Gesellschaft & Politik

Satire als Waffe gegen die Dschihadisten – Bild von angeblichen IS-Kämpfern (März 2014). Bild: AL-FURQAN MEDIA

IS-Comedy im irakischen Fernsehen

Mit Humor gegen den IS-Terror

Im Kampf gegen den Islamischen Staat setzt der Irak auf Satire: Seit dem Wochenende läuft im staatlichen TV die Comedy-Show «Staat der Mythen». Aus Angst vor dem IS wollen manche Beteiligte anonym bleiben. 

29.09.14, 16:18

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Der Islamische Staat rückt immer weiter vor - trotz der Luftschläge der USA und ihrer Verbündeten. Jetzt setzt der Irak im Kampf gegen die IS eine neue Waffe ein, wie die «Washington Post» berichtet: Humor. Seit Samstag läuft im staatlichen Fernsehen die 30-teilige Serie «Staat der Mythen», eine bitterböse Satire gegen die islamischen Extremisten.

Schauplatz ist ein fiktiver irakischer Staat, der von der IS übernommen wurde. Vor diesem Hintergrund versucht die TV-Serie, die Fundamentalisten und ihre Propaganda zu entlarven. Für irakische Verhältnisse ist die Produktion mit einem Etat von 600.000 Dollar sehr aufwändig, schreibt die «Washington Post». Zuletzt gab es auch in anderen arabischen Ländern satirische Versuche, sich mit dem IS auseinanderzusetzen.

Der Zuschauer von «Staat der Mythen» lernt beispielsweise den örtlichen Saufbruder kennen, der plötzlich zum fanatischen Unterstützer der Islamisten wird und andere Bewohner der Stadt wegen Alkohol-Verstößen züchtigt - während er sich selbst weiterhin regelmäßige Drinks genehmigt. Damit machen sich die Drehbuchschreiber lustig über die Heuchelei mancher IS-Vertreter.

Serie spießt krudes Islam-Bild der IS auf

Mit einer anderen Figur wollen sie zeigen, wie krude das Islam-Bild des IS ist: Der Gemüseverkäufer muss sich in der Serie von den Extremisten darüber aufklären lassen, dass Gemüse mit weiblichem und solches mit männlichem Namen nicht zu mischen ist.

Der «Staat der Mythen» sollte ursprünglich auch mit der in der Region beliebten Verschwörungs-These spielen, wonach der IS eine Kreatur der USA, Israels und sunnitischer Staaten wie Saudi-Arabien und Katar ist. So ist im Original-Trailer der Serie zu sehen, wie ein Cowboy zu einer Hochzeit einlädt: Dort wird der Teufel mit seiner Gattin Israel getraut, aus der Ehe entsteht kurz darauf Abu Bakr al-Bagdadi, der als Miniatur aus einem Ei schlüpft. Angesichts der Militäraktionen von USA & Co. gegen IS hat man nun aber offenbar von diesem Kontext abgesehen.

Die Show soll im ganzen Irak ausgestrahlt werden - also auch in den Gebieten, die vom IS kontrolliert werden. Offenbar hofft man darauf, den dortigen Irakern ein Zeichen der Hoffnung zu geben. Nach dem Motto: Die Islamisten werden uns nicht besiegen, so lange wir über sie lachen können.

«Bisher ist alles ok, aber ich gehe davon aus, dass ich bedroht werde, sobald die Serie im Fernsehen läuft»

Hauptdarsteller in «Staat der Mythen», anonym

Doch die Angst vor der Bagdadi-Miliz ist selbst unter den Beteiligen der Comedy groß. Der «Washington Post» zufolge wollen einige von ihnen nicht namentlich im Abspann auftauchen - auch der Drehbuchschreiber von «Staat der Mythen» bleibt lieber anonym. «Bisher ist alles ok, aber ich gehe davon aus, dass ich bedroht werde, sobald die Serie im Fernsehen läuft», sagte der Darsteller von IS-Anführer Bagdadi der «Washington Post.»

«Es mag gefährlich sein, aber wir müssen eine Botschaft loswerden, die zeigt, wie hässlich diese Menschen sind.»

Taha Alwan, Darsteller in «Staat der Mythen»

Andere nehmen das Risiko in Kauf, so wie Taha Alwan, der den örtlichen Imam spielt. «Für mich ist das eine persönliche Sache», sagt er: Alwan hat zwei Kinder in den blutigen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre verloren. "«Es mag gefährlich sein», sagt er über die Mitwirkung an der Serie, «aber wir müssen eine Botschaft loswerden, die zeigt, wie hässlich diese Menschen sind.» (flo)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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