Film

Til Schweiger: Immer irgendwie im Kampf. bild: ard

Ein Hoch auf Til Schweiger (aber nur ausnahmsweise): Wie er sich auf Facebook gegen Fremdenhass wehrt, ist nicht nur gross, sondern auch lustig

23.07.15, 15:07

Es gibt einen Volkssport unter uns Sofasitzern und der heisst «Vorurteile gegen Til Schweiger, die nun mal einfach wahr sind». Zum Beispiel: Til Schweiger ist ein schlechter Schauspieler; Til Schweiger macht schlechte Filme; Til Schweiger macht sowieso nur Filme, um seine vielen Töchter zu beschäftigen. 

Und: Til Schweiger hat keinen Stil, und auf seine Witze fahren eh nur Dumpfköpfe ab, die wir alle nicht kennen. (Jaaaa, okay, ich bleib bei «Keinohrhasen», «Zweischnabelkücken» und «Dreischwanzkalb» auch immer hängen, jedes verdammte, einzelne Mal ... wieso bloss? Weil das Zeug was hat, so ein ganz grundsätzliches, lockeres Gespür für Unterhaltung, die auch ans Herz geht.)

Aber jetzt hat Til Schweiger ganz einfach Recht. Weil sein Herz bei all seinen rüpelhaften Übersprungshandlungen, für die er berühmt ist, auf dem rechten – in diesem Fall linken – Fleck sitzt. 

Warum? Am 18. Juli um 17.15 Uhr bat er auf Facebook (1,3 Millionen Follower) die Hamburger darum, an einer Spendenaktion für Flüchtlinge mitzumachen. Um 17.29 Uhr postete er: «Oh Mann – ich habs befuerchtet!! Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst Euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!!!»

Was war passiert? Es hatten sich wieder genau jene unzufriedenen Mitbürgerinnen und Mitbürger gemeldet, die sowieso in jeder Kommentarspalte gegen Ausländer, Homosexuelle, den Islam, Linke, Atomgegener, Velofahrer, Obdachlose, Villenbesitzer, Frauen, die nicht stillen wollen und Männer, die gern Teilzeit arbeiten möchten, pöbeln. Im Fall Schweiger klingt das so:

Und so weiter. Rechtschreibung: Facebook. Til Schweiger spendet übrigens gut 10'000 Euro pro Monat für soziale Zwecke. Und er schmeisst den Trollen ein paar gute Brocken Humor in die gröhlenden Kehlen:

Am 20. Juni sagt er im «Nachtmagazin» der ARD: «Ich bin ja kein Sozialforscher, aber es gibt offensichtlich mehr Menschen mit rechtem Gedankengut, als uns lieb ist. Und dann haben wir natürlich Leute, die nicht nachdenken, weil sie keine Fantasie haben, weil sie den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und in Reality-Shows sehen, wie sich irgendwelche dumpfen Leute gegenseitig beleidigen, runtermachen, dissen, und das prallt nicht an einem ab. Das deutsche Fernsehen trägt seinen Teil dazu bei, dass die Leute so abgestumpft sind.» 

Hat er auch damit recht? Ja, hat er. Klar. Wer's nicht glaubt, soll einen Nachmittag lang deutsches Privatfernsehen schauen: Frustrierte Menschen reagieren sich an allen andern ab. Stundenlang.

Allerdings trug Til Schweiger selbst einmal in ein paar dunklen Stunden zu dieser Kultur des Runtermachens bei: Es war 2009, seine Casting-Show hiess «Mission Hollywood», er suchte da auf RTL eine junge Schauspielerin für eine kleine Rolle im letzten Teil der «Twilight»-Saga. «Mission Hollywood» war ein Quotendesaster. Und eine Feier des unkontrollierten TV-Sexismus. Impossible. Er hat's dann auch nie wieder versucht. Und hüllt sich darüber in Schweigen, der Schweiger. 

Der Rest: Respekt. Riesenrespekt.

P.S. Okay, ein ganz kleines bisschen darf man ihn jetzt auch hochnehmen ...

