Gesellschaft & Politik

Labitzke-Areal 

Zürcher Stadtpolizisten sägen die Ketten eines an Containern befestigten Strassenblockierers auf. sven zaugg

Zürcher Hausbesetzung – Polizei «befreit» einbetonierten Demonstranten

05.08.14, 07:44 05.08.14, 16:14

Die Besetzer des Labitzke-Areals in Zürich-Altstetten haben am Dienstagmorgen an der Hohlstrasse eine Strassenblockade errichtet. Sie wehren sich damit gegen die drohende Räumung des Areals. Die Polizei mühte sich stundenlang, einen mit den Armen einbetonierten Aktivisten zu befreien. Sie nahm 16 Personen fest.

Die Besetzer hatten angekündigt, für «Unordnung in der Stadt zu sorgen». Mit der Blockade an der Hohlstrasse machten sie am frühen Dienstagmorgen ihre Drohung wahr. Unter dem Motto: «Ihr nehmt uns das Labitzke-Areal, wir zügeln auf die Strasse» wurde um 6 Uhr die Hohlstrasse mit Möbeln und Containern blockiert.

Die Polizei hat den letzten Strassenblockierer von zwei Containern gelöst. sven zaugg

Auf der Fahrbahn bauten die Labitzke-Sympathisanten ein «Wohnzimmer» auf und frühstückten zusammen. Einige der Besetzer ketteten sich an Container fest und blockiert so den Verkehr auf der Hauptverkehrsachse. Betroffen von der Blockade war insbesondere auch die Busverbindung zwischen Altstetten und der Innenstadt.

Die Stadtpolizei rückte mit einem grösseren Aufgebot an und stellte den Aktivisten ein Ultimatum. Als diese die Strasse nicht freigaben, begann die Polizei mit der Räumung. Grössere Probleme bereitete den Einsatzkräften dabei ein Mann, der mit beiden Armen in grossen Metallcontainern einbetoniert war.

Zunächst mit Spitzhacke, dann mit Schlagbohrer und Trennschleifer versuchten die Polizisten den Aktivisten zu befreien - vergeblich. Sven zaugg

Die Feuerwehr eilt der Polizei bei der «Entkettung» der Strassenblockierer zur Hilfe.  sven zaugg

Zunächst mit Spitzhacke, dann mit Schlagbohrer und Trennschleifer versuchten die Polizisten den Aktivisten zu befreien - vergeblich. Schliesslich rückte die Feuerwehr zur Unterstützung an und nach rund zweistündiger, schweisstreibender Arbeit war es geschafft: Der Aktivist liess sich von Polizisten wegtragen - unter dem Applaus einiger Sympathisanten.

Derweil beseitigten Mitarbeiter von Entsorgung & Recycling Zürich (ERZ) die Überreste des morgendlichen Frühstücks. Die Möblierung des «Wohnzimmers» wurde auf einen Laster geladen mit der Aufschrift: «Damit es in der Stadt so schön ist wie zuhause».

Stadtpolizisten tragen den Hausbesetzer, der sich mitten auf der Zürcher Hohlstrasse an Container gekettet hatte, weg.  sven zaugg

Insgesamt wurden bei der Strassenräumung 16 Personen vorläufig festgenommen. Sie müssen sich wegen Nötigung, Störung des öffentlichen Verkehrs und Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration verantworten. Erst kurz nach 12 Uhr war die Hohlstrasse wieder normal befahrbar.

Stadtpolizisten verhaften einen der Hausbesetzer und Strassenblockierer an der Zürcher Hohlstrasse vor dem Labitzke-Areal. sven zaugg

Die Besetzer begründen ihre Aktion damit, dass das Labitzke-Areal «akut räumungsbedroht» sei. «Viele Menschen verlieren damit ihren Lebens-, Wohn- und Aktionsraum», hiess es in einer Mitteilung. Das Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke wird seit Jahren besetzt und dient als Labor für eines der grössten Kultur- und Wohnexperimente in der Stadt Zürich.

