Gesundheit

In 90 Prozent der Fälle liegt das Problem im Mund.
Bild: shutterstock

Schlechter Atem? So wirst du den Mundgeruch wieder los

Viele denken, Mundgeruch kommt aus dem Magen – tatsächlich aber liegt die Ursache fast immer im Mund. Dann können schon einfache Mittel wie Zahnseide helfen.

29.03.16, 14:11

Ein Artikel von

Morgens direkt nach dem Aufstehen oder nach einem schnellen Döner müffelt es oft aus dem Mund. Die meisten Menschen finden derartige Gerüche zwar ein bisschen eklig, ein echtes Problem sind sie aber nicht. Denn der morgendliche Mief verschwindet nach dem Frühstück in der Regel von allein, und Zwiebelatem lässt sich durch Kaugummikauen überdecken. Allerdings gibt es auch Menschen, die ständig oder sehr häufig unangenehm aus dem Mund riechen. In solchen Fällen sprechen Mediziner von Halitosis.

«Wann Halitosis genau anfängt, ist schwer zu definieren, da Geruchsempfindungen sehr subjektiv sind», sagt der Düsseldorfer Zahnarzt Sebastian Michaelis. «Für uns sind die Fälle interessant, in denen der Mundgeruch auf eine Distanz riechbar ist, die die Betroffenen im sozialen Leben einschränkt.»

Michaelis hat 2009 den Arbeitskreis Halitosis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) mitbegründet und bietet in seiner Praxis eine Halitosis-Sprechstunde an. Dort wird zunächst geprüft, ob die Patienten tatsächlich Mundgeruch haben. Mit speziellen Geräten lassen sich Schwefelverbindungen im Atem messen. Das beste Instrument ist aber immer noch die Nase, sagt Michaelis.

Oft liegt die Ursache im Mund

Die richtige Mundhygiene ist das A und O.
bild: shutterstock

Wenn der Zahnarzt einen auffälligen Geruch feststellt, macht er sich auf die Suche nach der Ursache. Viele Menschen glauben, dass der typische Fäulnisgeruch aus dem Magen kommt. Das sei aber praktisch nie der Fall, erklärt Michaelis. Nur wenige Betroffene haben ein allgemeinmedizinisches Problem. Das können Ausstülpungen der Speiseröhre sein oder bestimmte Leber- und Nierenerkrankungen. Fast immer – in etwa 90 Prozent der Fälle – liegen die Ursachen im Mund.

Meistens seien Bakterien die Übeltäter, die zwischen den Zähnen, in tiefen Zahnfleischtaschen oder unter wackeligen Zahnprothesen sitzen, so Michaelis. Dann lässt sich der Mundgeruch mit der richtigen Behandlung in der Regel schnell beseitigen.

Wenn der Zahnarzt nichts findet, führt der nächste Weg zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Die zweithäufigste Stelle Ursache für fauligen Atem liegt im Nasen- beziehungsweise Rachenraum. «Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen oder Bakterienansammlungen auf den Mandeln können einen schlechten Geruch aus Mund und Nase erzeugen», sagt Thomas Deitmer, Direktor der HNO-Klinik am Klinikum Dortmund. Viele Menschen kennen zudem die übelriechenden kleinen weissen Klümpchen, die in den Furchen der Mandeln entstehen (mehr zu Mandelsteinen liest du hier).

Auch in diesen Fällen versucht man, den Geruch zu beseitigen, indem man das Grundproblem behandelt. Das ist aber nicht immer so einfach. Wenn die Ursache auf den Mandeln liegt, könne eine Operation zwar sehr wahrscheinlich helfen, hundertprozentig versprechen könne man es aber nicht, erklärt Deitmer. Ausserdem ist eine Mandeloperation immer mit einem gewissen Risiko für Komplikationen verbunden. Beispielsweise kann es zu Nachblutungen kommen. «Es muss daher individuell mit dem Patienten abgewogen werden, ob er zur Befreiung von Mundgeruch dieses Risiko in Kauf nehmen möchte», sagt der HNO-Arzt.

