Homosexualität

Zurich Pride

Mit solchen Situationen müssen sich Schwule und Lesben tagtäglich herumschlagen

14.06.14, 12:47 14.06.14, 16:54

In der ABC-Show «What Would You Do?» filmt Moderator John Quiñones mit versteckter Kamera Situationen, in denen die Zivilcourage der Amerikaner auf die Probe gestellt wird. Beim Dreh in einem mexikanischen Grill in Vicksburg, Mississippi, ging es um Toleranz gegenüber Homosexuellen.

Es geht um ein Paar, zwei junge Männer, die im Restaurant Händchen halten, kuscheln, knutschen. Es sind Schauspieler; die Situation ist gestellt. «Ist das euer Ernst? Ich will hier essen», pöbelt eine Frau. Es ist Traci, der Lockvogel. Wie reagieren die anderen Gäste?

Die Schauspieler Ben und Andreas mimen das Pärchen. Screenshot: ABC

«Wenn das mein Sohn wäre, würde ich ich ihm sagen, dass Gott das nicht mag», sagt eine beleibte Frau. Traci sagt, die Schwulen würden ihr den Appetit verderben. «Das glaube ich», antwortet die Frau. «Das christlichste, was man tun kann, ist sich umzusetzen, damit man es ausblenden kann.»

Traci, der Lockvogel. Screenshot: ABC

Als sich das Kamerateam zu erkennen gibt, bleibt sie bei ihrer Meinung über Homosexualität. «Ich glaube, dass es falsch ist. Das steht in der Bibel, ich glaube an die Bibel und ich liebe Jesus.» Sie hätte auch einem Heteropaar nicht bei so was zuschauen wollen.

Neue Gäste, neues Glück? Einige Jugendliche brechen in Gelächter aus, als sich das Pärchen kurz küsst. Wieder beginnt Traci zu schimpfen, doch dieses Mal schaltet sich ein Student ein. «Das ist doch wirklich keine grosse Sache», meint er. Von den Teenagern bekommt Traci dagegen einen erhobenen Daumen.

Teenager filmen das schwule Pärchen, der Daumen geht runter. Screenshot: ABC

Der Lockvogel setzt noch einen drauf. «Ihr solltet gehen», fordert Traci. Eine dicke Frau stimmt zu. «Uns stört ihr auch.» Ein anderer Student schaltet sich ein. Es sei nichts Schlimmes dabei, schwul zu sein. Schliesslich wenden sie sich an den Kellner und berichten von dem Mobbing. 

Nur: Der Kellner ist ebenfalls Schauspieler. Er wirft nicht die Intoleranten, sondern das schwule Pärchen raus. In Mississippi darf der Service verweigert werden, wenn man sich auf religiöse Überzeugungen beruft. 

Dieser Student schaute nicht zu, sondern schaltete sich ein. Screenshot: ABC

«Es gibt einen fucking Grund, warum die halbe Welt Amerika hasst»

Die Studenten sind erschüttert. «Es gibt einen fucking Grund, warum die halbe Welt Amerika hasst. Wegen Leuten wie ihnen. Weil sie nichts anderes auf der Welt akzeptieren. Ich bin so wütend.» Bevor Schlimmeres geschieht, tritt Moderator John Quiñones auf.

«Ich hasse es, wenn Leute ohne Grund nicht gleich behandelt werden», sagt der Student. «Aber du kannst nicht durch die Gegend laufen und alle Leute ändern.» Eine Frau, die ebenfalls gepöbelt hat, bestätigt das. «Wenn Leute sagen, das steht nicht in der Bibel, ist das eine Lüge. Es geht gegen alles, gegen Gott.» 

Auf die Frage, ob das nicht intolerant sei, entgegnet sie nur: «Ich würde sagen, das sind meine Überzeugungen.»

Ramona glaubt, dass Gott Schwule hasst.  Screenshot: ABC

Wenig überzeugend scheint auch die Aussage, bei einem heterosexuellen Pärchen würden die Leute genau so handeln, wenn sie rummachen. Denn auch das testet ABC, schickt Joe und Jill ins Restaurant und lässt Traci über ihre Küsse motzen. Alle anwesenden Gäste verteidigen das Paar. Traci sei nur neidisch, heisst es. 

(phi)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • SeKu 14.06.2014 21:36
    Highlight Wenn man sonst keine Probleme hat, dann schafft man sich eben solche Probleme mit der offenbar nötigen Hilfe mehrere Schauspieler, welche sich künstlich aufregen.

    Man schicke also ein schauspielerndes Päärchen, das sich schlecht benimmt, in ein Restaurant. Dann schickt man eine Schauspielerin, welche sich über das schlechte Benehmen beschwert. Auch der Kellner, die Autoritätsperson im Restaurant, muss ein Schauspieler sein und er schickt dann das sich schlecht benehmende, schauspielende Päärchen raus. Und zum Schluss regt man sich dann künstlich auf, dass nicht alle der nicht schauspielenden Anwesenden sich über die Schauspielerin, welche sich über das sich schlecht benehmende Päärchen beschwert, herfallen. Das ist doch etwas gar weit her geholt und schadet der Homosexuellen-Gleichberechtigungsarbeit wohl viel mehr als es nützt.

    Dass die Macher dieses Videos eine Schauspielerin anheuern mussten, damit das sich schlecht benehmende homosexuelle Päärchen überhaupt beachtet wird, ist wohl die einzige und zum Glück auch erfreuliche Schlussfolgerung, welche man aus diesem Video ziehen kann.
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