Die letzten Mieter haben am Montag ihre Schlüssel abgegeben. Einige Besetzer harren jedoch weiter dort aus. Die Immobilienfirma Mobimo will auf dem Gelände eine Überbauung mit über 200 Wohnungen realisieren. (sza/sda) 

Eine Aktivistin wird abgeführt. Bild: KEYSTONE

Die Stadtpolizei Zürich fährt mit zwei Wasserwerfern an der Hohlstrasse auf. Bild: KEYSTONE

Die Stadpolizei verhaftet zwei Labitzke-Aktivisten Bild: KEYSTONE

Das zur Räumung vorgesehene Labitzke-Areal mit dem Autonomen Beautysalon in Zürich-Altstetten. Bild: KEYSTONE

Transparente am Zaun um das besetzte Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten. sven zaugg

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  • john benz 05.08.2014 19:02
    Highlight Wieso hat man ihn befreit? Auf die Seite schieben und mal schauen wie er zurecht kommt. Hat ihn ja niemand gezwungen sich anzuketten.
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  • Maya Eldorado 05.08.2014 12:33
    Highlight Man kann darüber streiten, ob das gut ist, die Art wie sie es machen.
    Aber mal ehrlich - ich sollte aus meiner Wohnung raus und finde einfach keine neue, die bezahlbar ist. Und so geht es vielen anderen auch.
    Geht das so weiter im Wohnungswesen und -bau, werden wir früher oder später auch unsere Favelas haben oder eben nicht Besetzungen aus Prinzip, sondern aus reiner Not.
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    • Diko 05.08.2014 17:44
      Highlight wie wärs mit radius erweitern bei der suche? favelas? Not? lächerlich...rund um zürich gibt es auch attraktive wohnungen. aber nein, man will in der city sein..gut, aber alles hat seinen preis;-)
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    • Maya Eldorado 05.08.2014 21:03
      Highlight Uhu, wohne in der Agglo Basel und möchte gerne wieder in Basel wohnen, was aussichtslos erscheint. Es werden kontinuierlich alle billigen Wohnungen entweder geschleift und teure Wohnungen hingestellt oder die Wohnungen luxusrenoviert. Mir ist die Agglo auch recht. Aber da sieht es nicht besser aus.
      Das heisst nicht, dass man absolut nichts findet. Aber es braucht viel Glück und am besten Vitamin C und viel Zeit.
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  • Thomas F. 05.08.2014 11:18
    Highlight Nur knapp 1'000 KM herrschen Krieg, Zerstörung und Hoffnungslosigkeit. Es sterben Kinder, Frauen und unschuldige Zivilisten. Ob in Lybien, Gaza, Syrien, Irak oder Ukraine. Zugegeben, der Link zu den Besetzern ist etwas an den Haaren herbeigezogen. Doch unter dieser weltpolitischen Lage, habe ich kein Verständnis für Personen, die sich am Wohlstand laaben, die Welt verbessern wollen und nichts als Chaos hinterlassen.
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    • cille-chille 05.08.2014 14:17
      Highlight .......wie zum Beispiel Investoren und Spekulanten?
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    • Oliver (1) 05.08.2014 17:06
      Highlight Wäre es denn in ihrem Sinn, wenn die Menschen hier angesichts dieser Lage auf alles verzichten, die Welt verschlechtern wollen ohne dabei den nötigen Sinn für Ordnung zu vergessen? Oder etwas anders: Ordentlich selbstmitleiden und -hassen für Lybien, Gaza, Syrien, Irak und die Ukraine?
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    • Thomas F. 06.08.2014 09:16
      Highlight Ich will nur darauf hinweisen, dass wir in der glücklichen Lage sind, mit demokratischen Mitteln Veränderungen herbeizuführen. Natürlich ist die Wohnungspoltik ein Problem nur führt die Besetzung eines Areals nicht einen Schritt Richtung Lösung dieses Problems, sie führt nur zu mehr Polarisierung.
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  • Gelöschter Benutzer 05.08.2014 09:49
    Highlight Sowas passiert, wenn man zu lange zuschaut wie sich licht- und arbeitsscheue Figuren breitmachen und fremde Gebäude besetzen.
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  • droelfmalbumst 05.08.2014 09:09
    Highlight Sowas kommt raus, wenn man entweder keine Arbeit hat oder dann keine Hobbies. Beim ersten Foto fehlt nur noch der Joint und das Klischee ist zu 100% erfüllt.

