Gesellschaft & Politik

In der Nähe vom Hülftenschanz in Frenkendorf, im August 1833 ereignete sich die letzte entscheidende Schlacht zur Basler Kantonstrennung. bild: ALTBASEL.CH

Kommentar

Hülftenschanz revisited: Die Baselbieter wollen auch heute noch nicht mit den Baslern 

28.09.14, 18:58 29.09.14, 00:39

Ob sie mir Weisswein einschenken dürfe, fragte mich Frau Jenny im Sääli des Restaurants Stadtmühle in Liestal beim Apéro der Fusionsgegner mehrmals. Ich habe den Wein von Frau Jenny – sie ist wohl die Frau des Präsidenten des Nein-Komitees Pro Baselbiet – nicht genommen.  

Frau Jenny war enttäuscht. Sie konnte nicht verstehen, wie man an einem solch freudentrunkenen Tag nüchtern bleiben kann.  

So wie Frau Jenny letztlich das Sääli der Stadtmühle verliess, so stimmten die Baselbieter über die Fusionsinitiative ab: Unnüchtern.  

Gewiss wäre der eingesetzte Verfassungsrat nicht genau proportional zur Grösse der jeweiligen Kantonsbevölkerungen eingesetzt worden. Gewiss waren zu prüfende Gesetzesgrundlagen für die Fusion halbgar ausgearbeitet. Und gewiss hatte niemand versucht, vor der Abstimmung irgendeine halbwegs ernsthafte Analyse auszuarbeiten, die über Nutzen und Risiken einer Fusion in den jeweiligen Halbkantonen Auskunft gegeben hätte.  

So wie Frau Jenny das Sääli der Stadtmühle verliess, so stimmten die Baselbieter über die Fusionsinitiative ab: Unnüchtern.  

Dennoch ist das Resultat dermassen klar, dass man Frau Jenny, ihrem Mann und seinem Komitee nur gratulieren kann. Die Nein-Kampagne warnte in lokalpatriotischer Manier und mit dem Slogan «Baselland bleibt selbständig» vor nichts weniger als dem Verlust der Freiheit. Und sie verfing – sachliche Argumente eher nicht.  

Noch nicht einmal prüfen lassen wollten die Baselbieter ein Zusammengehen. Nicht in den Unterbaselbieter Gemeinden wie Binningen, Arlesheim oder Reinach im Speckgürtel von Basel. Und schon gar nicht in den Oberbaselbieter Bezirken Sissach und Waldenburg, wo teilweise über 80 Prozent Nein-Stimmen in den Urnen landeten.  

Auch die einigermassen knappe Annahme in Basel-Stadt ist eine Folge der reaktionären Baselbieter Nein-Kampagne. Warum soll man eine Fusion prüfen lassen mit einem Nachbarn, der das scheinbar überhaupt nicht will? 

Auch die knappe Annahme in Basel-Stadt ist eine Folge der reaktionären Baselbieter Nein-Kampagne. Warum soll man eine Fusion prüfen lassen mit einem Nachbarn, der das scheinbar überhaupt nicht will? 

In Zeiten des gefühlten Umbruchs, in denen sich nicht nur die SVP rückwärts und auf zurechterzählte historische Wurzeln besinnt, ist das Nein der Baselbieter zur Fusionsinitiative nur folgerichtig.  

Um den Fortschritt ist es schade.  

Aber für Frau Jenny und die Renovation des weit herum für zerfallen gehaltenen Kantonspatriotismus des Baselbiets ist das Resultat Gold wert: Man steht wieder so geeint zusammen, wie 1833 hinter den Helden der Schlacht an der Hülftenschanz.  

Als man es den Stadtbaslern das letzte Mal so richtig gezeigt hat.  

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  • Gelöschter Benutzer 28.09.2014 21:15
    Highlight Die Baselbieter sind nicht halb so blöd und rückständig wie Herr Thiriet sie darstellt. Ich als Stadtbasler habe ebenfalls mit Nein gestimmt, und ich war nicht einmal angetrunken.
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  • Ben 28.09.2014 19:19
    Highlight "Sääli" und nochmals "Sääli" - das ist ganz schön! Ich glaube, der glaubt dran!
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  • Le_Urmel 28.09.2014 19:15
    Highlight Als Städter habe ich eine grosse Bitte an meine Regierung: Lasst das Baselbiet da wo es heute steckt: im Sumpf

    Sistiert alle Abkommen, es hat keinen Sinn und kostet nur Geld. Höhere Beiträge für alle Baselbieter, die städtische Institutionen benutzen etc. Sie wollen ja unsere Strassen benutzen und die gehen ja nicht mal 4spurig in die Innenstadt
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