Film

Szene aus «Vier Fäuste für ein Halleluja».

Das Bud-Spencer-Experiment: Der Backpfeifen-Picasso

Er prägte ganze Generationen: mampfte, rülpste und verteilte Backpfeifen. Seine Biografie ist ein Beststeller. Aber was können wir von Bud Spencer lernen? Zwei einestages-Redakteure nahmen sich eine DVD-Box mit den Filmen des Haudraufs und wagten ein Experiment – eine Zeitreise in die Jugend.

28.06.16, 16:33 28.06.16, 16:52

hendrik ternieden und oliver trenkamp / Spiegel online

Ein Artikel von

Am Erwachsenwerden schmerzt eines besonders: Mit jedem Jahr, das ins Land zieht, verlieren die Helden der Kindheit ihren Glanz. David Hasselhoff wird zum Gegenteil von cool, Alf extrem unlustig und Columbo langweilig. Wen wir früher vergötterten, finden wir heute einfach nur noch peinlich. 

Nur einem konnten die Jahre nichts anhaben: Bud Spencer. Er boxte, mampfte, nuschelte sich durch unsere Kindheit und hockt seitdem in unserer Erinnerung als hungrigster Fatalist der Filmgeschichte, der es mit allen aufnehmen kann – Banditen im wilden Westen, Rauschgifthändlern in Afrika und Schlägergangs in Miami. Ein paar Backpfeifen, ein Faustschlag auf den Kopf, und die Welt war wieder in Ordnung. 

Special zum Tod von Bud Spencer

Kleiner Tipp für alle Fans: Der Schweizer Sender TV24 bringt heute ein Special zum Tod von Bud Spencer. Um 20:15 Uhr zeigt der Sender den Klassiker Das Krokodil und sein Nilpferd und um 22:25 Uhr Vier Fäuste für ein Halleluja.

Du, Bud, hast uns gezeigt, wie das geht, Probleme zu lösen. Zumindest dachten wir das.

Denn nach der Lektüre deines Buches, das jüngst erschienen ist, machte sich Ernüchterung breit. Du hast ein Leben als Schwimmstar, Olympionike, Haudrauf gelebt, hast Bauarbeiter-Einsätze am Amazonas, ein Jura-Studium, den Sieg über einen bösartigen Tumor hinter dir, ausserdem mehr als 50 Jahre Ehe mit derselben Frau, und dann hast du, Bud der Grosse, gerade mal zwei Ratschläge, die du uns mit auf den Weg gibst? 

Niemals, schreibst du, sollen wir gleich nach dem Essen baden gehen. Und wir sollen keine Hunde aussetzen. Das klingt mehr nach Grossmutter als nach Dampfhammer.

Aber wenn wir eins gelernt haben von Bud, dann ist es: nicht aufgeben. Wir nehmen die Dinge selbst in die Hand. Also unternehmen wir eine Expedition zurück, in die Zeit, als sie in Filmen noch «Rauschgift» sagten statt Drogen und «Stosszeit» statt Rushhour: Welche Lektionen fürs Leben lassen sich aus den Filmen destillieren, die wir als Jungs so geliebt haben? 

Wir starten das Bud-Spencer-Experiment: zwei DVD-Boxen, zwölf Bier, zwei Redakteure ausser Rand und Band, ein Abend vor dem Beamer. 

20.00 Uhr, erstes Bier, erster Film, klar: «Zwei ausser Rand und Band» von 1977

Ein Gabelstapler fährt ins Bild, Bud steht breitbeinig auf den Gabeln, die linke Hand in der Hosentasche, in der rechten ein Käsebrot. Er und Terence Hill suchen einen Job am Hafen, legen sich mit einem Gangster-Syndikat an, werden aus Versehen Polizisten, zertrümmern unzählige Autos. Lektion eins? Vielleicht: Es kommt nicht darauf an, was du tust. Es kommt darauf an, dass du es tust.

Buds längster Monolog: «Wenn ich nicht anständig futtere, kann ich auch nicht anständig aufs Klosett. Und wenn ich nicht aufs Klosett kann, dann bin ich kein richtiger Mensch mehr. Und mit Liebe ist dann auch nichts. Ist klar?» Das Wort Synchronisation kannten wir als Kinder noch nicht, jetzt fällt auf, dass Buds Stimme viel mehr Silben spricht als Buds Lippen auf dem Schirm.