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • E7#9 17.08.2015 15:45
    Highlight Schön dass sich Herr Schweiger für Flüchtlinge einsetzt. Unschön wie er sich damit ständig in Szene setzen muss. Dass lässt darauf schliessen, dass er Nächstenliebe für seinen Eigennutz missbraucht. Das ist schäbig. Er täte es lieber im Stillen. Das ganze wirkt ziemlich selbstherrlich. Pfui!
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  • kettcar #teamhansi 24.07.2015 06:20
    Highlight Ich hab seinen Post nicht verstanden. Er hat so genuschelt...
    21 0 Melden
  • Paris 23.07.2015 21:02
    Highlight Ich bin Til Schweiger "Fan" seid er für Organspende wirbt!
    17 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 23.07.2015 15:44
    Highlight Ich mag dieses undifferenzierte nicht, wenn gesagt wird "...Leute, die rechtes Gedankengut haben...". Wieso sollte es nicht Leute mit rechtem Gedankengut geben? Es gibt ja auch Leute mit Linkem.
    Nur mal zur Information: Rechts bedeutet nicht automatisch Ausländerklatschen, Asylheime anzünden oder solchen Kokolores, rechts hat ungefähr die gleiche Bandbreite wie die Linke auch und es ist völlig legitim, rechtes Gedankengut zu haben. Man nennt das Pluralismmus.
    70 120 Melden
    • olga 23.07.2015 16:35
      Highlight ... oder faschismus :)
      81 45 Melden
    • blueberry muffin 23.07.2015 17:01
      Highlight In Deutschland wird "rechtes Gedankengut" meistens wirklich erst ab Nazi Level verwendet, selbst die CSU ist noch eine Mitte Partei da niemand Rechts sein will.

      Also in diesem Sinne, wenn in deutschen Medien vom "rechten Gedankengut" geredet wird meint man meistens nicht SVPler sondern PNOS.

      Aber auch unter den SVP Waehlern gibt es immer mehr die ziemlich eindeutig gegen Auslaender und Asylanten hetzen auf Facebook. (Also im Sinne von "Stellt sie an die Wand" und "Hoffentlich ertrinken noch mehr") Diese Entwicklung ist zum kotzen und hat sehr wenig mit legitim zu tun.
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    • Paul_Partisan 23.07.2015 17:08
      Highlight jaja völlig legitim... so wie der neoliberalismus, der ist auch völlig legitim und trotzdem scheisse ;)
      53 17 Melden
    • exeswiss 24.07.2015 00:05
      Highlight @hitz in deutschland hat das rechte gedankengut einen anderen hintergrund, als in der schweiz was bei uns das nochnichtradikale rechts ist (SVP) wäre bei den deutschen eine mittepartei und unsere FDP mitte-links.
      13 2 Melden
    • Michèle Seiler 24.07.2015 06:02
      Highlight Blueberry Muffin, darf ich dich fragen, wie du zu deiner Einschätzung kommst?

      Ich habe (unter Anderem aufgrund der Kommentarspalten deutscher Medien und der bei den CSU-Webauftritten) das Gefühl, dass die CSU spätestens seit der Sache mit der Ausländer-Maut von den Deutschen
      rechtspopulistisch verortet wird - und Seehofer, der Chef der CSU, hat, soweit ich mich erinnere, zu Beginn des Jahres verlauten lassen, dass es rechts von der CSU auf Dauer keine demokratisch legitimierte Partei geben werde.

      Von der AfD und Pegida (die ja jetzt auch offiziell in die Politik wollen) ganz zu schweigen ...
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    • Michèle Seiler 24.07.2015 06:04
      Highlight Mir hat mal jemand, der jahrelang in der rechtsextremen Szene unterwegs war, gesagt, dass er den Eindruck hätte, dass sich die rechten Parteien generell radikalisiert hätten.