    Gönd go schaffe...
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    • Molson 05.08.2014 10:09
      Highlight genau!
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  • Bounty7 05.08.2014 08:36
    Highlight ja danke auch, dass ich wegen so etwas heute zu spät zur Arbeit kam! Sucht euch ne Arbeit und hört auf dem Staat auf der Tasche zu liegen!
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    • skap 05.08.2014 08:48
      Highlight besetzer sind meistens nicht arbeitslos
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    • Miautsch 05.08.2014 10:33
      Highlight @skap
      Ja, die gehen zum Chef "Ey ich brauch frei, muss mal kurz an einer Besetzung teilnehmen." [Ironie off]
      7 14 Melden
    • Bounty7 05.08.2014 11:20
      Highlight guter witz
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    • jacoby 05.08.2014 11:37
      Highlight die meisten der besetzer arbeiten ganz normal, wie alle anderen auch. und sie liegen mit sicherheit dem staat weniger auf der tasche als die meisten anderen.
      das einzige, was sie wollen ist, dass ihr zuhause nicht unnötig früh abgerissen wird und sie nicht auf der strasse landen. das ist doch legitim, oder?

      ps. ist nur ein arbeitender mensch ein guter mensch? oder sogar nur dann, wenn seine arbeit einen wirtschaftlichen nutzen hat?
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    • Middleway 05.08.2014 12:01
      Highlight Liegen dem staat nicht auf der tasche? Der einsatz war sicher gratis und falls er doch etwas gekostet hat, übernehmen die besetzer sicher gerne die kosten.. Haben ja alle einen super job.. Träum weiter.
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    • Bounty7 05.08.2014 13:31
      Highlight normal arbeiten und an einem dienstag gebäude besetzten? mein chef würde da auch sofort sagen; ja klar darfst gerne freinehmen - ich hole dich dann auch gleich aus dem gefängnis... :P den job möchte ich auch haben wo man so nebenbei in schludderklamotten demonstieren geht...
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    • Kasi 05.08.2014 15:29
      Highlight Fakt ist, dass keiner hier weiss ob diese Personen arbeitslos sind oder nicht und wenn ja wie viele und ob sie Sozialleistungen beziehen oder nicht. Wieso diskutieren wir dann darüber????

      P.S. Zum Beispiel Andrea Stauffacher ist nicht arbeitslos.
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    • droelfmalbumst 05.08.2014 16:56
      Highlight @Kasi

      Mir geht es darum dass ich solche Aktionen prinzipiell behindert finde. Was hat er davon wenn er sich an zwei Kontainer kettet? Intressiert es die Polizei? Eher nicht, die reissen ihn da weg und fertig. Man kann auch anderst seine Meinung äussern als solche unnötigen Proteste. Zumal damit andere, welche ihrem Alltag nachgehen behindert werden weil Strassen gesperrt werden müssen... totaler Schwachsinn!
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    • philipp meier 05.08.2014 18:51
      Highlight oke. viel ahnung von arbeiten habt ihr nicht. ihr werdet staunen, aber es gibt leute, die arbeiten teilzeit, abends/nachts oder an den wochenenden. krass, nicht? ;)

      und wenn bei polizeieinsätzen wirklich das verursacherprinzip gelten soll, dann müssten unter vielen anderen automobile verkehrsteilnehmer und grossveranstalter (vom zürifäscht übers sechseläuten bis zu den fussballspielen) viel stärker zur kasse gebeten werden.

      und wer mich alles behindert, wenn ich meinem alltag nachgehe, behalte ich gescheiter für mich;)
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    • Kasi 08.08.2014 09:33
      Highlight @droelmalbumst

      Der Fakt das wir hier darüber diskutieren beweist doch, dass die ganze Aktion ihren Zweck erfüllt hat.
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