, sondern zur Verbesserung der Stadt beitragen können.
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  • allesklar 13.11.2016 18:27
    Highlight ach, was für probleme wir haben!
    11 20 Melden
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  • oliversum 13.11.2016 16:05
    Highlight Warum werden die Inputgeber als Nörgler diffamiert? Das sind sie gemäss Studie ja eben genau nicht.
    57 3 Melden
    • koks 13.11.2016 18:50
      Highlight wärens frauen, würden sie die feministischen medien nicht als nörgler diffamieren, sondern als engagierte bürger bejubeln. täglicher männerhassender, sexistischer feminismus in der schweiz.
      24 44 Melden
    • Dageka 13.11.2016 20:16
      Highlight @koks: Fühlt sich hier ein Nörgler persönlich angegriffen?
      14 14 Melden
    • elivi 13.11.2016 20:27
      Highlight Lol ich mein ... kann nicht mal was schlaues schreiben hier weil ... Lol ... Echt? ...
      6 8 Melden
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  • Mikee 13.11.2016 14:55
    Highlight Man könnte ja auch Zusammenarbeiten und eine "Schweiz wie neu" App machen. Kleinere Städte/ Gemeinden die kein Budget für so was haben könnten sich so einfach anschliessen. Aber ja jede Stadt was eigenes aufbauen geht auch😏
    38 4 Melden
    • speedy_86 15.11.2016 16:31
      Highlight Ich kann mir vorstellen wie komplex die Weiterleitungsregeln sein würden: über 2300 Gemeinden mit meist eigenen Ämtern und dann kantonale und staatliche Ämtern für die Kantonsstrassen und Autobahnen. Wenn dann im Schnitt pro Gemeinde 2 Ämter zuständig wären sind wir bei 4600 Gemeindeämter plus den kantonalen und staatlichen Ämtern. Dann noch die präzise Kartografierung der Schweiz damit die Meldungen auch sicher nicht bei der Nachbarsgemeinde landet.
      Der Betrieb wäre auch nicht umsonst und es gäbe pro Kanton und Gemeinde noch Customizing zu machen. Lohnt sich definitiv nicht.
      0 1 Melden
    • Mikee 15.11.2016 23:18
      Highlight Staatsangestellter? 🤔😂 Klar wäre das nicht eine einfache Sache und man müsste sich ein wenig Gedanken darüber machen. Karten sind bereits vorhanden. Zuständigkeiten / Ortsgrenzen sind auch klar.
      z.B.:
      Aus Sicht Stadt/ Ort:
      Wir wollen teilnehmen. Zuständigkeit definieren. Ausnahmen definieren.
      Aus Sicht User:
      GPS Karte, Problem melden, Meldung erscheint "Ort wird nicht abgedeckt" oder Meldeformular erscheint. Tadaa🎉
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  • Beasty 13.11.2016 14:26
    Highlight Spannend wäre zu wissen, wie die städtischen Mitarbeiter heute die App bewerten?
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