Zwei «scharfe Bienen», wie Terence Hill sagt, sollen die Helden in die Falle locken. Durchschaubar. Doch in Bud-Spencer-Filmen fliesst nicht nur nie Blut, es gibt auch keinen Sex. Bud ist der softeste Macho der Filmgeschichte. Deshalb trinkt er die beiden Girls einfach unter den Tisch. Ein schlauer Schachzug? Nicht unbedingt. Aber Bud weiss: «Man muss die Mädchen feiern, wie sie fallen.» Anders gesagt, und das ahnten wir bereits: Es gibt die Waffen der Frau, doch der Alkohol schlägt sie. 

21.30 Uhr, drittes Bier, zweiter Film: «Vier Fäuste für ein Halleluja» von 1971

Bud Spencer und Terence Hill mischen als vermeintliche Geheimagenten den wilden Westen auf. Gleich zu Beginn das erste Fressgelage – rülpsen, schmatzen, Hände am Hemd abwischen. Diese Orgie unverhohlener Fleischeslust würde jedem Ernährungsberater die Tränen in die Augen treiben. Auch später, im teuersten Restaurant der Stadt, in Anzug und Krawatte, stopft und schlingt Bud die Bratenscheiben herunter, ein Mahlzeiten-Vernichter, der Standesgrenzen einfach wegmampft. 

Der Kollege Lukas Rilke kommt vorbei: «Vier Fäuste für ein Halleluja? Ein Klassiker!»

Im Saloon gibt es Streit, Bud Spencer knurrt: «Mach schon Platz, ich bin der Landvogt.» Wieder die brummige Synchron-Stimme von Arnold Marquis. Seine schönste Drohung: «Machst du das nochmal, mach ich aus deinen Ohren Wäschetrockner.» Lektion drei: Wer selbstsicher genug auftritt, kann sagen, was er will.

Der Wirt will um Mitternacht nichts mehr ausschenken – Sperrstunde. Haue verteilt Bud zwar ausnahmsweise nicht, dafür dreht er die Zeiger der Uhr zwei Stunden zurück. In die Poesiealbum-Sprache übersetzt bedeutet das: «Lass nicht das Leben über dich entscheiden, sondern entscheide über das Leben». Lektion vier: Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht.

Machen wir und fangen an… vorzuspulen. Bud-Spencer-Experiment, fast forward!

Die bekanntesten Filme von Bud Spencer

22.30, fünftes Bier, dritter Film: «Plattfuss in Afrika» von 1978

Der erste Film des Abends ohne Terence Hill, dafür ist Bud als neapolitanischer Kommissar Plattfuss besser angezogen als sonst: dunkler Anzug, offenes Hemd. Und er kann tanzen. Körpermasse und Eleganz, kein Widerspruch. Vielleicht eine tröstliche Weisheit fürs Alter.

In der, wie üblich, elendlangen Anfangssequenz taucht zum ersten Mal der Name des eigentlichen Helden des Films auf: der «Zulu-Junge Bodo», im Film aus unerfindlichen Gründen «Boto» genannt. Bud jagt Rauschgifthändler, es verschlägt ihn nach Südafrika, er trifft den Jungen, beide prügeln und futtern sich durch die Kalahari. Wir sehen vieles davon nur im Schnellvorlauf.

In seiner Biografie schreibt Bud, er habe sich über die Apartheid in Südafrika geärgert. Im Film ist davon allerdings nichts zu merken. Stattdessen typische Bud-Sätze wie dieser: «Meine Mutter wollte Zwillinge, aber dann kam ich allein.» Ja, das kennen wir mittlerweile. Bud hat immer nur sich selbst gespielt – sagt er auch in jedem Interview. Bud Spencer als Fels der Verlässlichkeit, der Helmut Kohl des VHS-Zeitalters. Lektion fünf: keine Experimente. 