      Ich unterscheide, zumindest theoretisch, noch immer zwischen rechten und rechtsextremen/rechtspopulistischen Parteien - wobei ich mir nicht sicher bin, wie Letztere einzuordnen sind. Ich weiß nicht, ob das bloß (intelligente) Rechtsextreme unter anderer Flagge oder Vorläufer sind. Es gibt beim Vorgehen auf jeden Fall Parallelen zur NSDAP.
      15 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.07.2015 08:42
      Highlight Auch in Deutschland konnten sich rechte Parteien noch bis in die späten 80er-Jahre problemlos rechts verorten und deshalb witterte noch nicht gleich jeder hysterisch die Wiederkunft des dritten Reiches.
      Und auch das Wort "hetzen" wird heute reflexhaft und inflationär gebraucht, sobald jemand auch nur den leisesten Zweifel daran äussert, dass es eine gute Idee ist, einerseits den Brain-drain der Entwicklungsländer zu befördern und andererseits unsere Länder mit diesen Menschen zu überlasten. Aber auch das ist eine Meinung, die im politischen Prozess absolut legitim ist.
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    • martha_HUB 24.07.2015 08:53
      Highlight Ähm, blueberrymuffin lege ich folgenden watson-Artikel ans Herz: http://www.watson.ch/!818327916. So von wegen SVP und CSU. Die SVP wird in Deutschland ganz klar als rechtspopulistische teils gar rechtsextreme Partei benannt, während sie hier als konservativ gilt. Ihre Wahlkampfsujets werden auch gern mal von der NPD übernommen: http://www.blick.ch/news/ausland/die-falschen-freunde-deutsche-rechtsextreme-sehen-uns-als-vorbild-id2816235.html.
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    • das_boxi 24.07.2015 09:17
      Highlight @exeswiss: Ich möchte dich gerne korrigieren. Die Parolen der SVP wären in D klar als rechtspopulistisch bzw. sogar rechtsextrem einzuordnen. "Das Boot ist voll" und andere Rhetorik in diesem Stil kenne ich in D nur vom rechten Rand, das heisst von Republikanern, NPD und Pegida. In der Schweiz dagegen macht eine "bürgerliche" Partei diese Aussagen - was sehr bedenklich ist!
      25 3 Melden
    • sheimers 24.07.2015 17:02
      Highlight Bürgerlich ist von EVP bis FDP. Rechts davon ist nur noch rechtsextrem.
      11 2 Melden
    • Citation Needed 27.07.2015 09:00
      Highlight Schweiger sagte ja nicht, dass es keine Rechten geben dürfe. Er sagte, dass es mehr Rechte gebe, "als uns lieb ist". Nicht ganz dasselbe und überhaupt nicht undifferenziert. In einer Demokratie sind Mengenverhältnisse wichtig, warum braucht ja keiner zu erklären.
      4 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.07.2015 12:32
      Highlight Mehr Menschen mit rechtem Gedankengut, als uns lieb ist...
      Wer ist "uns"? Wer bestimmt ab wann es "mehr" sind? Wieviele wären ihm denn lieb? Wo fängt "rechtes Gedankengut" an und was ist das eigentlich ganz genau? Und wen geht eigentlich das Gedankengut von jemand anderem Etwas an?
      Fragen über Fragen wegen entweder unpräziser oder dann bewusst allgemein gehaltener Formulierung. Welches von beidem bedauernswerter bzw. tendenziöser ist, weiss ich nicht genau.
      1 1 Melden
    • Citation Needed 27.07.2015 17:00
      Highlight Hitz: er äussert seine Meinung, fertig.
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    • Citation Needed 27.07.2015 18:15
      Highlight Zur Frage, ob das Gedankengut von jemandem andere was angehe: Ja. Vgl. Demokratie.
      Wenn Pegida findet, "wir sind das Volk" oder "Lüüh-Genn-Pre'-Sse!", dann könnten die das ja auch still und einsam daheim beim Zähneputzen aufsagen, nicht? Oder Du könntest fragen: wer ist "wir"? Und wer sagt, wer das Volk ist, was wahr was falsch ist? Klar.
      Dennoch: wir haben verstanden. Du hast auch Schweiger verstanden, ich auch.
      Vielleicht bist Du anderer Meinung wie er und magst kein gutes Haar an seinen Äusserungen lassen, ist aber reine Haarspalterei & etwas hinterfotzig, um nicht zu sagen: tendenziös.
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    • Gelöschter Benutzer 27.07.2015 19:39
      Highlight Wenn man "rechtes Gedankengut" so pauschal verwendet, ist das also ok und einfach eine Meinung. Wenn man das kritisiert, ist das hinterfotzig?
      Und nein, das Gedankengut von jemandem einfach so in die Schandecke zu stellen, nur weil es geäussert wird, hat nichts mit Demokratie zu tun. JEDER darf seine Gedanken äussern und seine eigenen Gedanken haben, man nennt das Meinungsfreiheit. Linksextreme und Rechtsextreme sollten ihre Meinungen äussern dürfen, solange sie nicht versuchen, diese auf der Handlungsebene mittels Gewalt durchzusetzen.
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    • Gelöschter Benutzer 27.07.2015 19:40
      Highlight So ist eine Demonstration des Revolutionären Aufbaus in Zürich völlig in Ordnung, wenn das übliche Scherben- und Steineschmeiss-Ritual ausbleibt. Ebenso ist eine Demo von Pegida legitim.
      Alles Andere wäre eine Diktatur der Mitte und die ist ebenso inakzeptabel wie eine Diktatur der Extreme.
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Montagmorgen? Schlecht gelaunt und im Pendlerstress? Bei diesen Zug-Durchsagen musst du trotzdem lachen, versprochen!

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(oli)

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