Halitophobie – die unbegründete Angst vor dem Mundgeruch

Um übelriechendem Atem vorzubeugen, rät Christoph Benz, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landeszahnärztekammer, täglich zweimal die Zähne zu putzen. Einmal davon in Kombination mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten und der Reinigung der Zunge, da sich auf dem Zungenrücken viele Bakterien tummeln. «Das sollte man allerdings mit Vorsicht tun», mahnt der Zahnarzt.

Häufig werden die Zungenschaber, die es mittlerweile in allen Drogerien zu kaufen gibt, mit zu viel Kraft angewendet. Unter Umständen gelangen durch zu starkes Schrubben Bakterien in die Blutbahn. Eine weitere Empfehlung ist, ein- bis zweimal im Jahr beim Zahnarzt die harten Zahnbeläge entfernen zu lassen. Antibakterielle Mundspüllösungen hingegen sollte man nur nach Rücksprache mit dem Zahnarzt anwenden, rät Benz. Denn durch zu häufiges Spülen könne das Bakteriengleichgewicht im Mund durcheinander geraten.

Wer auf gute Mundhygiene achtet, aber trotzdem glaubt, schlecht aus dem Mund zu riechen, sollte seine Freunde oder seinen Zahnarzt fragen. Selbsttests – wie das Riechen am eigenen Speichel – sind nach Auskunft der Experten nicht zuverlässig. Häufig ist die Befürchtung, andere Menschen durch seinen Atem zu belästigen, auch völlig unbegründet. Wie Christoph Benz berichtet, haben viele Patienten, die in die Halitosis-Sprechstunden kommen, gar keinen Mundgeruch.

Leider seien darunter auch einige, die fest davon überzeugt sind, doch aus dem Mund zu riechen, erklärt Benz. Experten sprechen dann von Halitophobie. In solchen Fällen kann nur der Psychologe helfen. Auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, die Mundgeruch haben, ohne es zu merken. In solchen Fällen empfiehlt Sebastian Michaelis Kollegen und Freunden, das Thema offen anzusprechen: «Nach meiner Erfahrung sind die meisten Menschen sehr dankbar, wenn man sie – natürlich vorsichtig und taktvoll – darauf aufmerksam macht.»

(Caroline Mayer, dpa)

Passend dazu: Der Mund als Leinwand

Mehr zum Thema Gesundheit und Ernährung:

Schlimme Grippe-Welle aus Australien nimmt Kurs auf die Schweiz

Krank? Ich doch nicht! – die verzerrte Wahrnehmung der Raucher

Mit Gesundheitsapps auf dem Weg zum gläsernen Patienten

Burnout im Kinderzimmer: Warum immer mehr 11-Jährige unter Stress leiden

Wenn Krebspatienten nach der Chemo Kinder wollen, bezahlt die Krankenkasse nichts

Zürcher Forscher entdecken: High Heels sind besser als ihr Ruf 

Das Gesicht der Chemo: Ein ehrliches – und gerade dadurch berührendes Foto-Projekt 

«Boreout» – Unterforderung im Job kann krank machen

Hunger-Schalter im Gehirn: Warum Kiffen Fress-Attacken auslöst

Ärzte zu bewerten liegt im Trend: Warum du den Ratings nicht vertrauen solltest

Dracula-Syndrom: Ist das die Krankheit, aus der die Vampirlegende entstand?

Nicole war eigentlich schon tot – jetzt erzählt sie, wie sie die Magersucht besiegt hat

Methadon – weshalb es plötzlich einen riesigen Ansturm auf den Drogenersatz gibt

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Sex? Aber sicher! So kannst du hormonfrei verhüten

Keine Libido, schlechte Laune, Blutgerinnsel – das Image der Pille hat gelitten. Wer auf sie verzichten möchte, kann mittlerweile unter einer Vielzahl hormonfreier Alternativen wählen. Ein Überblick.

Die Pille, einst Symbol der sexuellen Selbstbestimmung, ist heute vielen nicht mehr geheuer. Wer sie schluckt, erhöht das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel. Auch das Wohlbefinden kann leiden. Das muss nicht sein. Mittlerweile existiert eine Vielzahl hormonfreier Alternativen, die stetig weiterentwickelt werden. Wir stellen die Methoden im Hinblick auf Anwendung, Kosten und Zuverlässigkeit vor – mit der Einschätzungen einer Expertin.

Was und wie: Diaphragmen und Portiokappen sind runde Kappen …

Artikel lesen