23.30 Uhr, sechstes Bier, vierter und letzter Film: «Der Bomber» von 1982

Ein Spätwerk des Backpfeifen-Picassos. Bud Spencer wird von seinem schrottreifen Schiff geworfen und heuert als Boxtrainer an. Eine seiner Methoden: den Schützling mit Apfelsinen bewerfen, um dessen Reaktionsfähigkeit zu trainieren. Das allerdings ist auch schon das Unkonventionellste am ganzen Film.

Buds Schützling wird erst korrumpiert, dann betrogen; schliesslich steigt der «Bomber» selbst in den Ring und begleicht eine alte Rechnung. Dann lässt er sich feiern. Ehre, wem Ehre gebührt. Ein Rocky-Moment, nur im XXL-Format. Hier kommt noch einmal alles zusammen, wofür Bud steht: reichhaltiges Essen, fast schon stumpfes Durchhaltevermögen, Kampf für die Schwachen. Bud blickt immer nach vorne, nie zurück. Aber reicht uns das heute noch? Als Bud seine Biografie vorstellte, verriet er auch sein Lebensmotto: «Futtettene!» Was soviel heisst wie: Scheiss drauf, wenn etwas nicht klappt! Unser Experiment für den Abend war, aus Bud-Spencer-Filmen fürs Leben zu lernen. Kurz nach Mitternacht erinnern wir uns an Lektion fünf: keine Experimente.

Futteténne! Wir spulen vor. Gleich fährt die letzte U-Bahn.

In einer früheren Version des Textes hiess es, Wolfgang Hess habe «Vier Fäuste für ein Halleluja» synchronisiert, das hat er auch, allerdings haben unsere Autoren eine spätere Fassung gesehen, in der Arnold Marquis die Stimme von Bud Spencer spricht. Den Fehler haben wir korrigiert. Danke für die Hinweise; die Redaktion einestages.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • manollito 28.06.2016 19:27
    Highlight He Alf ist immer noch mein Lieblingsalien!
    4 5 Melden
  • "let's dance" 28.06.2016 18:54
    Highlight Schade schade...aber irgend wann geht jeder...bin ein grosser Fan von diesen zwei...habe die Filme so oft reingezogen und werde sie immer immer reinziehen...GOOD BEY BUD...machs gut.
    17 0 Melden
  • Syptom 28.06.2016 17:39
    Highlight Bisschen kleinlich jetzt von mir sorry, aber die Todesmeldung kam erst gegen/um die 22 Uhr, hier aber begann der Guckmarathon schon um 20 Uhr. Zusammen mit der Planung des ganzen mussten die Redakteure schon vorher davon gewusst haben. Oder, was ich eher vermute: dies ist ein alter Artikel, welcher zu seinem Buch erschien und jetzt neu aufgewärmt wird um Klickzahlen zu generieren. Leider bin ich Pingelig sorry, darum fällt mir sowas auf.. aber Futtettene! Wir vermissen dich Bud, aber du wirst wollen, dass unser Leben weitergeht!
    20 0 Melden
    • Jaing 28.06.2016 18:37
      Highlight Du hast völlig recht. Der Artikel ist von 2011.
      11 0 Melden
    • The Host 28.06.2016 20:29
      Highlight ...wenn die besseren Journalisten die Kommentare schreiben...
      4 0 Melden
  • Asmodeus 28.06.2016 17:07
    Highlight Was ich von Bud und Terrence gelernt habe?

    Immer für die Schwächeren einstehen und sich nicht von Bullies unterkriegen lassen.

    Und, dass man immer Spass am Leben haben sollte.

    Und nun hätte ich gern ein Eis mit Schokolade, Vanülle und ein bissele Pistazie
    18 0 Melden
    • AJACIED 28.06.2016 18:16
      Highlight Darüber sprachen wir schon!
      Dem beissen gleich die Schweine 😄.
      Was hast du den anzubieten 😂😂
      6 0 Melden
    • Kommissar_Huber 01.07.2016 09:19
      Highlight Was is‘ los? Hast du ’ne Pizza im Horchlappen? Ich verkünde doch pausenlos, dass ich Pistazie nicht führe! Ich habe Vanille, Schokolade, Zitrone, leckere Erdbeere und Mokka!

      2 0 Melden

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